Külsheim

Verkehrswacht Main-Tauber Für zahlreiche Biker in der Region beginnt jetzt wieder die Motorradsaison

Ein Sicherheitstraining minimiert die Gefahren

Archivartikel

Dieser Tage beginnt für viele Biker die Motorradsaison. Doch einfach draufsetzen aufs Bike und losfahren – das gilt für einen verantwortungsvollen Fahrer nicht.

Külsheim. Diverse Vorbereitungen sind nötig, manche nehmen an einem Sicherheitstraining teil. Die Verkehrswacht Main-Tauber bietet solch zertifizierte Veranstaltungen an. Die erste ihrer Art in diesem Jahr war am Samstag in Külsheim auf einem abgesperrten Trainingsplatz in der Siemensstraße in der vormaligen Kaserne im jetzigen Gewerbepark II.

Der Winter zieht sich langsam zurück, es zwitschert in der Natur schon am frühen Morgen, die Biker warten auf schöne Frühlingstage für die erste Ausfahrt mit dem Motorrad. Der Check des motorisierten Zweirades inklusive Großputz gelingt meist prächtig. Für den im Winter eventuell etwas eingerosteten Biker helfen Dehnübungen sowie ein Fitnessprogramm.

Für die sichere Beherrschung des Motorrads als Grundlage einer jeden Ausfahrt jedoch braucht es etwas mehr. Ein Biker benötigt eine fundierte Koordination beim Einsatz von Kupplung und Schaltung, von Hand- und Fußbremse, natürlich ein gutes Gefühl für Gleichgewicht und ein feines Gespür für das individuelle Fahrverhalten seiner Maschine. Diese Fähigkeiten waren wohl zum Ende der letzten Saison meist intuitiv abrufbar, sind dies aber im Frühjahr nicht immer gleich.

Jeder Biker muss erst wieder eins werden mit Leistung und Größe des Motorrads, mit der Bedeutung äußerer Einflüsse aufs Fahrverhalten. Auch hier macht die Übung den Meister. Eine gute Vorbereitung wie auch Trainingseinheiten helfen, dass Mensch und Maschine schneller wieder zueinanderfinden, um sicher in die Motorradsaison starten zu können. Bei Sicherheitstrainings kann jeder Biker unter professioneller Anleitung grundlegende Fahrmanöver ausprobieren, individuelle Korrekturen erfahren, wertvolle Tipps mitnehmen.

Sechs Teilnehmer

Mit diesen Gedanken im Hinterkopf, trafen sich in Külsheim sechs Teilnehmer unter der Leitung von Motorrad-Sicherheitstrainer Uwe Vetter. Zusammengekommen war eine altersgemäß bunte Verteilung, mit dabei auch eine Frau. In einem Schulungsraum wurden grundlegende Dinge besprochen, dann ging es raus auf den abgesperrten Übungsbereich.

Am Anfang stand Aufwärmen für Mensch und Maschine. Die Übungseinheiten sind über den Tag verteilt „langsam fahren“, „bremsen“, „ausweichen“, „Kurven fahren“. Dazu gibt es spezifische und persönliche Tipps, Besprechungen im kleinen oder auch ganz kleinen Kreis. Die Atmosphäre ist zum einen sehr familiär, zum anderen deutlich dort, wo es um die Vermittlung von Informationen, möglichen Verbesserungen, Ratschlägen geht.

Auch bei den ersten Übungseinheiten auf dem „Langsamfahr-Parcours“ markieren Hütchen diejenigen Passagen, denen besondere Aufmerksamkeit geschenkt wird. „Geradeaus fahren“ auf einer schmalen Trasse und „Slalom fahren“, „rechter Winkel“ oder „die Acht“. „Wenden“ simuliert die Situation, falls man sich verfahren hat, oder sich in einem Wohngebiet bewegt, in dem es eng zugeht oder wo zugeparkt ist. Der Leiter des Sicherheitstrainings ist stets nahe an den Übenden, spricht Verbesserungen gleich an, gegen den Motorenlärm rufend wird es eben manchmal auch etwas lauter.

„Ich kenne die Maschine noch nicht so gut, weiß nicht genau, wie sie reagiert“, heißt es aus dem Kreis der Teilnehmer, „Kopf oben halten, damit der Blick oben ist“ oder „mehr die Schultern nach hinten“ aus dem Munde Vetters. Manchmal hilft Zeichensprache oder eine eindeutige Geste, die Tipps kommen sofort. Die Trainingsteilnehmer vernehmen vom Mentor jedoch auch ein aufmunterndes „Jawohl, trau’ dich“.

Bei dem Sicherheitstraining kann auch mal ein Hütchen überfahren werden, im Straßenverkehr indes sollte dies tunlichst nicht mehr passieren. Also werden die Übungen wiederholt, die Fehler nehmen nach und nach ab, die Sicherheit zu. Die gestiegenen Fähigkeiten der Einzelnen werden sichtbar, bei allen Mitstreitern wächst das Gefühl für das Motorrad, das Vertrauen in sich und die Maschine. Dies zeigt sich auch auf der anfänglich nassen Straße im schattigen Bereich des Trainingsgeländes, die Unsicherheiten ob der möglichen zusätzlichen Schwierigkeiten weichen allmählich. „Fast alles Kopfsache“ kommentiert Vetter.

Der Motorrad-Sicherheitstrainer zeigt, wie man das Motorrad auch im Langsamfahrt-Bereich in die Kurve legen kann, empfiehlt „nehmt den Oberkörper mit, dreht den Oberkörper dorthin, wohin ihr fahren wollt“. Die Unterschiede sind sichtbar, der Wendekreis wird kleiner. Allgemeiner Tenor sowohl bei den Übenden wie auch beim Sicherheitstrainer ist dies: „Es ist wichtig, Vertrauen zum Motorrad zu haben.“ Also wird weiter geübt und verfeinert an der Koordination beim Lenken und Manövrieren und an allem, was sonst noch wichtig ist, um wohl vorbereitet in die Motorradsaison zu starten.

Die Teilnehmerzahl bei solchen Sicherheitstrainings bei der Verkehrswacht Main-Tauber ist üblicherweise auf zehn begrenzt. Ansonsten lässt sich eine hinreichende Betreuung durch den Übungsleiter gar nicht gewährleisten. Diesmal mussten einige aus unterschiedlichen Gründen absagen. Vetter meint gar, die Anzahl von sechs Leuten sei eigentlich optimal, es gebe keine Wartezeiten und „dann ist auch immer etwas los“.

Günther hat seinen Führerschein für das Motorrad „Anno Domini“ gemacht, wie er augenzwinkernd einfließen lässt, ist bereits zum vierten Mal dabei, unterstreicht „ich komme gern“. Er habe „gemerkt, dass über den Winter die ganzen Reflexe, Bewegungen und so weiter wohl etwas eingerostet sind“. Einige Übungen helfen, unterstreicht Günther „und dann ist man wieder relativ schnell drin.“

Routine fehlt zunächst etwas

Thilo hat den Motorradführerschein seit sieben Jahren. Auch er stellt fest, nach dem Winter fehle es ihm etwas an Routine, zudem habe er ein neues Motorrad. Dieses wolle er bei diesem Sicherheitstraining besser kennenlernen, natürlich auch damit besser umgehen können. Er stellt heraus, dies könne er nun vor Ort in gesichertem Rahmen machen. Thilo ergänzt, der Hinweis, mit einer kleinen Gewichtsverlagerung den Wendekreis enger ziehen zu können, sei für ihn neu und „es hat sofort funktioniert“. Er lobt zudem die präzisen technischen Hinweise auf das, worauf ein Laie achten solle.

Sandra, sie ist mit Michael gekommen, erklärt, sie sei erst eine Saison gefahren, habe bereits schöne Touren gemacht. Sie wolle ihre persönliche Einschätzung des Motorrades verbessern, insgesamt Tipps zu besserer Fahrweise erlangen und damit an Sicherheit gewinnen. Michael, der den Motorrad-Führerschein zusammen mit Sandra im März 2017 gemacht hatte, meint, er wolle immer dazulernen, solange er ein Motorrad habe. Manches könne im Straßenverkehr nicht geübt werden, im Sicherheitstraining hingegen sehr gut. Insgesamt gelte, die Mechanik von Mensch und Maschine noch besser kennenzulernen.

Vetter erklärt, am Anfang der Motorradsaison seien die Autofahrer nicht mehr gewohnt, Motorradfahrer zu sehen. In dieser Zeit gebe es also auch einen Lernprozess für die Autofahrer ebenso wie einen solchen für die Motorradfahrer, sich an die Autofahrer zu gewöhnen. Alle sieben sind zusammen einer Meinung, dass Motorradfahrer manchmal für die Autofahrer mit denken müssen, vor allem auch, weil Motorradfahrer keine Knautschzone haben. Auf einem Sicherheitstraining aufbauend, könne solider entschieden werden, „was kann die Maschine und was kannst du selbst“.

Sebastian ist 18 Jahre, Niklas 17 Jahre jung, deren Eltern haben den beiden die Teilnahme an dem Sicherheitstraining geschenkt, auch wegen ihrer Sorge um die Sicherheit ihrer Sprösslinge. Sebastian betont, bei dem Sicherheitstraining kriege er mögliche Gefahren mit, wenn sein Motorrad von ihm nicht gut genug eingeschätzt werde. Was man hier lerne, könne nicht oft genug wiederholt werden, um es dann im Straßenverkehr richtig einsetzen zu können. Niklas benennt dazu speziell das intensive Bremsen.