Kreuzwertheim

Kreuzwertheimer „Foasenoacht“ Mit dem Ausgraben der „Foasenoacht“ und dem Balwierersdoonz läutete die Faschingsgesellschaft den Schlussspurt der tollen Tage ein

Hoch zu Ross und mit Musik zum Marktkreuz

Archivartikel

Kreuzwertheim.„Wo tragen Hünkeli un Gäns noch bis Aschermittwoch Krawadde, sind Miesdhaufe beflaggt und führen Wäächweiser zu de Aborde?“ In Kreuzwertheim natürlich – jedenfalls dann, wenn die närrischen Regeln befolgt werden, die Zeremonienmeister Stefan Krimm am Sonntagabend am Marktkreuz verkündet hat.

Bunte Schar verfolgt Spektakel

Dorthin gelangt war Krimm zuvor hoch zu Ross auf dem Haflinger „Pascha“, vor sich eine Schar bunt gewandeter Helfer mit Clownsgesichtern, hinter sich viele Kreuzwertheimer, die sich das Spektakel nicht entgehen lassen wollten. Nicht zu vergessen die Musiker aus Hasloch, die für die richtigen Begleittöne sorgten.

Am Ziel angelangt, waltete der Suchtrupp seines Amtes – er suchte. Und er fand. Die „Foasenoacht“ nämlich, in Form des obligatorischen Bierfässchens. Klar, dass das zum ein oder anderen Freudentanz führte.

Die närrischen Regeln verkündet, das Fässchen geschultert, machte man sich auf den Weg zurück dorthin, wo man hergekommen war. In der Dreschhalle war schon alles vorbereitet für den nächsten Akt des Schauspiels, für den Jo Krimm die musikalische Regie übernahm. Hineingehüpft in den Saal kam eine Gruppe seltsamer Gestalten, an deren Spitze mit Daniele Donadio ein Neuling.

Markerschütternd brüllte er in die Runde: „Hould m’r den Balwierersknäächd, denn mir is’ im Leib nied räächd!“ Der mitgehüpfte Polizist stellte allerdings schnell fest, dass ein Knecht da nicht viel auszurichten in der Lage sei. Ein Arzt musste her. Und der kam dann auch in Gestalt des vormaligen Zeremonienmeisters Stefan Krimm. Die wichtigste Frage vorweg: „Haben Sie Ihr Versichertenkärtchen dabei?“

Diagnose gestellt

Die Antwort des mittlerweile flach am Boden ausgestreckten Patienten war nicht zu verstehen. Sie schien aber zufriedenstellend ausgefallen zu sein, denn der Arzt machte sich sogleich an die Untersuchung.

Die Diagnose lautete: „stinken tut er, Käsfüß hat er und dicke Eier hat er auch“. Die passende Therapie: ein Einlauf. War der verpasst, wurde der arme Kranke umgehend wieder auf den Stuhl gesetzt – und weiter malträtiert.

Denn es musste auch noch ein ganz übel aussehender Zahn gezogen werden, was mittels eines Seils auch geschah. Nicht zu vergessen wurde der Patient zwischendurch immer wieder kräftig eingeseift und „rasiert“, wobei einige der Zuschauer am eigenen Leib erfahren durften, warum es gut ist, bei diesem Spektakel ein wenig Abstand zu der verrückten Truppe zu halten. Denn der Schaum flog im hohen Bogen und in alle Richtungen.

Daniele Donadio ließ die ganz und gar nicht sanftmütige Behandlung mit scheinbar stoischer Ruhe über sich ergehen.

Bleibt zu hoffen, dass er danach von allen Leiden, eingebildeten wie tatsächlichen, geheilt war. Verdient hätte er es. So wie alle anwesenden Feierwütigen anschließend noch einige vergnügte Stunden bei Tanz und Musik mit den „Jets“.