Külsheim

Nahwärmenetz in Steinfurt „Was lange währt, wird endlich gut“ / Alle planerischen Voraussetzungen sind jetzt geschaffen

Die Arbeiten für das Projekt starten in wenigen Wochen

Steinfurt.„Was lange währt, wird endlich gut.“ Diese Redensart gilt auch für das Nahwärmenetz in Steinfurt, das seit Jahren Gegenstand intensiver Überlegungen war und ist. Nun sind alle planerischen Voraussetzungen geschaffen, die Arbeiten starten in wenigen Wochen.

Familie Erbacher hatte 2011 300 Meter westlich des Orts eine Biogasanlage gebaut. Ein Teil der Wärme wurde zur Beheizung des Fermenters eingesetzt, der größere Teil jedoch als Abwärme an die Umgebung abgeführt. Die Betreiber boten den Bürgern an, die Nahwärmeversorgung der Wohnhäuser sowie einer Gaststätte mit Hotel aus der Abwärme des Biogas-Blockheizkraftwerkes zu beziehen.

Anfang November 2011 gab es eine Infoveranstaltung mit Vorträge von Fachleuten. Dabei wurde auch das Prinzip ausführlich vorgestellt. Besuche von Biogasanlagen mit Wärmenetzen sowie eines Bioenergiedorfes folgten, mit dabei waren außer Teilen der Steinfurter Bevölkerung auch die Energieagentur Main-Tauber sowie Vertreter der Stadt Külsheim.

Fragebögen ermittelten den Jahresverbrauch an Heizöl oder Holz, die Zahl der Menschen, die in den Häusern leben, und weitere Daten. Ein Ingenieurbüro erstellte eine Machbarkeitsstudie. Die Bürger erarbeiteten sich verschiedene Wärmenetzmodelle, wollten eine Genossenschaft gründen, um das Leitungsnetz sowie den Zugang zu den Häusern durch Eigenmittel und öffentliche Zuschüsse zu bauen.

Inzwischen hatte die Familie Erbacher die Biogasanlage erweitert. Der Wärmeverbrauch in Steinfurt hätte aus dem „Abfallprodukt Wärme“ der Biogasanlage für die Umwelt schonender gewonnen werden können. Heizöl hätte eingespart, der Ausstoß von Treibhausgasen verringert worden können. Einziger Hemmschuh waren Einsprüche eines Nachbars, ob derer ständig neue Auflagen erfüllt werden mussten.

Die Fertigstellung der Wärmeversorgung war ursprünglich bis Ende 2013 geplant, was dann aber nicht zu realisieren war. Das Projekt selbst blieb jedoch weiter auf dem Schirm, innerhalb von Steinfurt tauschte man weiterhin und wiederholt Meinungen aus. Volker Erbacher (Sprecher „Organisationsteam Nahwärmenetz Steinfurt“), Bürgermeister Thomas Schreglmann und Frank Künzig von der Energieagentur Main-Tauber arbeiteten Hand in Hand, mit Arno Nüßlein (Sommerach) und dessen Büro für Heizenergieoptimierung fand man einen Praktiker, der die Sache voranbrachte.

Mitte 2017 gab es Neuberechnungen zum angedachten Steinfurter Nahwärmenetz, eine Kostenermitt-lung bis hin zur Machbarkeitsstudie. Die neue Planung sah den Bereich des Unterdorfs als machbar für das Netz an, also von Westen her bis zur Rüdentaler Straße als Hauptstraße des Orts. Derweil zeigte die Stadt Interesse, das Gemeindezentrum jenseits des Bereichs mit ins Nahwärmenetz aufzunehmen, ebenso wie das Feuerwehrhaus über der Straße, ein privates Wohnhaus samt Werkstatt kam auch noch hinzu.

Seinerzeit wurden die Containertrocknung und zwei Wohnhäuser der Familie Erbacher mit Wärme versorgt. Eine Netzerweiterung ist dann förderfähig, wenn der Bauträger der gleiche bleibt. Damit war der Gedanke an eine Genossenschaft als anderer Bauträger vom Tisch, auch die Netzerweiterung bleibt in Händen der „Bioenergie Erbacher GmbH“.

Jürgen Amend, Christian Böhrer, Nicole Böhrer, Volker Erbacher und Otto Bundschuh, das Organisationsteam zum Nahwärmenetz, berichten, es gebe nun 21 Anschlussnehmer. Dabei seien zumeist Wohnhäuser, auch ein Hotel mit Gastronomie, Gemeindezentrum, Feuerwehrhaus, Werkstatt. Im Endeffekt werden etwa 2200 Meter Netzlänge erreicht, zirka zwei Siebtel im öffentlichen Bereich, fünf Siebtel somit im privaten Bereich.

Das Netz wird vorzugsweise auf Privatgrund verlegt. Das geschieht zum einen, um befestigte öffentliche Wege nicht unnötig zu beschädigen, zum anderen, um Baukosten zu sparen. In das große und gemeinsame Projekt wird sehr viel Eigenleistung mit eingebracht, ansonsten wäre es wirtschaftlich nicht darstellbar.

Bauträger und Wärmelieferant ist die „Bioenergie Erbacher GmbH“. Zu- oder Absagen wurden sinnvollerweise zuvor eingesammelt. Das Nahwärmenetz wird durch die Abwärme der Blockheizkraftwerke gespeist, die eigentlich Strom produzieren. Die Wärmelieferverträge sind schriftlich festgehalten, es gibt eine Wärmegarantie auch im Störfall sowie eine Wärmepreisgarantie bis 2032.

Die Förderkriterien seien erfüllt, so Erbacher, die Zusage der Kreditanstalt für Wiederaufbau als För-derbank werde in Kürze erwartet. Geplant sei ein Baubeginn Anfang Juni, wobei die Firma Konrad-Bau im öffentlichen Bereich zugange sein werde und ansonsten alle, die an das Netz wollen. Wichtig sei auch der ökologische Gedanke, dieser müsse aber wirtschaftlich darstellbar sein. Nüßlein werde die Bauleitung übernehmen, die Inbetriebnahme steuern und dann auch eine Heizkreisoptimierung vornehmen.

Otto Bundschuh, Gemeinderat, betonte, man schätze sich glücklich, dass das Projekt zustande komme. Den an vorderster Stelle Mitwirkenden „können wir gar nicht genug „Danke“ sagen“, an erster Stelle Volker Erbacher. Beim Bürgermeister seien offene Türen eingerannt worden. Das Nahwärmenetz bringe eine Verbesserung der Lebensqualität, zudem weniger Abgase im Ort und auch vom wirtschaftlichen Aspekt sei es sehr erfreulich. Auch Schreglmann freut sich über die Entwicklung. Das Projekt sei eines der ersten größeren gewesen, mit denen er sich als Bürgermeister beschäftigt habe. „Manches braucht länger“, kommentiert er, dieses Vorhaben sei zukunftsfähig. Zudem könnten Leerrohre für Glasfaser gleich mit verlegt werden und sogar bis an die Häuser ran. Das Nahwärmenetz in Steinfurt soll, wenn alles normal läuft, mit Beginn der nächsten Heizperiode genutzt werden können.