Königheim

Gemeinderat Abbruch des ehemaligen Bahnhofsgebäudes zunächst abgelehnt / Sanierung auf Gemeindekosten kommt nicht in Frage / Verkauf eine Option

Nun sind die Vereine am Zug

Der endgültige Beschluss über den Abriss des ehemaligen Bahnhofgebäudes in Königheim ist aufgeschoben. Zunächst sollen noch Gespräche mit Vereinen über eine Übernahme geführt werden.

Königheim. 7:7 bei zwei Enthaltungen: Der Königheimer Gemeinderat scheint beim Abriss des ehemaligen Bahnhofsgebäudes in Königheim in zwei Lager gespalten zu sein. Doch der Schein trügt etwas. Im Grundsatz sind sich die Bürgervertreter einig: Eine Sanierung des in die Jahre gekommenen Gebäudes auf Kosten der Kommune wird es nicht geben.

Dies machte die ausführliche Debatte in der Gemeinderatssitzung am Montag in der Aula der Kirchbergschule deutlich. Unterschiedlicher Auffassung jedoch waren die Ratsmitglieder, ob man das Gebäude Vereinen zur Nutzung überlassen, sprich veräußern soll. Deshalb bedeutet der Beschluss auch nicht aufgehoben, sondern aufgeschoben. Der Gemeinderat erteilte der Verwaltung den Auftrag, das Gespräch mit den betreffenden Vereinen zu suchen und die Möglichkeiten einer Übernahme zu sondieren. Steht das Ergebnis fest, will sich der Gemeinderat nochmals mit dem Thema in einer Sitzung befassen.

Alternative für Jugendraum

„Schon bei der Klausurtagung des Gemeinderats im letzten Jahr haben wir uns mit dem Gebäudemanagement gemeindeeigener Liegenschaften befasst“, erläuterte Bürgermeister Ludger Krug. „Dabei habe man für das Bahnhofsgebäude einen erheblichen Sanierungsbedarf festgestellt.“ Man sei sich auch schnell einig geworden, dass eine Sanierung aufgrund der hohen Kosten für die Gemeinde nicht in Frage komme. Krug: „Wir haben mit dem Hochwasserschutz und der Ertüchtigung der Feuerwehr Pflichtaufgaben zu erfüllen, die eine solche Investition in den nächsten Jahren nicht zulassen.“ Hinzu komme, dass Sanierungen für die Friedhofskapelle von mindestens einer Million Euro sowie für das Bettendorffsche Schloss in Gissigheim von mindestens 700 000 Euro hinzukämen. Ein Abbruch dieser beiden Gebäude sei nicht denkbar. Auch ein Abbruch der Kunstmühle sowie des alten Schulhauses in Königheim sei aus Gründen des Denkmalschutzes nicht möglich. Deshalb habe man den Abbruch des Bahnhofsgebäudes ganz oben auf die Prioritätenliste gesetzt und einen Zuschuss beantragt.

Der Zuschuss von rund 33 000 Euro aus ELR-Mitteln reicht jedoch nicht aus. Die Kommune muss selbst rund 60 000 Euro in die Hand nehmen, um den Abriss zu finanzieren. „Das reicht vielleicht sogar dafür, noch ein paar gestalterische Maßnahmen, wie die Ausweisung von Behindertenparkplätzen, zu realisieren“, meinte Ludger Krug.

Für den im Bahnhofsgebäude untergebrachten Jugendraum habe die Verwaltung den Motorradfreunden Königheim, unter dessen Dach der Jugendraum beheimatet ist, den Lokschuppen als neues Domizil angeboten. „Das ist sicher eine Verbesserung gegenüber dem momentanen Zustand, und am Rande des Dorfs auch ein guter Standort“, meinte der Rathauschef.

Argumente für Aufschub

„Sind eigentlich schon Vereine wegen des geplanten Abrisses und eines möglichen Kaufs für einen symbolischen Preis auf die Gemeindeverwaltung zugekommen? Und wie hoch sind die Unterhaltungskosten für das Gebäude“, wollte Udo Müller wissen. Bürgermeister Krug erklärte daraufhin, dass noch kein Verein offiziell auf dem Rathaus vorstellig geworden sei.

Die Kosten für die Unterhaltung des Gebäudes bezifferte Kämmerer Joachim Köhler auf 2500 bis 3000 Euro pro Jahr. Das Gebäude sei an die Heizung der Halle angeschlossen. „Wenn ich die Betriebskosten in Relation zu den Abrisskosten stelle, können wir das Gebäude noch lange unterhalten bis wir auf die Summe für den Abriss kommen. Die 60 000 Euro können wir derzeit an anderer Stelle sinnvoller einsetzen“, meinte Müller weiter. „Die Vereine brauchen zudem dringend Unterstellmöglichkeiten für die Utensilien fürs Weinblütenfest.“

„Die Kommune finanziert in erster Linie Vereinsräume, damit diese ihrem Vereinszweck nachkommen können und erst in zweiter Linie für die Unterbringung von Geräten“, meinte Hans-Peter Scheifele. Eine Sanierung auf Gemeindekosten sei langfristig nicht denkbar. „Beim Gebäudemanagement müssen wir halt irgendwo mal anfangen“, sagte er weiter. „Und bei allen Gebäuden, die lange zum Ortsbild gehören und genutzt werden, wird es eine emotionale Note geben.“ Bei einer möglichen Übernahme durch Vereine müsse gewährleistet sein, dass das Bahnhofsgebäude künftig auch so in Schuss gehalten werde, dass es zusammen mit dem Lokschuppen und dem Musikvereinsheim ein ansprechendes Ensemble bildet. „Es muss ein adäquates Aussehen haben.“

Pro Abriss

„Ich glaube nicht, dass die Vereine in der Lage sind, das zu stemmen, denn mit dem Streichen der Außenfassade ist es nicht getan“, meinte Bernhard Honikel. Er fand es zudem schade, dass außer dem Vorsitzenden des Musikvereins keine anderen Vereinsvorsitzenden anwesend waren, um ihr Anliegen vorzubringen. „Wir sollten so viel Arsch in der Hose haben, um dies jetzt zu entscheiden“, plädierte er für ein Ja zum Abriss.

„Wir sollten uns darüber im Klaren sein, dass wir nach einem Verkauf, keine Handhabe mehr auf das Grundstück haben und nicht mehr bestimmen können, was dort passiert“, gab Volker Götzinger zu bedenken. „Sollten die Vereine es dann einmal verkaufen, aus welchen Gründen auch immer, und es wird als Wohnhaus genutzt, wäre das für die Nutzung der Halle fatal.“

Alle Möglichkeiten prüfen

„Mit dem Abriss schaffen wir Tatsachen, die nicht mehr umkehrbar sind“, meinte Thomas Berthold. „Ich wünsche mir, dass wir das heute nicht entscheiden, sondern erst noch Gespräche mit den Vereinen führen.“ Auch er sprach die prekäre Situation bei der Aufbewahrung von Geräte an. „Sie finden hier nichts.“ „Gerade für das Weinblütenfest, das auch ein Aushängeschild für die Kommune ist, haben die Vereine viele Dinge angeschafft, die irgendwo gelagert werden müssen“, ergänzte Udo Müller.

„Ich denke, wenn wir die Entscheidung vertagen und das Ergebnis der Gespräche mit den Vereinen abwarten, ist das eine saubere Sache und wir haben alle Möglichkeiten ausgelotet“, war letztlich auch Hans-Peter Scheifele für eine Verschiebung der endgültigen Entscheidung.

Stimmen aus dem Publikum

Daniel Achstetter, der Vorsitzende des Musikvereins, hatte ebenfalls um einen Aufschub gebeten. Er wolle sich mit den anderen Vereinsvorsitzenden in Verbindung setzen und ein mögliches Vorgehen abklären.

Ein Vertreter des Jugendraums bemängelte, dass die Jugendlichen aus der Zeitung erfahren hätten, dass das Bahnhofsgebäude abgerissen werden soll. „Es wäre schön gewesen, wenn die Kommune vorher mit uns Kontakt aufgenommen hätte.“ Zudem hätten die Jugendlichen das Lehrerzimmer im Lokschuppen, das zum Jugendraum werden soll, noch nicht gesehen. Auch merkte er an, dass der KKK erwäge, den Lokschuppen zu kaufen. In diesem Fall könne der Jugendraum dort nicht untergebracht werden.

Ein Vertreter des KKK merkte an, dass die Vereine viel Eigenleistung für den Anbau an die Brehmbachtalhalle erbracht hätten. Damals sei zugesichert worden, dass im Anbau eine Bar für Feste installiert werde. Doch das sei nicht mehr der Fall. Der Anbau werde nur noch zur Lagerung von Sportgeräten genutzt. „Irgendwo brauchen wir auch Platz, um unsere Dinge unterzubringen.“