Kommentar

Peinlicher Auftritt

Archivartikel

Michael Weber-Schwarz zu einem Zwischenrufer im Gemeinderat

Soll man einem ungebetenen Zwischenrufer einer öffentlichen Gemeinderatssitzung hier ein Forum geben? Immerhin ist der „Wortbeitrag“quasi eine historische Tatsache. Oder hat der Vorgang „nicht stattgefunden“, weil er klar gegen die Geschäftsordnung verstößt? Für Fragen der Einwohner sind nämlich die offiziellen Bürgerfragestunden da. Der Gemeinderat ist Souverän, der Bürgermeister Hausherr – man hätte den Beitrag zulassen können. Hat man aber nicht. Und einen Antrag auf Rederecht seitens des Bürgers zu Sitzungsbeginn gab es auch nicht.

Geredet hat der Weikersheimer trotz „Stop“-Anweisung, weil er angeblich Informationen im Zusammenhang mit dem vorgesehenen Hotelbau am Tauberufer hat. Auch an diese Zeitung hat sich der Zwischenrufer schon gewandt. Mit Vermutungen, die aber nach Recherchen der Redaktion so wie dargestellt nicht belegbar sind. Kann also ein Gerücht Gegenstand der Berichterstattung sein? Oder, von anderer Seite her gefragt: Muss man einem Gremium bei bestimmten Planungen sogar die Möglichkeit der Verschwiegenheit zubilligen, ohne gleich eine Art kriminelle Energie dort hineinzugeheimnissen? Diese Frage kann ich mit einem Ja beantworten.

Stadtrat Marcel Bauer hatte in der Sitzung just darum gebeten, mehr Bürgerfragestunden anzusetzen – dann kam der Zwischenruf. Ein unduldsamer, letztlich respektloser Beitrag zu einem – auch im Sinne dieses Bürgers – wohlwollenden Antrag.

Ich stehe gerne auf Seiten der ganz normalen Einwohner, wenn es Kritik gibt. Sie muss aber mindestens im Ansatz belegbar sein. Behauptungen genügen nicht. Und: Peinliche Auftritte, die braucht wirklich niemand.