Kommentar

Einbruch statt Aufbruch

Archivartikel

Michael Fürst zu einem misslungenen Wintertrainingslager

Die erste Halbserie des SV Bimbelshausen war Schrott. Eigentlich wollte sich der SVB, so die Zielsetzung, im Dunstkreis der Kreisliga-Topteams bewegen, doch Verletzungen, mangelnde Einstellung mancher Spieler und unglückliche Umstände ließen Bimbelshausen in den Tabellenkeller rauschen. Man überwinterte als Vorletzter – und dies nicht deshalb, weil man besser als der Letzte war, sondern weil der noch schlechter war. Da Trainer Thomas kein „Verdrücker“ ist, schmiss er die Brocken im Winter nicht hin, vielmehr packte ihn der Ehrgeiz: Wir schaffen den Klassenerhalt! Deshalb bereitete er auch während der nun endenden Vorbereitung ein Trainingswochenende vor, in dem die Körper gestählt, der Teamgeist gefestigt und die Sinne für den Abstiegskampf geschärft werden sollten.

Doch der geplante Aufbruch wurde zum Einbruch: Detailversessen hatte Thomas das Wochenende geplant und seine 16 Spieler waren auch Feuer und Flamme. Doch schon am Freitag, beim Auftakt um 18.30 Uhr, fehlten zwei Spieler unentschuldigt. Die angedachte knackige „Acht gegen Acht“-Übung konnte der Coach schon mal abhaken. Als er beim Duschen dann erfuhr, dass ein Teil der Mannschaft später auf den Faschingsball der KJG gehen würde, erinnerte er nochmals eindringlich an den Waldlauf am Samstag um 8 Uhr. Seine Worte verhallten jedoch in vorkarnevalistischen Vorfreuden.

Samstag, 7.55 Uhr: In der Umkleidekabine saßen zehn müde Mann. Sechs fehlten. Sie antworteten auf keine WhatsApp und gingen auch nicht ans Telefon. Der 45-Minuten-Lauf, bei dem Thomas munter und fit voraus lief, absoliverten viele Spieler ächzend. Es folgt das gemeinsame Frühstück. Dazu gesellte sich eine erwachte Schnapsdrossel des KJG-Abends, zwar mit einem lauten „Sorry“, aber ohne schlechtes Gewissen. 10.45 Uhr – die zweite Einheit des Tages. Hierzu hatte der nimmermüde Trainer einen ehemaligen Oberliga-Keeper organisiert, der die Motivation der beiden Keeper erhöhen sollte. 9.30 Uhr, Anruf: „Sorry, Thomas, ich kann nicht kommen. Bin krank“, meldete der Ex-Torwart. Statt motiviert übten die beiden Schlussmänner nun recht antriebslos.

Immerhin waren dann 13 Mann auf dem Platz, darunter die beiden, die am Freitag noch gefehlt hatten. Sie mussten, so deren Entschuldigung, noch kurzfristig ein paar Dinge für die heutige Treibjagd vorbereiten, zu der sie direkt nach dieser Morgen-Einheit entschwinden müssten. Thomas verstand die Welt nicht mehr. Ernüchtert war er zudem, als er beim Mittagessen feststellen musste, dass der ausländische Mitbürger, der kein Schweinefleisch isst, nicht da war. Wegen ihm hatte er am Freitagmittag extra noch zwei Putenschnitzel bestellt. Bei der Nachmittagseinheit, zu der sich dann zumindest zwei der „Alkoholleichen“ des Vorabends einfanden, war die Luft im Grunde raus – schlimmer noch: Einer der müden Faschingshüpfer knickte auch aufgrund seines miesen körperlichen Zustandes übel um.

Als Thomas dann noch ein paar „schwammige“ Absagen für den nächsten Tag hinnehmen musste, resignierteer: Er sagte die beiden geplanten Sonntags-Einheiten kurzerhand ab. „Ist Mist, Trainer, ich weiß“, murmelte sein Kapitän kleinlaut, fügte jedoch kernig an: „Aber den Klassenerhalt schaffen wir!“ Thomas dachte nur: „Wie denn, wenn keiner etwas dafür tun will?“