Kickers Würzburg

Fußball Der überraschende Pokal-Sieg des 1. FC Schweinfurt gegen die Würzburger Kickers wurde überschattet von Fans aus beiden Lagern, die Pyro-Technik einsetzten

Skandal-Spiel stand kurz vor Abbruch

Schweinfurt – Würzb. Kickers 3:1

Schweinfurt: Eiban (67. Paulus), Weiß, Billick, Kracun, Lo Scrudato, Fery, Jelisic, Piller (86. Krautschneider), Fritscher (73. Philp), Pieper, Jabiri. Würzburg: Drewes, Göbel, Hansen, Schuppan, Wagner, Hägele, Gnaase (62. Skarlatidis), Kaufmann (88. Ademi), Mast, Baumann, Breitkreuz (67. Elva). Tore: 1:0 (20.) Fritscher, 2:0 (43.) Piller, 2:1 (55.) Breitkreuz, 3:1 (56.) Jabiri. – Gelb-rote Karte: Hansen (Kickers/90.). – Besonderes Vorkommnis: Partie war mehrmals unterbrochen, weil Fans mit Pyros hantierten. – Schiedsrichter: Hanslbauer (Altenberg). – Zuschauer: 5150

Über 5000 Zuschauer erlebten einen denkwürdigen Toto-Pokalabend im Schweinfurter Willy-Sachs-Stadion. Die „Schnüdel“ behielten in einem rassigen Unterfranken-Derby mit 3:1 die Oberhand. Die Begegnung stand allerdings nach dem mehrmaligen Abbrennen von Pyrotechnik in beiden Fanblöcken kurz vor dem Abbruch.

Schnüdel ziehen Kickers den Zahn

In der 3. Liga sind die Würzburger Kickers aktuell, nach drei Siegen in Folge, die „Mannschaft der Stunde“. Umso erstaunlicher ist es, dass die Kickers nun beim Regionalligisten 1. FC Schweinfurt 05 sang- und klanglos untergingen.

Aus der noch recht dominant geführten Anfangsphase schlug die Elf von Cheftrainer Michael Schiele kein Kapital. Wie so oft in der Vergangenheit zeigte man sich im Offensivspiel nicht effektiv genug.

In der 20. Minute wurde die Hintermannschaft der „Rothosen“ dann eiskalt erwischt, als der Schweinfurter Linksaußen Marco Fritscher mit einem satten Distanzschuss mit dem ersten Torabschluss der 05er die Führung für die Hausherren erzählte. Die Würzburger Spieler monierten noch ein Handspiel, das dem Treffer vorausgegangen sein soll, vom Unparteiischen aber nicht geahndet wurde.

Was folgte, war nicht etwa ein wütendes Anrennen des Drittligisten. Die Kickers fanden keinen rechten Zugriff mehr auf die Partie, die „Schnüdel“ hingegen schienen sichtlich Gefallen am Pokalfight gefunden zu haben und belohnten sich und ihr begeistertes Publikum kurz vor dem Pausenpfiff mit dem zweiten Treffer. Dieses Mal war es Rechtsaußen Alexander Piller, der seine Gegenspieler Kai Wagner und Dennis Mast stehen ließ und mit einem fulminanten Schuss von der Strafraumgrenze das 2:0 erzielen konnte.

Ein Sturmlauf der Kickers blieb auch nach dem Seitenwechsel aus. Zwar verkürzte der FWK nach einem Treffer von Stürmer Patrick Breitkreuz auf mustergültige Vorarbeit von Dominic Baumann zwischenzeitlich auf 1:2, aber fast im Gegenzug stellte Ex-Kickersstürmer Adam Jabiri per Kopfballtor den alten Abstand wieder her und untermauerte die gnadenlose Schweinfurter Effektivität an diesem Abend.

Spiel kurz vor dem Abbruch

Und von da an gehörte die Bühne sowieso anderen. In der 60. Minute unterbrach Schiedsrichter Patrick Hanslbauer die Partie zum ersten Mal, als auf der Gegengerade im Schweinfurter Fanblock Pyros gezündet wurden. Anders als bei Ligaspielen in der 3. Liga, welche nach DFB-Statuten vonstatten gehen, setzt der Bayerische Fußballverband (BFV) in seinen Wettbewerben auf eine komplette Nulltoleranzgrenze bei Vergehen aus den Fanblöcken. Drei weitere Unterbrechungen wegen bengalischer Fackeln, Rauchtöpfen und Knallkörpern folgten. In der 82. Spielminute stand die Partie gar gänzlich kurz vor dem Abbruch. Nach 15 Minuten entschied der Schiedsrichter in Rücksprache mit dem Verband und der Polizei dann doch noch einmal anzupfeifen. Ein weiterer Vorfall hätte laut Stadionansage „wahrscheinlich“ den Spielabbruch als letzte Konsequenz gehabt.

Die Partie wurde letztlich regulär zu Ende gespielt, ein echter Spielfluss kam im Grunde ab der ersten Unterbrechung in der 60. Minute kaum noch zustande. Baumanns Großchance in der 64. Minute, als er den erneuten Anschlusstreffer für die Kickers auf dem Fuss hatte und die Gelb-rote Karte für FWK-Verteidiger Hendrik Hansen kurz vor Schluss, waren noch die einzigen beiden sportlichen Aufreger der Schlussphase.

Was neben einem lange hochklassigen und attraktiven Derby bleibt, sind im Nachgang zuvorderst die vielen unschönen Szenen abseits des Rasens, die daraus resultierten Unterbrechungen und die noch bevorstehenden Strafen für beide Vereine.

Kickers-Linksverteidiger Kai Wagner, der einen rabenschwarzen Tag gegen den überragenden Schweinfurter Alexander Piller erwischte, wollte die Unterbrechungen allerdings nicht als Alibi hernehmen: „Ich möchte den beiden Fanlagern keine Vorwürfe machen. Bei einem Derby gehören Emotionen dazu. Wir auf dem Platz müssen trotzdem versuchen, im Spiel zu bleiben und den Kopf oben behalten.“ Weniger verständnisvoll für die Aktionen in den Fanblöcken zeigte sich dagegen Rothosen-Kapitän Sebastian Schuppan, der genauso wie Wagner während der Vorfälle zu den Fans in die Kurve rannte, um diese zu beruhigen – allerdings mit wenig Erfolg: „Das hatte für mich nichts mit einer schönen Derbystimmung zu tun. Die vielen Unterbrechungen haben dem Spiel natürlich nicht gut getan. Das Spiel, auf das die Leute hier drei Jahre gewartet haben, hatte so einen Mist nicht verdient.“ Rein sportlich waren sich nach Abpfiff aber zumindest alle einig: Der Schweinfurter Sieg war auch in der Höhe völlig verdient, die Leistung der Würzburger war teilweise erschreckend. Ein Klassenunterschied war zu keiner Zeit erkennbar, von der starken Form der letzten drei Drittligasiege ebenso wenig. Der FC 05 dagegen machte einen großen Schritt in Richtung Titelverteidigung. Dazu erspielte sich das Team von Timo Wenzel mit dem Derby-Sieg gegen den großen Rivalen auch einiges an Kredit beim eigenen Anhang, der durch die vergangenen Auswärtsauftritte etwas abhanden gekommen war.

Schiele maßlos enttäuscht

„Die letzten zwei Spiele gegen die Kickers gingen jeweils 0:2 verloren. Heute wollten wir den Bock umstoßen und uns in die Schweinfurter Geschichtsbücher eintragen.“, erklärte FC-Trainer Timo Wenzel nach dem Spiel. Sein Gegenüber Michael Schiele war maßlos enttäuscht vom Dargebotenen seiner Elf: „Wir wollen unbedingt in den DFB-Pokal. Ich möchte nächstes Jahr nicht wieder am Fernseher sitzen, wenn die erste Runde gespielt wird. Aber das heute war viel zu wenig.“

Über den Toto-Pokal ist die Qualifikation für den DFB-Pokal nach dem Fiasko in Schweinfurt nicht mehr möglich. „Jetzt werden wir halt Vierter in der Liga“, sagte ein Kickers-Spieler vor den Katakomben des Willy-Sachs-Stadion. Eine mutige Ansage nach so einer Leistung.