Kommentar

„Hab’ ich!“ oder „Habicht“?

Archivartikel

Michael Fürst mit dem Sprüche-Rückblick auf die Amateursaison

Als Sportredakteur kommt man während der Saison viel auf den Fußballplätzen der Region herum. Man schaut sich Begegnungen sämtlicher Spielklassen im Verbreitungsgebiet an – teils aus beruflichen Gründen, teils aber auch interessehalber. Und ich muss immer wieder feststellen: Profifußball – ja, toll, aber am schönsten ist es immer noch an der Basis. Hier pulsiert das wahre Fußballleben. Das zeigt sich schon an den vielen coolen Äußerungen, die es dort auf dem Spielfeld und daneben gibt.

Deshalb gibt es zum Abschluss der Saison hier meine Lieblingssprüche der zurückliegenden Spielzeit. Natürlich ist aus Gründen des Datenschutzes alles anonymisiert. Die Reihenfolge soll keine Wertung sein. Die kann jeder für sich vornehmen.

1. Bei einem Spiel einer „nicht deutschen“ Mannschaft gibt es einen Handelfmeter – eben gegen das „nicht deutsche“ Team. Der Akteur, der die Hand im Spiel gehabt haben soll, rennt, sich seiner Unschuld vollkommen bewusst, auf den Schiedsrichter zu, faltet die Hände und sagt mit weit aufgerissenen Augen: „Schiri, ich war echt nicht mit der Hand dran. Ich schwör’s bei Gott!“ Der souveräne Schiri ließ sich freilich nicht erweichen und blieb bei seiner Entscheidung. Nebenbei bemerkt: Besagte Partie fand mitten im Ramadan statt . . .

2. Bekanntlich spielt der „Leo“ in jeder Mannschaft mit. Der Grund ist bekannt: Man darf auf dem Feld nur Namen rufen, um seinem Mitspieler zu signalisieren, dass man den Ball spielen möchte und er wegbleiben soll. „Hab’ ich!“ darf man nicht sagen. Das gibt Freistoß. Ein Amateur-Kicker wusste das wohl nicht und rief „Hab’ ich!“ Der Schiri unterband mit regelkonformem Pfiff – was der Spieler nicht verstand. Er bekam es erklärt. Allerdings hat er es sich nicht gemerkt und rief später wieder „Hab’ ich!“. Erneut pfiff der Unparteiische, woraufhin der Spieler zum Leitenden meinte: „Ich habe doch gar nicht ,hab’ ich’ gerufen, sondern ,Habicht’. Da flog nämlich einer.“ Hierauf zeigte der Schiri Gelb. Und da der junge Mann vorher schon verwarnt war, flog er sogleich mit Gelb-Rot vom Platz. Gleiches Thema, anderes Spiel: Die Flanke fliegt in den Strafraum, der Torwart kommt mit einem lauten „Leo“-Ruf raus, brüllte im gleichen Atemzug aber nach, weil er sich übel verschätzt hatte: „Halt, neee, doch nicht!“ Alle Abwehrspieler schauen verdutzt. Der gegnerische Stürmer nicht. Er netzte ein.

3. Zwei junge Männer schauen bei einem Spiel zu. Sagt der eine zum anderen: „Sag mal, was war denn mit euch letzte Woche los? Ihr habt 0:7 verloren.“ Erwidert der andere trocken: „Das Ergebnis täuscht. Wir waren klar besser als die!“

4. Ein Abwehrspieler bekommt einen Stürmer der Gegner nicht in den Griff. Ruft der Trainer von außen rein: „Hey, jetzt geh doch mal richtig an den Zehner ran, oder stinkt der zu sehr nach Alkohol?“

5. Die eine Mannschaft spielt zunächst dominant und führt auch 1:0. Doch das Spiel kippt. Die anfangs Brillierenden verlieren immer mehr die Kontrolle. Kommt ein Ruf von der Bank (ob es der Trainer war, weiß ich nicht, ich hoffe es nicht): „Hey, die zwei Sechser müssen jetzt defensiv bleiben. Die Räume vor der Abwehr sind zu groß!“ Ruft ein Spieler zurück zur Bank: „Wir spielen doch nur mit einem Sechser!“

Und in diesem Sinne wünscht das „Spitz-Kick“-Team eine erholsame Sommerpause. Weiter geht es wieder Ende August.