Kommentar

Blick über den Tellerrand

Archivartikel

Ralf Scherer zur Ortsbegehung des Gemeinderats

Das entscheidende Stichwort hat Bürgermeister Markus Günther bei der Ortsbegehung des Gemeinderats selbst geliefert: „Die Bürger erwarten von uns, dass wir vorausdenken.“ Dazu gehört zweifelsohne das Bereitstellen einer angemessenen Zahl von Bauplätzen. Beim Blick über den Tellerrand hinaus gilt es aber auch, die Risiken und Nebenwirkungen einer solchen Planung abzuwägen, die äußeren Rahmenbedingungen zu berücksichtigen und letztlich die Interessen aller Einwohner sorgfältig auszutarieren.

Beispielsweise wird Walldürn aufgrund der natürlichen Bevölkerungsentwicklung – mehr Sterbefälle als Geburten – nicht aus eigener Kraft wachsen können und auf Zuzug angewiesen sein. Ob sich dafür der Einstieg in den aktuellen Überbietungswettbewerb der Gemeinden beim Ausweisen von Baugebieten lohnt, will gut überlegt sein. Denn der Zuwachs der einen Kommune geht fast zwangsläufig auf Kosten einer anderen. Ein ruinöser Wettbewerb, der am Ende wenige Gewinner und viele Verlierer hinterlassen wird.

Zudem bereiten Baugebiete an den Rändern der Stadt den Boden für zukünftige Leerstände nicht nur im Zentrum. In den Baugebieten der 1950er bis 1970er Jahre stehen bis 2030 und darüber hinaus bei hunderten Gebäuden Eigentümerwechsel an. Nur in wenigen Fällen werden die Erben selbst dort einziehen. Um unbewohnte Straßenzüge zu verhindern, ist der Ruf nach immer neuen Baugebieten das falsche Signal. Stattdessen braucht es Konzepte, die eine Modernisierung von Bestandsimmobilien attraktiv machen.

Zum Thema