Külsheim

Kein alltäglicher „Job“ Die Hundheimer Günter Bischof und Herbert Ochs engagieren sich schon seit Jahrzehnten als Wahlhelfer

Ehrenamt ist eine Selbstverständlichkeit

Wahlen sind mit viel Arbeit verbunden. Deshalb brauchen Kommunen die Unterstützung von Bürgern. Seit über, respektive fast 40 Jahren fungieren Günter Bischof und Herbert Ochs als Wahlhelfer.

Hundheim. Beide sind Rentner. Doch am 26. Mai haben sie wieder einen „Job“ der besonderen Art. An diesem Sonntag sind Günther Bischof und Herbert Ochs – wie hunderte weitere Frauen und Männer in der Region – wieder als Aufsicht bei den Europa- und Kommunalwahlen sowie beim Auswerten der abgegebenen Stimmzettel gefordert.

Gespannt warten nach der Schließung der Wahllokale meist viele Menschen auf die Ergebnisse einer Abstimmung. In vielen Kommunen kann die Auszählung der Stimmen via Computer „live“ mitverfolgt, Schnellmeldungen mittels Mausklick in Sekundenschnelle an die zuständigen Stellen wie etwa das Landratsamt übertragen werden. Das war aber nicht immer so, wissen die Hundheimer aus jahrzehntelanger Erfahrung.

Günter Bischofs „Karriere“ als Wahlhelfer begann 1975, nachdem er im Jahr zuvor angefangen hatte, bei der Stadt Külsheim zu arbeiten. Es stand die „erste reguläre Kommunalwahl nach der abgeschlossenen Gemeindereform“ auf dem Terminkalender, blickt er zurück.

Damals war der 65-Jährige im Hundheimer Rathaus im Dienst. Das Rathaus-Telefon befand sich im Erdgeschoss. Ausgezählt wurde aber eine Etage höher. Handys gab es nicht. Die Folgen, die sich daraus ergaben, brachten vor 44 Jahren bestimmt manchen der Beteiligten ins Schwitzen. Heute sorgt die Geschichte für ein Schmunzeln:

Bürgermeister Erhard Junghans, der am Wahlsonntag auf die Ergebnisse wartete, dauerte die Auszählung in Hundheim offensichtlich zu lange. Deshalb versuchte man, vom Külsheimer Rathaus in der „Außenstelle“ anzurufen. „Doch kein Wahlhelfer hörte das Klingeln“, erzählt Bischof lachend. Daraufhin schickte der Schultes eigens einen Boten nach Hundheim, um die Ergebnisse abzufragen. Der 65-Jährige: „Mit einem Handy wäre das heute kein Problem.“

Nicht lange überlegen musste Herbert Ochs, als er nach seiner Wahl zum Gemeinderat 1980 „mehr oder weniger gefragt wurde“, ob er als Wahlhelfer fungieren würde. „Das war für mich eine Selbstverständlichkeit“, betont der 71-Jährige. Und das ist es für ihn und für seinen „Kollegen“ auch heute noch.

„Die Kommunalwahl ist die Königin der Wahlen“, bringt es Bischof auf den Punkt. Denn bei dieser dürfen schon Jugendliche ab 16 Jahren wählen. Dadurch steige wiederum die Zahl der Wahlberechtigten. „Die Jugend ist eigentlich ganz gut vertreten“, spricht Bischof dem Nachwuchs ein Lob aus. „Die Erstwähler machen von ihrem Wahlrecht Gebrauch“, weiß auch Herbert Ochs.

Bevor die Bürger am 26. Mai ab 8 Uhr ihre Stimmen abgeben können, haben die Wahlhelfer einiges zu tun. „Dann muss alles vorbereitet und die Bundesflagge draußen sein“, erklärt Günter Bischof. Es gilt, das Wahllokal zu kennzeichnen und mit allen notwendigen Utensilien auszustatten.

Eine besonders wichtige Aufgabe kommt dem jeweiligen Wahlvorstand zu. „Er hat dafür zu sorgen, dass es zu keiner Beeinflussung der Wähler, etwa durch zu nah am Wahllokal aufgehängte Plakate der Kandidaten, kommt. „Man muss darauf achten, dass man nicht angreifbar ist“, betont Bischof. Deshalb hat der frühere Hauptamtsleiter an jedem Wahltag-Morgen seine Runden um die Wahllokale in der Kernstadt und in allen Ortschaften gedreht. Dabei ist es zwei, drei Mal vorgekommen, dass er Plakate abhängen musste.

Stoßzeiten, die es früher gab, als die Wähler nach dem Kirchgang ins Rathaus strömten, habe man heutzutage kaum noch, sind sich die Senioren einig. Doch nicht nur bei der Stimmabgabe der Bürger ist die volle Aufmerksamkeit der Wahlhelfer gefordert.

Bei der anschließenden Auswertung haben sie ein wachsames Auge darauf, ob ein Votum rechtmäßig ist. So können auf einen Wahlzettel geschriebene Bemerkungen dazu führen, dass dieser ungültig ist. „Blöde Bemerkungen oder Beleidigungen“ sind Herbert Ochs und Günter Bischof schon einige untergekommen. Dazu zählen beispielsweise „Angeber“, „Lügner“ oder der Zusatz „Alle Gemeinderäte sind Rindviecher“. Mancher machte sich sogar die Mühe, solch eine „Anmerkung“ quer über den Stimmzettel zu schreiben. Eine Stimme habe er dann aber nicht vergeben, erinnert sich Ochs.

Zurückblickend findet es Bischof gar nicht so schlimm, dass es in einem Wahllokal früher nur einen Festnetzanschluss gab. „Da hat schon niemand gestört.“ Geändert hat sich auch die öffentliche Auswertung der Stimmzettel. Während die auf die Kandidaten verteilten Stimmen heutzutage in den PC eingegeben werden, wurden diese früher per Hand in Zähllisten eingetragen. Egal wie – bei beiden Methoden sind volle Konzentration und Ruhe gefragt. Das gilt vor allem, wenn bei der Auszählung „einmal der Wurm drin ist“. Bei allem laute die Devise: „Genauigkeit vor Schnelligkeit.“

„Das Ganze ist eher eine sehr nüchterne Angelegenheit“, bewertet Herbert Ochs die Tätigkeiten eines Wahlhelfers. „Aber die Stimmung ist nicht todernst“, ergänzt Günter Bischof lachend.

Beide fungieren gerne als Wahlhelfer. Herbert Ochs: „Es ist immer schön, wenn man gefragt wird und etwas für die Sache tun kann.“ Auch für Günther Bischof ist es „eine Selbstverständlichkeit, das Ehrenamt auszuüben.“ Denn „das ist man seiner Gemeinde schuldig“. Beide sind überzeugt: „Man darf nicht nur fordern, man muss auch etwas tun.“