Königheim

Europa- und Kommunalwahlen Für die 96-jährige Königheimerin Emma Achstetter kommt ein Verzicht auf die Stimmabgabe nicht infrage

Eine Pflicht und zugleich ein Privileg

Wie oft sie schon gewählt hat, weiß Emma Achstetter nicht. Das ist ihr egal. Wichtig findet es die 96-Jährige aber, generell zur Wahl zu gehen. Dieses Recht sei eine Pflicht, die sie gerne erfüllt.

Königheim. Gemütlich sitzt Emma Achstetter am Tisch und knackt eine Walnuss nach der anderen. Eine ganze Schüssel hat sie schon mit Kernen gefüllt. „Daraus wird Öl hergestellt“, erzählt sie. Und gibt lächelnd zu: „Damit bin ich beschäftigt, dabei vergeht die Zeit so schnell.“

Viel Zeit ist auch ins Land gegangen, seit die Königheimerin, die sich selbst als „unpolitisch“ bezeichnet, das erste Mal an einer Wahl teilgenommen hat. Wann genau das war, daran kann sich die 96-Jährige heute nicht mehr erinnern. Aber sie ist sich sicher, dass sie ihre Stimme abgegeben hat, sobald es ihr das Gesetz erlaubte.

„Wählen gehe ich immer“, betont Emma Achstetter im Brustton der Überzeugung. Und deshalb werde sie sich „natürlich“ am 26. Mai an den Europa- und Kommunalwahlen beteiligen.

Mit ihrem 21. Geburtstag im Jahr 1944 war Emma Achstetter wahlberechtigt. Doch damals wütete der Zweite Weltkrieg, und es fanden keine Abstimmungen statt. „Freilich bin ich wählen gegangen, als ich dann durfte“, sagt sie. Denn: „Das ist eine Selbstverständlichkeit, das ist eine Pflicht.“

Diese empfindet die Seniorin allerdings nicht als negativ. Vielmehr sei es ein Privileg, überhaupt wählen gehen zu können: „Es ist freiwillig“, sein Kreuzchen zu machen. „Ich muss nicht, ich muss nur sterben“, bringt es die Seniorin mit dem ihr eigenen trockenen Humor auf den Punkt.

Wem Emma Achstetter ihre Stimme bislang gegeben hat oder geben wird, das ist allein ihre Angelegenheit, macht sie im weiteren Gespräch mit den FN deutlich: „Die Gedanken sind frei. Wie es darin aussieht, geht niemand etwas an.“

Nach diesem Grundsatz wählte die Königheimerin auch schon bei Abstimmungen zu Zeiten, als ihr Ehemann noch lebte. „Der hat mir nie reingeredet. Es hat immer jeder für sich seinen Wahlzettel ausgefüllt. Da war ich streng.“

Für den Fall, dass sie gefragt werden sollte, wem sie ihre Stimme gegeben hat, weiß die 96-Jährige schon jetzt die passende Antwort: „Ich habe den Richtigen gewählt“, sagt sie augenzwinkernd.

Auch die Tatsache, dass sie nicht mehr gut zu Fuß und bei längeren Strecken auf den Rollstuhl angewiesen ist, kann die Königheimerin am 26. Mai nicht davon abhalten, ihre Bürgerpflicht zu erfüllen. Sie lässt sich zum Wahllokal fahren.

Sollte das aus irgendeinem Grund allerdings nicht klappen, will sie von der Möglichkeit der Briefwahl Gebrauch machen. Denn, stellt sie abschießend pragmatisch fest: „Ich habe ja nichts davon, wenn ich wegbleibe. Dann fehlt wieder eine Stimme.“ su