Külsheim

Außergewöhnliches Projekt Dr. Walter Dietz zeichnete die Erinnerungen von Senioren aus Külsheim und Uissigheim für DVD „Sou wors emol in Külse“ auf

Dialekt und Leben im Ort dokumentiert

Es gibt viele Möglichkeiten, Wissen über die Heimat zu erhalten. Einige Brunnenstädter haben dazu ihre Erinnerungen in Dialekt erzählt. Daraus entstand die DVD „Sou wors emol in Külse“.

Külsheim. Manche sammeln Fakten, Anekdoten und Fotos oder stellen Stammbäume auf, andere bewahren Gegenstände aus weit zurückliegender Zeit oder tauchen tief ein in schriftliches Archivgut. Daraus entstehen in vielen Fällen Ausstellungen oder Vorträge. Alle eint der Gedanke, das Leben früherer Generationen verstehen zu können und die Zeugnisse dieser Zeit zu erhalten.

Bei den bisherigen heimatkundlichen Sammlungen in Külsheim spielt der Aspekt „Dialekt hören“ bestenfalls sporadisch eine Rolle. Früher konnte die Herkunft eines Gesprächspartners sofort anhand seiner „Sprache“ erkannt werden. Jede Ortschaft hatte ihren unverwechselbaren Dialekt. Wie auch anderswo sprechen in der Brunnenstadt immer weniger Menschen, meist ältere Mitbürger, Mundart.

Idee aufgegriffen

Vor Jahrzehnten schon hatte Klaus Heußlein, Gründer und erster Vorsitzender des Heimat- und Kul-turvereins Cullesheimer Kreis, vorgeschlagen, Külsheimer Mundart aufzuzeichnen. Diese Idee griff Dr. Walter Dietz vor drei Jahren auf. Er nutzte dazu die technischen Möglichkeiten digitaler Medien.

Die Auswahl der Külsheimer Dialekt sprechenden Zeitzeugen erfolgte gezielt nach deren mundartlichen Kompetenz, jedoch auch wegen des jeweils hohen Alters. So konnten sie auf einen langjährigen Erfahrungsschatz in Külsheim zurückgreifen. Nach und nach fanden mit 18 Külsheimern und einem Mann aus Uissigheim teils sehr persönliche Interviews statt. Wie sehr das Projekt prinzipiell unter Zeitdruck stand, verdeutlicht die Tatsache, dass fünf der Zeitzeugen inzwischen gestorben sind.

Aus ihrem reichen Wissensschatz erzählten Robert und Gertrud Geiger, Lydia Wolpert, Rudolf Kauf-mann, Gertrud Geiger, Robert und Erika Imhof, Erich und Hedwig Düll, Klothilde Pfohl, Paul und Johanna Keller, Helmut Bundschuh, Gisela Seitz, Martina Matzer, Erika Grimm, Berthold Wolpert sowie Edith Betzel und Gero Grimm.

Schnell wurde deutlich, dass nicht nur der Dialekt aufgezeichnet werden konnte, sondern auch eine Dokumentation des Lebens in Külsheim in den vergangenen beinahe 90 Jahren.

Insgesamt wurden 274 Berichte aus der Brunnenstadt und 14 aus Uissigheim zusammengetragen. Die Beiträge haben eine Länge von einigen Sekunden bis hin zu mehreren Minuten und ergeben in der Summe eine Zeitdauer von etwa neun Stunden.

Die daraus entstandene DVD, die nun der Stadt Külsheim übergeben wurde (siehe weiteren Bericht), ist in verschiedene Kapitel eingeteilt. Diese sind etwa überschrieben mit „Landwirtschaft“, „Kriegsjahre“, „Lausbuben“, „Sitten und Gebräuche“ oder „Bekleidung“. Die Titel der mundartlichen Beiträge wie „Röhrschli“, „Bleidern“, „Verkehrskontrolle“, „Aberglaube“, „Nachbar im Boxhagel“ oder „Quätschichernte“ machen Lust auf „mehr“. Sicherlich wecken die Erzählungen bei den Zuhörern Heimatgefühle.

Die Erzählenden berichten mit viel Lebensfreude, lachen viel und miteinander, schwelgen in Erinnerungen, philosophieren über Gott und die Welt. Sie sprechen auch über die Zeit des Zweiten Weltkriegs und danach. Dabei ändert sich auch oftmals die Stimmlage. Beschreibungen des Lebensalltags wechseln mit erheiternden Anekdoten.

„E Blunzle“

Es ist zu hören, was „e Blunzle“ ist und was passiert, sobald eine Gruppe junger Kerle beim einem Streich beinahe erwischt wird: „Mir senn abghaut, inn de Schönert nei, bis unnerhalb vumm Halberhäusle, üwwer die Boach, düwwe nuuf“. Wenn einer tagsüber seinen wertvollen Kirschbaum gehütet hat, „senn mir nachts noa“. Eine Schilderung widmet sich der Zahl zwei. Jene wird im Külsheimerisch „Zwaa“ ausgesprochen, „die Zwe“ indes sind zwei Kerle oder Männer, „die Zwu“ hingegen Frauen, allerdings „Weiber“ genannt.

Walter Dietz, seinen Mitstreitern vom Heimat- und Kulturverein „Cullesheimer Kreis“ und natürlich den Dialekt sprechenden Zeitzeugen, der Jüngste ist 74 Jahre, ist ein sehr schönes Werk gelungen, das anzuhören sprachlich wie inhaltlich durchweg Spannung verspricht und hält. Sie haben sich um dieses wichtige Segment „Mundart“ verdient gemacht.

Die Zeitzeugen trafen sich nun beim Ältesten aus ihren Reihen. Dabei drehten sich die Gespräche vornehmlich um Erinnerungen und Geschichten aus längst vergangener Zeit, erzählt im Külsemer Dialekt. Eine der Frauen stimmte dabei gar das Külsheim-Lied an und sang alle Strophen.