Kreuzwertheim

Gemeinderat Kreuzwertheimer Gremium befasste sich mit der Trinkwasserversorgung der Marktgemeinde

Mängel beim Hochwasserbehälter

Es besteht Handlungsbedarf. Kreuzwertheim muss in seine Trinkwasserversorgung investieren. Das wurde bei der Gemeinderatssitzung diskutiert.

Kreuzwertheim. Es waren keine wirklich guten Nachrichten, die Thomas Beier, Geschäftsführer der Stadtwerke Wertheim, und der technische Betriebsleiter für die Wasserversorgung, Stefan Wolf, am Dienstag in die Sitzung des Kreuzwertheimer Marktgemeinderates mitgebracht hatten.

Bürgermeister Klaus Thoma bereitete einleitend schon einmal vor, womit die Kommunalpolitiker anschließend ausführlich konfrontiert wurden: Die beiden Hochbehälter der Trinkwasserversorgung, Anfang der 1960er Jahre gebaut, sind in keinem guten Zustand mehr.

Sowohl die Kammern als auch ein Teil der Armaturen sind zumindest sanierungsbedürftig. Die Mängelliste, die von den beiden Stadtwerke-Vertretern aufgemacht wurde, war aber noch länger, so dass nun die Entscheidung getroffen werden muss, ob nicht ein Neubau die bessere Alternative wäre.

Sanierungsbedarf

"Unsere Aufgabe als Dienstleister ist es, rechtzeitig Bescheid zu sagen", bat Geschäftsführer Thomas Beier das Gremium um Verständnis. Die beiden eigenen Brunnen, aus denen Kreuzwertheim sein Trinkwasser bezieht, geben keinen Anlass zur Besorgnis.

Das war es dann aber auch mit den guten Nachrichten. Bei den beiden Hochbehältern, einer in der Hoch-, der zweite in der Tiefzone, sieht es ganz anders aus.

So ist der in der Hochzone inzwischen deutlich zu klein bemessen und schon die Zustandsbewertung des Außenbereichs fiel bedenklich aus. Teilweise beschädigte Umzäunung, Setzungen der Erdaufschüttungen, stark gealterte Asbestplatten auf dem Dach, das waren nur einige der Punkte, die Stefan Wolf aufzählte.

Bei den Wasserkammern im Hochbehälter selbst ging es "ungebremst" weiter. In der Beschichtung sind nicht nur gefährliche Stoffe enthalten, sie weist auch Hohl- und Fehlstellen auf. Die Bewehrung liegt teilweise frei, die Installation ist stark korrodiert, eine Be- und Entlüftung über Luftfilter ist nicht vorhanden.

Und weil aller schlechten Dinge drei sind, bekam auch das Bediengebäude keine wirklich gute Bewertung. Teilweise Beschädigungen an Putz und Anstrich, erkennbare Feuchtigkeitsschäden, zum Teil veraltete Installation, listete Wolf auf - ganz abgesehen von Sicherheitsbedenken.

Beim Hochbehälter in der Tiefzone ist immerhin die Kapazität ausreichend, ansonsten aber war die Mängelliste eher noch länger. Folgte man dem von den Stadtwerken erarbeiteten Katalog der Sanierungsmaßnahmen, schlüge dies nach heutigem Stand mit geschätzt 990 000 Euro zu Buche.

Ein Neubau wäre nicht viel teurer, vor allem wenn man sich dazu entschiede, nur noch einen neuen Hochbehälter mit entsprechendem Fassungsvermögen zu bauen. Hierfür werden die Kosten überschlägig auf 1,16 Millionen Euro geschätzt. Nicht nur die Investitionskosten wären in dem Fall etwas höher, sondern auch die Wasserförderkosten, denn es wäre ein Druckminderer notwendig. Ganz dringend ist die Angelegenheit nicht, in der Vorlage für den Gemeinderat ist von einer Baufertigstellung 2022/2023 die Rede. Es gelte aber, rechtzeitig mit der Planung und Ausschreibung zu beginnen und nicht zuletzt, die Finanzierung sicherzustellen, so Bürgermeister Thoma. "Auch benötigt das Gesundheitsamt eine verlässliche Aussage zum Zeitplan."

Belastung für Bürger

Auf eine größere Belastung müssen sich auf jeden Fall die Bürgerinnen und Bürger einstellen, denn es "drohen" entweder höhere Verbrauchsgebühren oder Ergänzungsbeiträge. Das solle frühzeitig und transparent kommuniziert werden, forderten Andreas Schmidt (SPD) und Günter Kohrmann (CSU), nachdem Gemeinderatskollegen schon während der Erläuterungen von Wolf eine ganze Reihe von Fragen zu Kosten, Versorgungssicherheit und weiteren Themen gestellt hatten.

"Ein bisschen erschrocken" über die Zustandsbeschreibungen zeigte sich Silvia Klee (SPD), die deshalb auch über den Zeitplan verwundert war. Die Trinkwasserversorgung sei schließlich wichtiger als alles andere. "Von einer Gefahr für die Bevölkerung müssen wir guten Gewissens nicht ausgehen", beruhigte Stadtwerkegeschäftsführer Beier.

Schließlich wurde einmütig der Grundsatzbeschluss zur Sanierung oder zum Neubau der Hochbehälter gefasst. Welche Variante zum Tragen kommt, soll entschieden werden, nachdem ein Ingenieurbüro Auswirkungen und Kosten erarbeitet und dargestellt hat.