Külsheim

Fußwallfahrt Über 700 Pilger aus dem Raum Fulda waren fünf Tage lang unterwegs / Letzte Station vor der Ankunft in Walldürn war in der Brunnenstadt

Gebete geben Kraft für weiteres Leben

Archivartikel

Bei der fünftägigen Fußwallfahrt von Fulda nach Walldürn waren wieder hunderte Gläubige unterwegs. Am Dienstag übernachteten die 735 „Fuller“ inklusive 38 Musikern in der Brunnenstadt.

Külsheim. Wie die Verantwortlichen sagten, machten sich die Pilger am Samstag zum 313. Mal am Samstag in Fulda auf den Weg. Diesen gehen sie betend und singend, plaudernd und schweigend. Walldürn erreichten sie am Mittwoch. Manche sind von Anfang bis zum Ende dabei, andere laufen nur einen Teil der Strecke mit.

Die Tagesetappe mit dem Zielort Külsheim begann bereits vor der morgendlichen Dämmerung in Un-terleinach (Landkreis Würzburg, Dann ging es durch einige bayrische Orte, ehe zur Mittagszeit in Neubrunn die Totenehrung stattfand. Weiter führte der Weg über Niklashausen bis zur Rast in Gamburg. Danach ging es den Kreuzweg hoch nach Uissigheim, um schließlich Külsheim zu erreichen.

Es war wieder beeindruckend, die lange Reihe der Pilger durch die weite Flur laufen zu sehen. Pfarrer Joachim Seraphin, eine Reihe von Ministranten und einige Külsheimer begrüßten die Wallfahrer am Lehnfeldweg auf deren letzten Metern hin zur Stadtkirche St. Martin. Die meisten Gastgeber empfingen die Besucher auf dem Schlossplatz.

Auch Külsheimer dabei

Unter den Pilgern waren auch ein halbes Dutzend Külsheimer. Einer von ihnen ist Kurt Kiesecker, seit 1996 ununterbrochen mit dabei. Zuvor hatte er nur ein einziges Mal an der Wallfahrt von Külsheim nach Walldürn teilgenommen. Danach traf Kiesecker bei einem Nachbarn einen „Fuller“, wie in Külsheim die Pilger aus Fulda genannt werden. Im nächsten Jahr ließ er sich auf die große Wallfahrt ein. Dazu schickte man dem „völligen Anfänger“ eine Liste mit Tipps, was vorbereitend alles zu tun und zu packen sei.

Kiesecker ist auch über zwei Jahrzehnte nach seiner ersten Wallfahrt von Fulda aus immer noch begeistert. Er erinnert sich gerne daran, wie er schon beim ersten Mal sofort überall gut aufgenommen worden ist. Irgendwann habe er eher beiläufig erwähnt, evangelischen Glaubens zu sein. Eine Antwort darauf:: „Macht nichts. Hauptsache, du be-nimmst dich anständig.“

Wenn die Wallfahrer in Külsheim eintreffen, nimmt der Külsheimer immer mindestens zwei Gäste auf, „fast immer sind es dieselben“. Unterwegs hatte er bald einen der Lautsprecher getragen. Und seit etwa einem Jahrzehnt trägt er – nach entsprechend sorgfältiger Einweisung – von Gamburg aus die „Fulda-Fahne“ nach Külsheim.

Nach der Fragte nach dem Grund für seine Wallfahrt-Teilnahme gefragt, sagt Kiesecker, er habe es seinem Schwiegervater versprochen, als dieser ziemlich krank war. Nun hofft er, auf jeden Fall seine 25. Wallfahrt mitlaufen zu können. Er will aber danach noch weiter mitpilgern, solange es für ihn ohne Beschwernisse gehe. Es mache ihm auch nichts aus, meint Kiesecker schmunzelnd, wenn er inzwischen nach der Wallfahrt eine Woche Erholung brauche.

Freude und Stärkung

Pfarrer Seraphin sprach in der Kirche davon, dass es für die Külsheimer sowohl eine Freude wie auch stärkend sei, die Wallfahrer zu sehen. Die Gebete und Fürbitten zielten darauf ab, den weiteren Weg nach Walldürn sowie jeden weiteren Tag des Lebens zu unterstützen. Die Wallfahrer mögen weiterhin unterwegs Menschen kennenlernen, die mit ihnen brüderlich verbunden seien. Das „Vater unser“ erklang aus mehr als 1000 Kehlen, denn die vor der Kirche wartenden Gastgeber beteten mit. Der Pfarrer betonte, es lohne sich immer, auf Wallfahrt zu gehen.

Gerhard Dehler sprach für die t zahlreichen Wallfahrer. Er dankte für den Tag, für den Empfang in Külsheim und für liebenswürdige Gastgeber. Den Abend verbrachten die Wallfahrer bei diesen in der näheren und weiteren Umgebung. Die Nacht war kurz, denn schon um 4 Uhr ging es auf die letzte Etappe nach Walldürn. Dort zogen die Pilger in die Basilika ein und feierten mit Erzbischof Dr. Ludwig Schick aus Bamberg als Hauptzelebrant ein Pontifikalamt.