Kreuzwertheim

Rotes Kreuz Schnelleinsatzgruppe des Roten Kreuzes übernimmt von der Marktgemeinde aus die Verpflegung bei Unfällen und Großereignissen im Landkreis Main-Spessart

Damit auch im Notfall alle satt werden

Archivartikel

Bei großen Einsätzen müssen Hilfskräfte und Betroffene mit Essen und Getränken versorgt werden. Hier kommt die Schnelleinsatzgruppe Verpflegung des Bayerischen Roten Kreuzes zum Einsatz.

Kreuzwertheim. Bei einem großen Brand wie vor Kurzem bei der Firma Kurtz in Hasloch, bei Massenunfällen, aber auch bei wetter- oder unfallbedingten Vollsperrungen von Autobahnen aber auch bei Großveranstaltungen gilt es, eine größere Zahl von Einsatzkräften aller Organisationen sowie die betroffene Bevölkerung zu versorgen. Dies muss möglichst schnell und effektiv geschehen.

Experten dafür sind die ehrenamtlichen Helfer der Schnelleinsatzgruppe-Verpflegung (SEG). Diese sitzt für den Kreisverband des Roten Kreuzes Main-Spessart in Kreuzwertheim. „Wir kümmerten uns schon seit Anfang der 1970er Jahre um das Thema Verpflegung. Das wurde zu unserem Steckenpferd“, erklärte Gerhard Heitmann, warum man sich für die Bereitschaft in der Marktgemeinde entschieden hat. Heitmann ist in der SEG hauptsächlich für die Organisation verantwortlich. Zusammen mit Gruppenführer Willi Vollmer und der stellvertretenden Bereitschaftsleiterin Kreuzwertheim Margit Tschöp berichtet er im FN-Gespräch über die Arbeit der Gruppe.

Veganes Notfallmenü

Diese ist in erster Linie für den Landkreis Main-Spessart zuständig, kommt bei Bedarf aber auch überörtlich inklusive der angrenzenden Bundesländer zum Einsatz. Die SEG muss innerhalb von 30 Minuten nach Alarmierung ausrücken. Um diese schnelle Reaktionszeit zu ermöglichen, sind neben dem nötigen Material auch Vorräte wie Suppen und Eintöpfe für rund 300 Personen eingelagert, hinzukommen die Zutaten für warme Getränke. Um vielen Essensgewohnheiten gerecht zu werden, sind die Notfallvorräte vegan ausgelegt.

Die Notfallvorräte reichen für eine erste Mahlzeit. „Weiterer Bedarf wird vor Ort nachgefordert“, erklärte Heitmann. Beim Einkaufen am Einsatzort und der Essensausgabe wird die SEG-Verpflegung von der SEG-Betreuung mit Sitz in Arnstein unterstützt. Zudem pflegt die Kreuzwertheimer SEG eine enge Kooperation mit Lebensmittelmärkten und der Brauerei der Marktgemeinde. Auch ein regionaler Caterer unterstützt die Arbeit, in dem er Material und Rohware schnell zur Verfügung stellt.

In den letzten Jahren konnte die Gruppe auf einige Alarmeinsätze zurückblicken. „Es gab mehrere größere Lkw-Unfälle mit Vollsperrungen der Autobahnen, bei denen wir bis zu 150 Autofahrer und Helfer versorgt haben“, so Vollmer. Im Jahr 2015 übernahm man vier Tage lang die Versorgung in den Anfangstagen der Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge in Arnstein. „Das waren 300 Essen pro Tag.“

Neben den Einsätzen in Notfällen, ist die SEG Verpflegung auch bei vielen geplanten Veranstaltungen gefragt. So übernahm sie beispielsweise vor kurzem die Verpflegung von Einsatzkräften von Polizei, Feuerwehr, Wasserwacht und BRK bei der „Tanzinsel Gemünden“. Beim Kreiswettbewerb Main-Spessart des Jugend BRK kochten die Helfer für 80 Personen, beim zweitägigen Bezirkswettkampf in Aschaffenburg waren es 200 Personen, die mit drei Mahlzeiten versorgt wurden. Bei der Einweihung der Rettungswache in Lohr waren 150 Personen zu bekochen. Zudem unterstützen vier Mitglieder der Kreuzwertheimer SEG die Verpflegung der Helfer und Sicherheitskräfte beim G7 Gipfel auf Schloss Elmau im Jahr 2015. Dort waren alle SEG-Versorgungsgruppen aus Bayern im Einsatz. 500 Helfer versorgten dort zwei Wochen lang um die 10 000 Einsatzkräfte rund um die Uhr. Der bisher größte geplante Einsatz, den die Kreuzwertheimer allein stemmten, war der Kirchentag in Kreuzwertheim Mitte der 80er Jahre. Dort kümmerte man sich um 800 Gäste.

Die Standartbesetzung der SEG-Verpflegung liegt bei einem Gruppenführer und fünf Helfern. Insgesamt besteht die Kreuzwertheimer Versorgungsgruppe aus zehn Helfern zwischen 20 und fast 70 Jahren. Koch hat keiner von ihnen gelernt, lediglich wurden teilweise Feldkochlehrgänge von 14 Tagen besucht. „Man muss Liebe für und Interesse am Kochen haben und eignet sich vieles über die Jahre an“, sind die drei Helfer überzeugt. Heitmann ist schon seit 30 Jahren dabei, Vollmer und Tschöp seit über 20 Jahren. Alle lieben es zu kochen. „Es macht Spaß, die Aufgaben im Team zu stemmen“, schwärmen die drei vom Teamgeist. Schön sei auch das positive Feedback der Gäste. „Es ist außerdem toll, zu sehen, wie in zwei Stunden aus Bergen von Rohware ein Gericht wird, dass zeitgerecht und für alle zu Versorgenden zusammen rausgeht“, ergänzte Tschöp. Vollmer und Tschöp sind vor allem die großen geplanten Projekte positiv in Erinnerung geblieben, aber auch jene, bei denen das Essen aufwendiger war. Vollmer erinnert sich gerne an die glücklichen Kinder bei der Verpflegung in den Zeltlagern des Jugendrotkreuz.

Absprache mit Veranstalter

Neben dem Kochen investieren die Helfer auch viel Zeit in Vor- und Nachbereitung. Am Anfang eines geplanten Einsatz steht die Absprache mit dem Veranstalter über dessen Wünsche und die Prüfung, ob diese umsetzbar sind und in das Budget passen. „Man will auf die Gruppe eingehen“, so Heitmann. Mit zehn Helfer könne man Braten mit Soße oder Burger für bis zu 500 Personen meistern. „Wichtig ist, dass wir ein sehr eingespieltes Team sind“, stellte Tschöp fest.