Königheim

Hochwasserschutz Land zahlt für Rückhaltebecken, Damm und Mauern am Brehmbach Zuschuss von knapp 3,2 Millionen Euro

Für Gemeinde ein „Jahrhundertprojekt“

Archivartikel

Die Gemeinde Königheim kommt ihrem geplanten Hochwasserschutz einen Schritt näher: Der Landeszuschuss von knapp 3,2 Millionen Euro ist dabei ein wichtiger Meilenstein.

Königheim. Die Freude über die Unterstützung war gestern Vormittag bei Bürgermeister Ludger Krug groß, als er bei einemBesuch von Umweltstaatssekretär Dr. Andre Baumann den offiziellen Zuwendungsbescheid in Händen hielt. Zuvor wurde im Rathaus im Beisein Vertretern des Regierungspräsidiums, Landratsamts, Gemeinderäten und Verwaltungsmitarbeitern das Gesamtprojekt nochmals vorgestellt.

Erinnerung an verheerende Flut

Den Hochwasserschutz bezeichnete Krug dabei als ein Thema, das die Gesamtgemeinde Königheim bereits seit dem „verheerenden Hochwasserereignis am 21. Juni 1984 beschäftige. Glücklicherweise seien damals keine Menschen zu Schaden gekommen. Doch es habe immense Sachschäden gegeben und viele Tiere seien getötet worden.

Um künftig gegen ein Unglück dieses Ausmaßes gewappnet zu sein, sollen nun verschiedene bauliche Maßnahmen erfolgen (die FN berichteten bereits). Die Zusammenarbeit aller daran Beteiligten sei bislang gut und intensiv, lobte Krug.

Jörg Koch vom Büro Wald + Corbe fasste die Planungen unter der Überschrift „zehn Schritte zum Hochwasserschutz“ zusammen. Bei seinem kurzen Ausflug in die Historie seit dem Unwetter 1984 erinnerte er daran, dass ursprünglich vier Rückhaltebecken vorgesehen gewesen seien: „Das wäre aber nicht wirtschaftlich gewesen.“ Deshalb habe man sich 2012 „für ein Becken vor Königheim als wirtschaftlichste Alternative“ und für einige begleitende Maßnahmen entschieden. Denn ein Blick in die Hochwassergefahrenkarte für den Bereich der Gemeinde zeige: „Hier sind Hochwasserschutzmaßnahmen dringend nötig“.

Um gegen ein 100-jähriges Hochwasserereignis geschützt zu sein, seien vorerst in Königheim zwei Großmaßnahmen vorgesehen, so Koch: der Bau eines rund 110 000 Kubikmeter fassenden Rückhaltebeckens und eines knapp sieben Meter hohen Rückhaltedamms. Dazu komme auf 110 Metern Länge die Erhöhung (rund 40 Zentimeter) der Mauer entlang des linken Brehmbachufers und der Brückenkappen. Weiter soll die Gewässerdurchgängigkeit verbessert werden.

Wichtiges Thema

Beeindruckt von den Schilderungen betonte Umweltstaatssekretär Andre Baumann in puncto Förderung: „Es ist ein schöner Tag für Königheim.“ Den Hochwasserschutz bezeichnete er als eines der wichtigsten politischen Themen im Land. Am Beispiel der Katastrophe 1984 in dem Weinort werde deutlich, „dass Hochwasser Gefahr für Leib und Leben bedeuten kann“. Erforderlich sei deshalb ein ganzjähriger Hochwasserschutz. Und „zu einer guten Vorsorge gehört auch ein gutes Flächenmanagement“.

Dazu habe das Land schon viel investiert, erklärte Baumann. Dabei verwies er auf die rund 35 Millionen Euro, mit denen Baden-Württemberg 2018 in Städten und Gemeinden Hochwasserschutzmaßnahmen fördere. Dafür gebühre dem Steuerzahler Dank.

Anerkennung sprach er allen am Projekt in Königheim Beteiligten aus. Zu diesen zählte er auch die Verkäufer benötigter Flächen und die Bürger, die im Verlauf der Maßnahme „manchmal Zumutungen in Kauf nehmen“. Die Kommune würdigte er für ihre Bereitschaft, zusätzlich zu den Fördermitteln selbst viel für die Maßnahe auszugeben. Baumann: „Das ist gut investiertes Geld.“ Denn: „Die Bäche sind fast immer süß und harmlos. Doch sie können zu reißenden Fluten werden.“

Aus eigener Erfahrung beschrieb Wolfgang Reinhart, geborener Königheimer und Vorsitzender der CDU-Fraktion im baden-württembergischen Landtag, wie am 21. Juni 1984 eine acht Meter hohe Welle durch die Ortschaft „geschossen“ ist. Für einen Schutz, der auch einem 100-jährigen Hochwasser standhalten soll, brauche die Gemeinde die Unterstützung aus dem „Kommunalen Investitionsfonds, aus dem nun Mittel nach Königheim fließen“. Alleine könne die kleine Gemeinde, die auch „Klein-Venedig“ genannt werde, das Projekt nicht schultern.

Abschließend wies Bürgermeister Ludger Krug darauf hin, dass die Förderung zwar für Maßnahmen im Ortsteil Königheim bestimmt sei. Doch auch in den Gemeinden Gissigheim und Brehmen bereite Hochwasser Probleme. Für diese Ortsteile sei bereits ein Konzept ausgearbeitet worden. Das komplette Schutzprojekt sei für die hoch verschuldete Gesamtgemeinde eine Herausforderung. Krug: „Wir sind auf die Hilfe des Landes angewiesen“, zumal man mit der zentralen Wasserversorgung (Bauvolumen: rund 3,8 Millionen Euro) und der Sanierung der Grundschule für über 3,1 Millionen Euro im vergangenen Jahr zwei Großprojekte abgeschlossen wurden. „Der Hochwasserschutz ist unser nächstes Jahrhundertprojekt“, stellte der Rathaus-Chef angesichts der Kosten von brutto über fünf Millionen Euro alleine für den Ortsteil Königheim fest.

Ausgleichsstock-Zuschuss nötig

Nun hoffen die Königheimer darauf, bald eine Zusage für einen Zuschuss aus dem Ausgleichsstock zu erhalten. „Sonst reicht es nicht“, betonte Krug. Erhalte man eine Zusage, könne man im Herbst mit den Ausschreibungen für die Maßnahme beginnen.

Der Bürgermeister zeigte sich zuversichtlich, dass die Kommune die für den Damm benötigten Flächen aufkaufen kann. Für das Rückhaltebecken rechne man mit einer Bauzeit von zirka drei Jahren.