Kommentar

Mutige Macher sind gefragt

Michael Fürst zur Situation im Fußball-Odenwald

Eines vorweg: Es wäre ganz sicher zu billig, alle jungen Fußballer über einen Kamm zu scheren und ihnen mangelnde Einstellung zu ihrem Sport vorzuwerfen. Es gibt weiter genügend gute Kicker, die es auch zu etwas bringen wollen. Aber das allseits erkannte schwindende Interesse an totaler Leistungs-Bereitschaft ist sicher, wie nebenan schon geschrieben steht, „ein“ Grund für das Dilemma, in dem sich „der Odenwald“ befindet.

In den Bereichen „Rhein/Neckar“ und „Mittelbaden“ fällt diese gesellschaftliche Entwicklung im Bereich Fußball aus zweierlei Gründen nicht so sehr auf. Erstens: Diese Gebiete sind dichter besiedelt, weshalb der demografische Wandel dort nicht in dem Maße zu spüren ist, wie auf dem „flachen Land“. Zweitens: Im Zentrum der Metropolregion wird, auch aufgrund der wirtschaftlichen Potenz, schon sehr früh sehr vieles mit Geld geregelt. Wer zum Training kommt, der spielt, wer spielt, hat die Aussicht auf Prämien. Die Leistungsbereitschaft wird bezahlt.

Dieses Gebaren ist in der hiesigen Region nicht verbreitet. Dafür ernten „wir“ ein müdes Lächeln der „Metropol-Vereine“, aber auch ein Lob von der BFV-Spitze. Und wenn „bei uns“ geblecht wird, dann geschieht dies oft aus der Verzweiflung der Vereine heraus, mit aller Macht den Spielbetrieb aufrecht zu erhalten: „Aktive Fußballer müssen her, sonst müssen wir abmelden; deshalb darf es auch ruhig etwas kosten.“ Doch ist es sinnvoll, den stets größer werdenden Mangel „zu finanzieren“?

Wäre es mit Weitblick nicht gescheiter, wenn sich ambitionierte Vereinsvertreter zusammentäten, um in Leistung zu investieren? Das klingt erst einmal völlig utopisch – und klar: Ohne finanzkräftige Unterstützung eines Sponsorenpools wäre solch eine vage Idee gar nicht in die Tat umzusetzen. Aber mal ehrlich: So ein „Leistungszentrum Odenwald“, getragen von „allen“ Vereinen der Kreise Mosbach, Buchen und Tauberbischofsheim mit dem Ziel, Jugendteams und mindestens eine Herrenmannschaft zumindest auf Verbandsebene wieder konkurrenzfähig zu machen – das hätte doch Charme. Es bedürfte eines langen Atems, mutiger Macher und einer enormen Anschubfinanzierung, aber dann... Die Alternative ist: Jeder wurstelt für sich weiter und lamentiert über den schleichenden Niedergang.

Es sind aber auch höhere „Gremien“ gefordert: In der Politik gibt es Subventionen; es gibt den „Soli“ für die neuen Bundesländer, es gibt EU-Gelder für strukturschwache Gebiete. In diesem Bereich könnten DFB und Verband ganz schnell Antworten auf die so oft gestellte Frage finden: „Was machen die denn eigentlich für uns?“