Kickers Würzburg

Fußball "Zeitspiel" beim Drittligisten aus Würzburg in der Trainerfrage / Interims- kann schnell zur Dauerlösung werden / Mannschaft hat zuletzt härter trainiert

Schiele will Trainer bei den Kickers bleiben

Dass die Veränderungen, welche die Würzburger Kickers nach der Trainer-Freistellung von Stephan Schmidt "angeschoben" haben (wir berichteten), nicht nur Lippenbekenntnisse sind, zeigte sich gestern: Daniel Sauer, der nun in seiner Funktion als Sportchef näher ans Team gerückt ist, war beim Training. Genau beobachtete er die Übungen des Interims-Coaches Michael Schiele. Der 35-jährige Sauer hatte zuvor fast jeden der Trainingskiebitze per Handschlag begrüßt - und er wurde natürlich immer wieder gebeten, zu der im Moment dringlichsten Frage beim FWK Stellung zu nehmen: Wer wird neuer Trainer bei den Kickers?

"Wir geben uns die Zeit, die es braucht, um eine fundierte Entscheidung im Sinne des Vereins zu finden", sagte Sauer. Der Verein habe nun mit der Freistellung Schmidts gehandelt. "Jetzt ist erst einmal die Mannschaft in der Pflicht", so Sauer. Das Anforderungsprofil des "Gesuchten" sei intern festgezurrt und bleibe auch intern. Klar ist aber, und das stellte Daniel Sauer heraus: "Michael genießt unser Vertrauen und ist einer der Kandidaten."

Michael - das ist Michael Schiele, der heute vor zwölf Tagen das Traineramt übernommen hat. Der 39-jährige Fußballlehrer hat erst einmal die "Basics" des Fußball in den Mittelpunkt seines Wirkens gerückt: "Wir haben sehr viel trainiert und andere Trainingsinhalte gewählt." Der einstige Fußballprofi (Aalen, Sandhausen, Schweinfurt) hat mit 18 Trainingseinheiten in dieser Zeit die Intensität deutlich erhöht. "Wir haben hart gearbeitet und uns auch einmal um 7 Uhr frühs getroffen", bestätigte Kapitän Sebastian Neumann die Steigerung des Übungsumfangs.

Zurück zu Hollerbach-Methoden? Das kann man wohl so sagen, denn unter den Trainingsinhalten befanden sich beispielsweise auch Kraftcircles - die gehörten bei Bernd Hollerbach zum Standardprogramm. Diese Rückbesinnung auf alte Tugenden lässt den Schluss zu, dass es unter Stephan Schmidt zu viele körperliche Defizite gab, die die Mannschaft in ihrem Tun hinderten. Konkret darauf angesprochen, gab sich Schiele kollegial zu Vorgänger Schmidt: "Defizite - so würde ich es nicht ausdrücken. Um unser Spiel durchzudrücken, brauchen wir vielleicht ein paar Körner mehr."

Wie auch immer: Die Kickers brauchen im morgigen Kellerduell beim Mitabsteiger Karlsruher SC (Anpfiff 14 Uhr) dringend Punkte, um aus dem Tabellenkeller zu krabbeln (einen "sportlichen Vorbericht" lesen sie in unserer morgigen Ausgabe). Und solche Punkte würden auch die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass aus der Interimslösung Michael Schiele eine Dauerlösung wird. "Ich bin heiß darauf", sagte der Fußballlehrer, wohlwissend, dass er diese einmalige Chance im Profifußball nutzen möchte. Intern sei ein Vorgehen abgesprochen, zu dem sich aber weder Sauer noch Schiele äußern wollten. Es ist gut denkbar, dass sich die Kickers bis zur nächsten Länderspielpause Zeit geben; die ist am 11./12. November. Bis dahin haben die Würzburger die Spiele in Karlsruhe, gegen Wehen-Wiesbaden, bei Fortuna Köln und daheim gegen Halle zu bestreiten.

Prinzip "Hoffnung"

Ganz banal ist natürlich auch die finanzielle Komponente ein Faktor, der die Kickers in ihrem Handeln vielleicht nicht hemmt, aber zumindest bremst: Schmidt, der einen Zwei-Jahres-Vertrag besaß, muss ja erst einmal weiterbezahlt werden. Käme ein neuer, namhafter, etablierter Trainer, würde der ein mögliches Engagement beim Drittligisten sicher nicht "für einen Appel und ein Ei" machen. Es regiert also so ein wenig das Prinzip "Hoffnung" rund um den "Dallenberg".

Daniel Sauer macht einen Verbleib Schieles nicht von den schnellen Resultaten abhängig: "Es kommt auf viele Aspekte an, wie etwa sportliche Weiterentwicklung." Heißt: Die Wahrscheinlichkeit, dass Michael Schiele zur Dauerlösung wird, ist nicht aus der Luft gegriffen...