Königheim

Traditioneller Rathaussturm Bürgermeister Krug musste beim Sturm-Spektakel Macht wieder an Narren abgeben

Landsknechte erobern Rathaus

Die Narren sind in Kannenheim wieder an der Macht. Beim Rathaussturm eroberten die Landsknechte das Hauptquartier der Kommune und übernahmen die Amtsgeschäfte.

Königheim. Die „Kennemer“ Narren nahmen am Samstag wieder einmal das Königheimer Rathaus ein. Ab 16 Uhr waren im ganzen Ort die ersten Warnschüsse der Landsknechte des Königheimer Karneval Klubs zu hören. Schon in den Mittagsstunden versammelten sich die tapferen Männer und Frauen, um sich für den großen Sturm auf das Rathaus zu rüsten. Die Kannenheimer Bevölkerung ließ sich das Spektakel natürlich nicht entgehen und erschien zahlreich am Ort des Narrengeschehens.

Mit Hexerei zum Erfolg

Auch in diesem Jahr wollten Hauptmann Ralph Thoma und seine Landsknechte den Anbruch der Dunkelheit nutzen. Thoma gab zu, dass seine Truppe am Tag zuvor zu viel gefeiert habe und nun alle lädiert seien. Als er sie zu sich rief, konnten die Zuschauer nur verletzte und hinkende Mannen sehen, die vor Erschöpfung umfielen.

Thoma forderte daraufhin alle Königheimer Kinder auf, ihm zu helfen, das Rathaus zu stürmen. Nach mäßigem Erfolg wog sich Bürgermeister Ludger Krug schon in Sicherheit. Doch so leicht wollte der wilde Haufen nicht aufgeben. Thoma rief kurzum eine Hexe herbei, die mit ihrem Zaubertrank die gebeutelte Meute im Handumdrehen wieder kerngesund machte. der Hauptmann pfiff seine Landsknechte zum Angriff und drohte in Richtung Rathaus: „Jetzt nimmt das Schicksal seinen Lauf und gleich sind die Rathaustüren wieder auf“.

Bürgermeister Ludger Krug meinte hinsichtlich der leicht mitgenommenen Barrikaden aber nur „Das Rathaus hat wahrlich schon viele Katastrophen gesehen, da wird es vor euch Halunken sicher nicht in die Knie gehen“.

Daraufhin ließ Thoma das zweite Mal stürmen, diesmal erfolgreich. Die Landsknechte nahmen unter lautem Jubel das Rathaus ein sowie die Rathausmitarbeiter und das Gemeindeoberhaupt gefangen. KKK-Präsident Greß übernahm stolz das Kommando und die Amtsgeschäfte für die Tage der närrischen Besetzung und verlas nach einem lauten, dreifachem „Bettflasche Ahoi“ die neue Narren-Proklamation.

Nun hat der KKK bis Aschermittwoch die ganze Macht der Brehmbachmetropole in der Hand. Die Landsknechte zogen sich singend und unter lautem Getöse wieder in ihr Biwak zurück, um den Sieg zu feiern. Der Rathaussturm geht auf eine lange Tradition zurück. Im Februar 1963 stürmten die Landsknechte erstmals das Königheimer Rathaus und kämpften für ein „Freies Kannenheim“. Dieses Brauchtum wird bis heute fortgeführt. just