Kommentar

Auf Zeugen angewiesen

Olaf Borges zu Unfallfluchten im Neckar-Odenwald-Kreis

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Es gab über 3000 Unfallfluchten in den letzten fünf Jahren im Neckar-Odenwald-Kreis. Zwar wurden rund 1000 Verursacher ermittelt, doch damit blieben auch etwa 2000 Fahrer auf ihrem Schaden sitzen. Selbst der Wohlwollende kommt nicht umhin, den Verursachern eine gewisse Skrupellosigkeit zu bescheinigen, denn von einem Kavaliersdelikt kann keine Rede sein.

Es handelt sich um eine Straftat, was den Verursachern wohl ebenso egal ist, wie der Schaden, den sie einem Unschuldigen zugefügt haben. Die Polizei ist in solchen Fällen auf Unterstützung – sprich Zeugen – angewiesen. Und deshalb geht die Aktion von Neckar-Odenwald-Kreis und Polizeipräsidium Heilbronn in die richtige Richtung. Die Hemmschwelle, die 110 zu wählen, soll abgesenkt werden. Mehr Zeugen führen zu mehr aufgeklärten Fällen. Jeder sollte mithelfen, es den Verantwortlichen so schwer wie möglich zu machen. Das Risiko, im Nachhinein erwischt zu werden, muss derart ansteigen, dass es einfach zu groß wird.

Leider ist der Unfallflucht-Paragraph aus dem Jahr 1975 längst nicht mehr zeitgemäß und erschwert es zumindest den Geständigen, sich richtig zu verhalten. Hier sollte es den Tätern vereinfacht werden, ihre Schuld einzugestehen. Denn bei diesen Schäden sollte die Regulierung und nicht die Strafverfolgung im Vordergrund stehen.