Königheim

Rallye der etwas anderen Art Zwei Brehmer fahren mit fast 23 Jahre altem Kleinbus um die Ostsee und ans Nordkap / Spendenaktion für die Dorfgemeinschaft

Spaß haben für einen guten Zweck

Archivartikel

Der Weg ist das Ziel für Fabian Flath und Benedikt Schraut. Bei der „nördlichsten Rallye des Erdballs“ fahren sie um die Ostsee und ans Nordkap. Die Dorfgemeinschaft Brehmen profitiert davon.

Brehmen. Beste Freunde und Motorsport-Fans sind die beiden Brehmer schon seit ihrer Kindheit. Als sie etwa sieben Jahre alt waren, begannen sie damit, im Team des MSC Brehmen Kart-Slalom-Wertungsläufe im Gau Nordbaden zu fahren. Mittlerweile engagieren sich die beiden bei Rennen zur Deutschen Tourenwagen-Meisterschaft (DTM) in Hockenheim, beim Porsche Sports Club Deutschland oder den ADAC GT Masters als Sportwarte. Sie achten dabei beispielsweise darauf, dass bei der Startaufstellung alles stimmt.

Auch beruflich haben die Zwei „von Autos einen leichten Schimmer“, wie sie grinsend im Gespräch mit den FN erklären. Der 27-jährige Fabian Flath ist Kfz-Meister, sein 25-jähriger Nachbar Maschinenbau-Techniker und gelernter Kfz–Mechatroniker. Beste Voraussetzungen also für einen Start bei der „Baltic Sea Circle“-Rallye 2018.

Organisiert wird diese Rundfahrt mit 250 Fahrzeugen von einem in Hamburg ansässigen Rallye-Veranstalter, der Superlative Adventure Club GmbH. Teilnehmen an der Tour kann im Grunde jeder – wenn er über das entsprechend alte Auto verfügt und bereit ist, sich sozial zu engagieren. Zudem müssen die Fahrer einige Regeln einhalten. „Das ist Ehrensache“, sind sich die beiden Freunde einig.

7500 Kilometer in 16 Tagen

Bei ihrer Tour, die sie vom 16. Juni bis 1. Juli nach dem Start in Hamburg durch Dänemark, Schweden, Norwegen, Finnland, Russland, Estland, Lettland, Litauen, Polen und wieder zurück in die Hanse-Metropole führen soll, wollen sie 7500 Kilometer in 16 Tagen zurücklegen. Da sie aber erst nach Hamburg und dann wieder zurück nach Brehmen fahren müssen, sind es sogar rund 8500 Kilometer in 18 Tagen. Sieger ist am Ende nicht derjenige mit der besten Zeit, sondern das Team, das die meisten der im Roadbook gestellten Aufgaben auf möglichst kreative Weise gelöst hat.

„Mit Urlaub hat das nicht viel zu tun“, betont Flath. Eher könne man das Ganze mit einer Abenteuerreise vergleichen. Schließlich sei vieles „nicht planbar“. Das liegt auch daran, dass unterwegs die Nutzung von GPS und Navigationsgeräten ebenso wie das Fahren auf Autobahnen tabu ist. Und um das Ganze noch „abgefahrener“ zu gestalten, sind nur Autos, Zweiräder und Nutzfahrzeuge (keine Wohnmobile und Anhänger) zugelassen, die 2018 mindestens 20 Jahre alt sind beziehungsweise noch werden.

Diese Bedingung erfüllt „Klotzi“, der am 13. September 1995 seine Erstzulassung erhielt. „Getauft“ haben den Kleintransporter dessen Vorbesitzer, die mit ihm an der „Baltic Sea Circle“-Rallye 2017 teilgenommen haben. Der Volkswagen LT 28 Diesel hat sechs Zylinder, 69 PS, zirka 250 000 Kilometer auf dem Tacho und erreicht laut Fahrzeugschein eine Höchstgeschwindigkeit von 118 Stundenkilometern. „Wir beschleunigen nicht, wir nehmen Fahrt auf“, zitiert der Kfz-Meister augenzwinkernd einen Arbeitskollegen. „Da kann man permanent mit offenem Fenster fahren, ohne dass man einen Zug bekommt.“ Trocken bestätigt Schraut: „Das ist Fakt.“

Tatsache ist auch, dass jedes Rallye-Team einen gemeinnützigen Verein mit einer Spende von mindestens 750 Euro unterstützen muss. Flath und Schraut haben sich dazu die örtliche Dorfgemeinschaft ausgesucht, die sich für den Zusammenhalt in der Ortschaft engagiert. „Der Verein ist noch jung, er kann Geld gebrauchen. Und wir haben Spaß für einen guten Zweck“, bringen es die Spendensammler auf den Punkt.

Bislang haben sie gut die Hälfte der erforderlichen Summe verbucht. Besonders freuen sie sich, dass der Großteil des Geldes von Mitgliedern örtlicher Vereine gespendet wurde: vom MSC, von der Fit- und Fun-Männerturngruppe des DRK, den Turnfrauen, und der Aktion Kunst und Kultur. Die Unterstützung werten die Rallye-Fahrer als „klares Zeichen für das gute Miteinander im Ort“.

Gut miteinander auskommen müssen auch die beiden während ihrer Tour, bei der „unser Klotzi“ ihr Zuhause sein wird. Luxus bietet der nicht gerade, doch das ist den Brehmern egal. Für jeden gibt es eine Matratze, zudem einen Gasgrill und einen Kühlschrank, der gleichzeitig als Standheizung dient. Als „Notfallversorgung“ wollen die beiden neben Müsli-Riegeln und Salami auch zwei Dosen Ravioli einpacken, „die uns die Vorbesitzer von ,Klotzi’ mitgegeben haben“.

Realistische Einschätzung

Die Brehmer starten unter dem Team-Namen „Fanta2“. Ihnen sei nichts Besseres eingefallen, geben die beiden zu. Sie gehen davon aus, dass sie pro Tag mindestens rund 470 Kilometer zurücklegen werden. „Wir verfahren uns auch“, schätzen sie das Ganze realistisch ein. Schließlich sei es nicht einfach, für alle Etappen und besonders für den russischen Abschnitt – detaillierte Landkarten zu finden. Das nehmen sie aber mit Humor.

Geld für die Aktion kann unter dem Verwendungszweck „Spenden Dorfgemeinschaft“ auf das von Fabian Flath und Benedikt Schraut bei der Volksbank Main-Tauber eingerichtete Konto eingezahlt werden.