Külsheim

Nach dem Unwetter Stadt Külsheim veranstaltet Helfertreffen / Großes Lob für das Engagement der Feuerwehren aus allen Ortsteilen

„Die Bevölkerung ist Euch sehr dankbar“

Archivartikel

Aus heiterem Himmel entlud sich vor gut zwei Wochen das Unwetter über Külsheim. Nun sagte die Stadt allen Helfern „Dankeschön“ für ihren Einsatz bei den Aufräumarbeiten.

Külsheim. „Im Keller sind mir die Schuhe entgegengeschwommen“, erzählt Manfred Pahl am Dienstagabend bei dem von der Stadt Külsheim auf dem Schlossplatz organisierten Helferfest für Einsatzkräfte und Betroffene im Gespräch mit den Fränkischen Nachrichten. Als er am Sonntag, 17. Juli, gegen 17.30 nach Hause kam, traute er seinen Augen nicht. Dass es in seinem Haus im „Königsgrund“ zu Hochwasser kommen könnte, wäre ihm nie in den Sinn gekommen. Auf dem Nachhauseweg hatte er zuvor bei Verwandten im Boxhagel Schutz vor dem Hagel gesucht. Obwohl deren Haus an einer der tiefsten Stellen Külsheims liegt, „blieb dort alles trocken“, ist er noch immer verwundert.

Pflichtbewusst

Das war ein Glück für Pahl. So konnte er seine dort wohnenenden Familienmitglieder gleich „aktivieren“, damit sie ihm beim Trockenlegen des Kellers halfen. Nachdem sie die Lage im Griff hatten, packte man zusammen, um einen weiteren Verwandten zu unterstützen. Denn der war gerade verhindert: Als Feuerwehrmann erfüllte er seine Pflicht und pumpte anderswo Keller aus. Und für einen seiner Kollegen war das Unwetter eine Geburtstagsüberraschung, auf die er sicherlich gut hätte verzichten können.

„Das war nicht lustig“, beschreiben die neun und 13 Jahre alten Brüder Timo und Jonas Imhof das Erlebte. Auch sie mussten bei sich Zuhause Wasser aus dem Keller schöpfen. „Man hat in dem Moment gar nicht registriert, was da vorbeigeschwommen ist“, nennt Jonas Fahrrad- und Motorradhelme als Beispiele.

„Hut ab vor der Feuerwehr“, betont auch Stadtrat Alfred Bauch. Dieser hatte am besagten Sonntag den Einsatzkräften ebenfalls „Land unter“ gemeldet. Man müsse hoch anerkennen, „dass die Wehr zu allen kam, die um Hilfe gerufen haben“, lobte er. Begeistert ist er auch von einem Mitbürger, „der einfach losmarschiert ist“, um zu sehen, wo er mit anpacken kann.

„Es wird sehr geschätzt, was Ihr getan habt“, bringt Bürgermeister Thomas Schreglmann in seiner Ansprache beim Helferfest die Anerkennung der Kommune für das große ehrenamtliche Engagement – vor allem der Freiwilligen Feuerwehren aus dem gesamten Stadtgebiet – zum Ausdruck. Er verweist zudem auf die positiven Reaktionen der Bürger, die ihm oder weiteren Verwaltungsmitarbeitern seit dem Hochwasser zugetragen worden sind: „Die Bevölkerung ist Euch sehr dankbar. (. . .) Wenn Ihr nicht wärt, wäre keiner gekommen. Es ist nicht selbstverständlich, dass Ihr diesen Dienst macht“, brachte er es auf den Punkt. „Es hat uns auch ausgezeichnet, dass die Feuerwehr-Abteilungen aus allen Ortsteilen geholfen haben“, hebt er zudem hervor.

„Es gibt kein Kanalnetz, das 120 Liter pro Quadratmeter schaffen kann“, erklärt Schreglmann weiter. Nach dem ersten Alarm sei die Feuerwehr zu 98 Einsatzstellen gerufen worden. „Und ich denke, dass die Dunkelziffer“ der nicht gemeldeten Schadensfälle mindestens genauso groß gewesen sei, beschreibt der Rathaus-Chef nochmals das Ausmaß des Unwetters.

Viele haben gleich noch am Sonntagabend, aber auch in den Tagen danach, mithilfe von Familienmitgliedern, Freunden und Bekannten bei sich zuhause aufgeräumt. „Man kennt sich in der Nachbarschaft und hilft sich. Das ist unser Vorteil“, lobt Schreglmann. Auch „wir haben getan, was wir konnten“, stellt er angesichts der von der Stadt an vier Stellen aufgestellten Container zum Entsorgen von beschädigtem Möbiliar fest. Wie er im Gespräch mit den FN ergänzt, sei dieses Angebot rege genutzt worden. Sicherlich „ist dabei auch so mancher Keller entrümpelt worden“. Doch das sei angesichts der Situation „in Ordnung“.

Als großes Manko bezeichnet es Schreglmann, dass viele vom Hochwasser Betroffene nicht über einen ausreichenden Versicherungsschutz verfügen. Sie müssen nun ihre Schäden – teilweise sogar im fünfstelligen Bereich – selbst zahlen. „Bei den Privathaushalten geht der Gesamtschaden wohl in die Millionen“, vermutet der Bürgermeister. So seien nicht nur zahlreiche Einrichtungsgegenstände zerstört worden. Es gebe auch Häuser, in denen die Bodenbeläge oder sogar der Estrich herausgerissen werden müssen.

Das Hochwasser wird sich ebenso im städtischen Haushalt niederschlagen. Denn es kam nicht nur an und in einigen kommunalen Gebäuden oder an Straßen zu Schäden. Die Flut sei, so Schreglmann, wie eine Walze den Amorbach hinuntergerollt und habe dabei sogar eine kleine Brücke weggerissen: „An einigen Stellen müssen wir die Ufer wieder befestigen. Das wird schon Geld kosten.“ Nach Abzug der Zahlungen von den Versicherungen hofft er nun, dass die von der Stadt zu schulternde Restsumme unter 250 000 Euro liegen wird.

Trotz allem meinte Schreglmann abschließend mit Blick auf das noch schlimmere Unwetter im Mai 2016 in Braunsbach: „Wir sind noch mit einem blauen Auge davongekommen.“

Keine Rechnung

Wie Stadtkommandant Heiko Wolpert auf FN-Nachfrage bestätigte, werde die Stadtverwaltung den vom Hochwasser Betroffenen den Feuerwehreinsatz nicht in Rechnung stellen. Doch so mancher habe den Abteilungen bereits eine Spende als kleines „Dankeschön“ zukommen lassen. Wolpert: „Das tut einfach gut!“