Kommentar

Bürgermeister ist angezählt

Archivartikel

Thomas Schreiner zur Rolle von Thomas Maertens

Öffentlich erklärt hat sich Thomas Maertens bisher noch nicht, ob er in knapp eineinhalb Jahren erneut als Bürgermeister kandidieren will. Wenn er aber die momentanen Signale richtig deutet, muss ihm das schwer fallen. Waren es bisher fast nur die Stadträte von SPD/Freien Bürgern sowie der Freien Bürgerliste (die CDU befindet sich da eher auf Kuschelkurs zu ihrem Parteifreund), die ihn immer wieder scharf wegen seiner Amtsführung kritisierten, geht der Widerstand mittlerweile in die Breite. Er erfasst nun auch viele Bürger, die sich an seiner Amtsführung stören, ja ihn nun am Montag sogar öffentlich und unter Beifall zum Rücktritt aufforderten.

Thomas Maertens tut auch noch alles, um diese Unzufriedenheit zu befeuern. So fehlt ihm von Beginn an jegliches Gespür für die „Gerlachsheim-Krise“ und er lässt zudem ein ums andere Mal Fingerspitzengefühl im Umgang mit den Bürgern vermissen. Da behauptet er allen Ernstes, die Verdreifachung der Anliefermenge sei seiner Verwaltung „durchgerutscht“, obwohl zwischenzeitlich Recherchen von Stadträten als auch betroffenen Bürgern genau das Gegenteil belegen. Demnach war der Bürgermeister stets in alle Genehmigungsschritte eingeweiht.

Der Druck auf Thomas Maertens wird größer. Nicht erst, seitdem ihm der Großteil des Gemeinderats die Gefolgschaft beim letzten Haushaltsplan verweigerte, ein Novum im Main-Tauber-Kreis. Nur kurz darauf musste er sich eine heftige Rüge für seine, nach Meinung vieler, völlig unnötigen Umstrukturierung der Stadtverwaltung einfangen. Eine damit verbundene Degradierung des ihm bis dahin immer kritischer werdenden Hauptamtleiters stößt vielen Stadträten noch immer sauer auf.

Dass er den Gegnern der Aufbereitungsanlage nun auch noch den Strom aus dem Rathaus für ihre Protestkundgebung auf dem angrenzenden Marktplatz verweigert, gehört schon fast in die Rubrik „Wo steht das nächste Fettnäpfchen?“ Thomas Maertens ist als Bürgermeister angezählt – seit der aktuellen Krise nicht nur hinter den Gemeinderatsmauern.