Külsheim

Im Dorfgemeinschaftshaus Der „Bunte Abend“ bot wieder einen gelungenen Mix aus spritzigen Tänzen und witzigen Büttenreden

Das Dorfgeschehen närrisch beleuchtet

Archivartikel

Der Bunte Abend der Vereine in Eiersheim lockte am Samstag viele Narren ins örtliche Gemeindezentrum.

Eiersheim. Die einen präsentierten einen bunten Strauß an Auftritten, von Schau- und Gardetänzen über Büttenreden und musikalische Darbietungen bis hin zum Eiersheimer Tratsch. Die anderen freuten sich über das, was auf der Bühne gezeigt wurde. Veranstalter des „Bunten Abends“ war der Männergesangverein „Eintracht“ Eiersheim. In den viereinhalb abwechslungsreichen Stunden war schließlich für jeden etwas dabei. Wolfgang Krug führte schwungvoll informierend durch das Programm, ergänzte die Moderation mit Gesang und Witzen. Er ermunterte gleich zu Beginn mit „Steht auf, wenn ihr Party wollt“, worauf das Publikum eine eindeutige Antwort gab. Der Eiersheimer närrische Schlachtruf, das dreifach kräftige „Die Bäse hoch“ ward fortan vielfach gehört. Alle Akteure im Laufe des Abends bekamen den Fastnachtsorden, „Bäse hoch 2019“ auf Odenwälder Lebkuchen. Der erste Teil des Programms erwies sich als durchaus tanzlastig, organisatorisch begründet durch weitere närrische Verpflichtungen der Mädels.

Den Anfang machte die Präsidentengarde der FG „Fideler Aff“ Walldürn (Trainerinnen: Franziska Marek, Anna-Lena Löhr), deren flotte, freche und gekonnte Inszenierung Lust auf Mehr machte. Ihnen folgte die Juniorenschautanzgruppe aus Walldürn (Trainerinnen: Nina Trabold, Sabine Trabold, Petra Kehl), die mit dem Motto „statt einsam lieber gemeinsam“ inklusive Pompons und später Boxhandschuh viel Schwung versprühten.

Der Moderator höchst selbst intonierte, begleitet von Sven Geier, mit „Du bist der Ort, da wo wir gerne sind“ eine veritable Hymne auf Eiersheim. Der tänzerische Reigen setzte sich fort mit dem Auftritt der Jugendgarde aus Walldürn (Trainerinnen Katja Golderer, Constanze Moschner), die Dynamik mit Harmonie verbanden.

Genauso konzentriert und erfolgreich bei der närrischen Sache dabei war die Juniorengarde aus Gamburg (Trainerinnen: Christina Fiederlein, Susanna Fiederlein, Christine Böhme), die sportlich anmutende Bewegungsabläufe und kreatives Ebenmaß zeigten. Der unbeschwerte Gardetanz der Prinzengarde der FG „Bischemer Kröten“ (Trainerin Katja Hammerich) erwies sich als weiterer Höhepunkt in der Reihe energiegeladener Beiträge.

Die erste und gleich lustige Büttenrede des Abends sah einen „Strohwitwer“ (Maria Wolf), in dessen doch anstrengender Bewältigung des Alltags im Sinne von „ein Unglück kommt selten allein“. Die holde Frau Gattin hat den Haustürschlüssel mitgenommen, also muss gleich ein Schlossermeister ran. Das tägliche Gießen traf wohl auch den Tisch aus Mahagoni, der alsbald Knospen treibt, der Waschautomat zeigt einen „Vollwaschkrimi in color“, der mitgewaschene Dackel wird vom zwischenzeitlichen Weiss wieder auf braun gefärbt.

Die Juniorengarde der „Bischemer Kröten“ (Trainerinnen: Lorena Hauck, Clara Zwerger, Jenny Noe, Selina Reichel) traf mit dem sowohl kleidungstechnisch wie choreographisch kunterbunten Tanz unter dem Motto „Küss die Kröte“ den Nerv des Publikums.

„Zwei Sportsdamen“ (Angelika Martin, Anett Welde aus Gamburg) erzählten launig auch aus der Welt der Bewegung. Die Eine machte eigener Aussage nach seit Wochen Sport, „Ritter Sport“, geboten wurde zum Thema „Yoga“ live ein graziler „bellender Hund“. Zu hören waren die Auswirkungen, wenn ein Ehepaar nach dem Besuch beim Homöopathen die gleichen Kügelchen nimmt („er strickt inzwischen, ihr wächst ein Bart“) und wie durch geschicktes Intimpiercing der Familienschmuck vor „Hartz IV“ gerettet wird.

Die „Maisenbach-Singers“, als „singende Wunderknaben“ angekündigt, nahmen vollmundig Geschehnisse aus Nah und Fern aufs Korn. Sie wussten von einem Tomatenhäuschen, das inzwischen nur noch mit der Machete erreichbar ist, und wo die Tröpfchenbewässerung auch über den Winter im Betrieb ist, verkündeten, was sie vom Stahlturm in Üssi hielten: „Was sinn des für Flöö, di sinn doch uff der Höh’.“ Sie prangerten das Hauptproblem der Mittwochswanderer an („Pfitsche gnuch“ auf den Feldwegen) und dass sich die Külsemer im vergangenen trockenem Sommer zum Blumengießen mit Eierschemer Wasser behalfen.

„Dicke sin ja aa ganz schööö“ (Bütt mit Maria Wolf) verglich Menschen mit einem Baum („alle Jahre ein Ring mehr“) und beleuchtete diverse Versuche abzunehmen. Bei „FdH“ mit „nur 1000 Kalorien pro Tag“ wiederum hänge der Magen bis an die Knie. Und beim Abschlusslied „Ich hab mich 1000 Mal gewogen, ich hatte 1000 Mal Diät, hab’ mich jedes Mal gequält,“ zog das Publikum mit.

Die „Tanzgang“ von den „Groasmückle“ Hochhausen (Trainerinnen: Laura Bechthold, Theresa Geier) verknüpfte beim Schautanz „High School Musical“ jugendliches Temperament mit bewegungsintensiven Elementen.

Die Eiersheimer Musikanten inklusive der „Gänseplölis-Trutschen“ stellten beim Beitrag „Ortsgesche-hen“ Tratsch und Klatsch aus dem Dorf vor, besangen dies prächtig. So war zu hören, dass in Eierschi solange Sprachkurse angeboten würden, bis Eierschemerisch Weltsprache sei. Man erzählte in launiger Form vom örtlichen Wirbeltierbeauftragten, der es zum „staatlich anerkannten Mäusetöter“ gebracht habe, und dass regelmäßig „alle geländegängigen Rentner und Diakone“ zum Arbeitseinsatz in die Dorfmitte gerufen werden. Zudem verrieten sie, dass es im Gemeindezentrum wohl elektrische Türöffner gebe, Toiletten dennoch überliefen.

Das „Männerballett“ der Gamburger Feuerwehr (Trainerin Doris Schwägerl) griff das bekannte Motiv „Schneewittchen“ auf. Die Mannen, als Schneewittchen, Spiegel, Erzähler, Stiefmutter, Jäger, Zwerge und Königssohn zugange, agierten quasi märchenhaft,

„Der beste Familienvater der Welt“ (Dieter Zirkelbach aus Külsheim) meinte, laut seiner Frau sei er auch der „glücklichste Familienvater der Welt“. Die Aussage seiner Tochter, ihr Freund sei „en Schwarzer“ kommentierte er mit „macht nix, auch bei der CDU gibt es gute Leut’“. Der Vortrag brachte Zusammenhänge trocken auf den Punkt.

Die „Jacksons Nine“ aus Uissigheim (Trainerinnen: Ramona Keller, Rebecca Nahm) brachten nochmals lebhaften Schwung auf die Bühne. Deutlich sicht- und hörbares Thema war Michael Jackson und seine Welt. Die Damen inklusive einem Herren zeigten sich vom „King of Pop“ inspiriert.

Der abschließende Programmpunkt endete kurz nach Mitternacht, zeitlich wie gemalt für einen überraschenden Glückwunsch an den Eiersheimer Fastnachter Roland, der einen halbrunden Geburtstag zu feiern hatte.

Nicht nur für ihn, sondern für alle närrischen Feierbiester war anschließend für Unter-haltung und Tanzmusik gesorgt.