Kommentar

Erreichbarkeit für jeden Hansel

Heike v. Brandenstein zur Resolution zum Thema Mobilfunk

Manchmal ist es eine gute Sache, nicht erreichbar zu sein. Ständige Präsenz und das stetige Starren aufs Handy können nicht nur das eigene Wohlbefinden, sondern auch soziale Kontakte beeinträchtigen. Doch wie jemand mit seinem Handfunkgerät umgeht, ist jedem selbst überlassen. Es sei denn, in der Schule oder bei der Arbeit existieren bindende Regeln.

Bei der Mobilfunkversorgung liegt die Sache jedoch anders. Denn zwischen nicht erreichbar sein wollen und nicht erreichbar sein können, klafft eine riesige Lücke. Nicht können ist schließlich fremdbestimmt und abhängig vom technischen Mangel entsprechender Funkmasten.

Spielt die Diskussion um die Strahlenbelastung kaum noch eine Rolle, sind es die privatwirtschaftlichen Anbieter, die kein Interesse daran haben, aufwendige Technik für ein paar Hansel auf dem Land zu installieren. Das rechne sich nicht, so das Argument.

Deshalb ist es richtig, sich als Landkreis einer ländlichen Region gegen diese Zwei-Klassen-Gesellschaft zu stemmen. Denn wie auch bei anderen Themen kann mit Paragraf 72 des Grundgesetzes zwar nicht die Einheitlichkeit, jedoch die Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse gefordert werden. Eine gute Mobilfunkversorgung ist für Bürger, Wirtschaft und die medizinische Notfallversorgung in ganz Deutschland heutzutage zwingend.