Kreuzwertheim

„Söder persönlich“ Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder füllt in Marktheidenfeld den Kinosaal

Politiker tief im Glauben verwurzelt

Archivartikel

Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder machte mit seiner Personality-Show Station in Marktheidenfeld und füllte einen ganzen Kinosaal.

Marktheidenfeld. „Söder persönlich“ nennt sich das Format, das den Ministerpräsidenten den Menschen näher bringen soll. Damit tourt Markus Söder seit Monaten durch den Freistaat und füllt mühelos große Säle. Das ist auch in Marktheidenfeld nicht anders. Viele Besucher sind neugierig.

„Es kommt ja nicht so oft vor, dass man einen Ministerpräsidenten so nahe sehen kann.“ Oder: „Ich wollte mich vor Ort überzeugen, ob der Söder wirklich so volksnah ist.“ Das sind nur zwei Aussagen von Besuchern nach den gut 90 Minuten Frage-und-Antwort-Spiel. Die Fragen stellt dabei Marc Sauber. Er bittet zu Beginn die Besucher um Geduld. „Der Herr Ministerpräsident verspätet sich um 15 Minuten“. Da fühlt man sich wie bei der Deutschen Bahn, fällt einem Sitznachbarn spontan ein.

Und dann kommt der „ICE“ doch noch in den Saal. „Meine Damen und Herren, hier ist er, der bayerische Ministerpräsident“, ruft Sauber ins Mikrofon. Beifall brandet auf und Söder weiß, wie er reagieren muss. Er winkt den Menschen zu. Sobald er das Mikrofon in der Hand hat, ist er Chef im Ring.

Politische Routine

Die Fragen wirken einstudiert und man merkt die politische Routine, die Söder sich in den langen Jahren seiner politischen Laufbahn zugelegt hat. Und doch, so manchmal wird es wirklich sehr „persönlich“. Vor allem, als er seinen Führungsstil vorstellt und von seinem Glauben berichtet. Die Menschen erfahren, woher Markus Söder als evangelischer Christ seine Kraft zieht und warum er tief im christlichen Glauben verwurzelt ist.

Dabei kommt natürlich auch die „Söder-Kapelle“ zu Wort, er nennt den Raum in seinem Dienstgebäude lieber „Raum der Stille“. Hierher zieht er sich jeden Abend bei Dienstschluss kurz zurück und kommt zur Ruhe. „Das erdet einen und macht den Kopf wieder klar“, so Söders Begründung.

Über den Glauben zu reden, habe ihn stark gemacht, gibt er unumwunden zu und begründet im selben Atemzug, warum die Diskussion um das Kreuz in allen bayerischen Amtsstuben für ihn Ausdruck der christlich-abendländischen Kultur ist und ein Symbol für die Freiheit.

Die Freiheit nimmt für den Politiker eine sehr große Rolle ein. Das Wort taucht öfter an diesem Nachmittag in Marktheidenfeld auf. „Jeder soll das machen können, was er will, aber ich möchte auch das tun, was ich will“, das sei Freiheit und ein Ausdruck von Toleranz. Überhaupt sei man in Bayern sehr tolerant und hilfsbereit, findet Söder. Man helfe wirklich gerne allen Menschen, die der Hilfe bedürfen. Alle anderen müssten aber spüren, „dass sie nicht willkommen sind“, hieß es.

„Wer als Flüchtling nicht anerkannt wird oder straffällig ist, muss zurück in sein Heimatland“, verteidigt er die Asylpolitik der bayerischen Staatsregierung. Kein Mensch könne verstehen, dass der ehemalige Leibwächter von Osama bin Laden nach einem Gerichtsbeschluss wieder nach Deutschland kommen dürfe, obwohl er als Gefährder gelte und weiter terroristische Gedanken hege.

In Bayern wäre so eine Entscheidung undenkbar, glaubt Söder und verteidigt im selben Atemzug die Einführung einer bayerischen Grenzpolizei. Sie helfe vor allem gegen Schlepper und Schleuser. „Die haben sich schon umorientiert und neue Wege gesucht.“

„Bayern starkmachen“

Söder findet, dass Bayern das „schönste und erfolgreichste Land der Welt“ sei. Das liege sicher auch an der Arbeit der CSU in den letzten Jahrzehnten. Auch wenn sich die Welt in einem großen Wandel befände und in vielen europäischen Ländern Populisten und Populäre an die Macht kämen, werde er nicht müde für Bayern zu kämpfen. „Wir versuchen Woche für Woche, Bayern stärker zu machen“. Er arbeite gerne für die Menschen im Land. Natürlich habe es Stimmen gegeben, so der Politiker, die ihn nach Berlin rufen wollten, aber er habe sich bewusst für sein Heimatland entschieden.

Dabei sind ihm die aktuellen Umfragewerte für die bevorstehende Landtagswahl fast egal. Das könne sich schnell wieder ändern. Im letzten Jahr vor der Bundestagswahl waren die Umfragewerte noch ganz anders. Er versprach, „dass ich 100 Prozent Einsatz biete“.

Das nimmt man Söder auch ab, wenn er weiter mit Marc Sauber plaudert und erzählt, dass es schwierig war als Jugendlicher ein Mädchen zu verführen, wenn man in seinem Zimmer ein lebensgroßes Poster von Franz-Josef-Strauß aufgehängt hat. Doch seine Frau Karin stehe zu ihm und erde ihn auch zwischendurch, ebenso wie seine Kinder oder gute langjährige Freunde, auf die sich Söder immer verlassen könne.

Verlässlichkeit, das merkt man an diesem Nachmittag in Marktheidenfeld, ist Markus Söder sehr wichtig. Und so wundert es nicht, dass der gebürtige Franke seit der Jugendzeit Mitglied beim 1. FC Nürnberg ist. Dies sei eine Frage der Überzeugung, auch wenn er die Arbeit bei Bayern München sehr schätze.

Dann ist die Fragezeit auch schon fast wieder vorbei und Söder muss weiter. Er bedankt sich bei den Zuhörern und verbeugt sich. Da ist dann wieder der Politiker im Vordergrund. Den muss er auch weiter geben, als er vor das Kino tritt. Hier hat sich eine kleine Schar von Demonstranten eingefunden, die an die 10H-Regelung bei der Windkraft erinnern und fordern, dass sie weiter Bestand hat. Dabei geht es um den Mindestabstand vom zehnfachen der Höhe eines Windrads zu Wohngebäuden in Gebieten mit Bebauungsplänen. Söder spricht kurz mit den Menschen und dann geht es mit der Dienstlimousine weiter zum nächsten Termin. Er fährt nach Lohr zur Eröffnung der Spessartwoche. Und auch hier spürt er viel Sympathie und Rückenwind für die Politik in Bayern.