Königheim

Schutzengel-Kapelle Im Innern des Gotteshauses werden umfangreiche Renovierungsmaßnahmen vorgenommen / Arbeiten teurer als geplant

Schmuckkästchen wird aufpoliert

Archivartikel

Die Schutzengel-Kapelle in Gissigheim wird derzeit renoviert. Da mehr Ausbesserungsarbeiten anfallen als ursprünglich geplant, werden die Kosten die ursprüngliche Schätzung weit übersteigen.

Gissigheim. Jedem, der durch Gissigheim fährt, fällt die an der Abzweigung nach Heckfeld stehende Schutzengel-Kapelle auf, die die Größe einer kleineren Dorfkirche hat. Seit der 1000-Jahr-Feier im Jahre 2012 ist sie ein Schmuckkästchen. Dieses Jubiläum nahm man zum Anlass, die Außenfassade und den Innenraum gründlich zu renovieren und das Dach mit dem Turm neu einzudecken.

Dass man damals im Innern den Altar und auch mehrere Figuren und Wandbilder nicht hatte renovieren lassen, dafür waren finanzielle Gründe ausschlaggebend. Nach nun sieben Jahren fasste der Pfarrgemeinderat den Entschluss, dies in Angriff zu nehmen.

Bei einem Vorort-Termin mit einem Restaurator wurde der äußerst schlechte Zustand des barocken Altars mit dem beeindruckenden Schutzengelbild offenkundig. Es stellt eine biblische Geschichte dar, bei der der Erzengel Raphael den jungen Tobias auf seiner Reise begleitet. Ein Kostenvoranschlag für die Restaurierung nur dieses Altarbildes mit circa 1000 Euro kann nun bei näherer Inspizierung nicht eingehalten werden. Die Pfarrgemeinde wird hierfür ein Vielfaches mehr aufbringen müssen.

Es war schon eine heikle Arbeit, das große Bild aus dem barocken Altargehäuse auszubauen und heil zur Werkstatt der Firma Bronold nach Gerlachsheim zu bringen, denn die sehr spröde gewordene Leinwand drohte zu zerfallen. Auch wurden Leinwandschäden im Laufe der Jahrhunderte nicht immer fachgerecht ausgebessert. So hatte man sogar Leinwandstücke eingeklebt und Übermalungen vorgenommen, die jetzt mühsam und schonend entfernt werden. Eine neue Leinwand auf der Rückseite wird das Gesamtgemälde künftig zusammenhalten und stabilisieren.

Aber nicht nur dieses Objekt gilt es zu restaurieren. Schon bevor die Restauratoren ihre Arbeit beginnen konnten, musste aus sicherheitstechnischen Gründen der Schalldeckel der Kanzel, der sich stark zum Innenraum hin neigte, von einer ortsansässigen Firma neu befestigt werden.

Viel Arbeit gibt es für die Restauratoren neben dem Altar auch an einigen Figuren und an der im Renaissance-Stil gefertigten Kanzel, wo Ausbesserungen vorgenommen und alle vom Holzwurm befallenen Stellen behandelt werden. Außerdem müssen Goldauflagen an Altar und Kanzel sowie entsprechende Farben neu aufgetragen werden.

Wie der Restaurator darlegte, seien diese Schäden in den vergangenen Jahrzehnten durch unsachgemäße Behandlung und Entstaubung abgerieben worden. Auch hier fällt nun sehr viel mehr Arbeit an, als ursprünglich geplant war, was das Gesamtvorhaben wiederum verteuert.

Das wohl künstlerisch wertvollste Objekt, das Weihnachtsbild aus dem Jahre 1638, gemalt von einem Würzburger Künstler namens Johann Paul Codoman, ist inzwischen vom Restaurator völlig von Jahrhunderte altem Staub und Schmutz gereinigt und zeigt in leuchtenden Farben viele Einzelheiten, die zuvor nicht erkennbar waren, fast so wie bei den restaurierten Matthias-GrünewaldBildern.

Es stammt noch aus der alten Cyriak-Kirche, die im Friedhof stand und wegen Einsturzgefahr 1817 völlig abgetragen werden musste. Bis zum Bau und zur Einweihung der jetzigen Peter-und Paul-Kirche in der Ortsmitte von Gissigheim 1842 konnte schon ab 1813 die Pfarrei die Schutzengelkapelle täglich für ihre Gottesdienste nutzen. Daher ist es auch zu erklären, dass sich die Gissigheimer mit ihrer Schutzengelkapelle identifizieren, sie schätzen und stolz auf dieses Schmuckstück sind. Viele fühlen sich im Schatten dieser Schutzengel-Kapelle geborgen und beschützt. Im Verlauf der Geschichte haben sie immer wieder erfolgreich um den Erhalt dieses Gotteshauses gekämpft. Der finanzielle Aufwand ist ihnen daher nicht zu hoch, doch würde sich die Pfarrgemeinde freuen, wenn sich viele freiwillige Spender finden, damit auch dieses Projekt erfolgreich abschlossen werden kann. Spenden mit dem Vermerk „Schutzengelkapelle“ können überwiesen werden an Kirchengemeinde Königheim unter IBAN DE54673525650002304137. Insgesamt geht die Arbeit an der Schutzengel-Kapelle zügig voran und wird bald ihren Abschluss finden.

Die Ortsherren von Bettendorff, die in Gissigheim ein herrschaftliches Schloss erbauen ließen und hier auch wohnhaft waren, hatten die Kapelle als Gruftkapelle geplant. Nach deren Vollendung im Jahre 1712 hatten sie diese zu Ehren des heiligen Philipp Neri, dem Namenspatron des hier sesshaften Johann Philipp von Bettendorff, weihen lassen. Sein Herz, sowie der Leichnam seiner Frau Maria Anna Josepha geborene von Frankenstein und sechs weiterer Familienmitglieder wurden hier beigesetzt. Um ein Gelübde zu erfüllen hatte der Nachkomme des Erbauers, Christoph Friedrich von Frankenstein diese Kapelle 1739 zu Ehren der heiligen Schutzengel weihen lassen.