Külsheim

Vor 100 Jahren Vortrag der Reihe „Külsheimer Geschichte – Külsheimer Geschichten wiederholt

Geschichte zu Tage gefördert

Külsheim.„Külsheim vor 100 Jahren … 1918 – Kriegsende und die Zeit danach“, lautete der Titel eines Vor-trags in der Reihe „Külsheimer Geschichte – Külsheimer Geschichten“. Heimatforscher Hans-Peter Wagner beleuchtete die Umstände der Zeit mit reichlich schriftlichen Archivalien sowie Bildern aus verschiedenen Quellen.

Gekommen waren knapp zwei Dutzend Besucher, vor drei Wochen hörten beim gleichen Vortrag bereits gut 50 Interessierte zu. Stadtrat Alfred Bauch stellte Wagner als Jemanden vor, der sich schon in andere Themen vertieft habe und aus verschiedenen Archiven schöpfend immer wieder Neues aus der Külsheimer Geschichte zu Tage fördere.

Zahlreiche Quellen

Der Referent nutzte Ausdrucke aus 1918 und ’19, aktuelle Zeitungen, Informationen aus den alten Rechnungsbüchern der Stadt sowie Bilder aus Sammlungen und Zeitschriften von 1918. Der Einstieg gelang über die Inhalte einer exakt 100 Jahre alten lokalen Zeitung.

Laut Rechnungsbuch von 1918 „befinden sich in hiesiger Gemeinde 1553 Seelen, dazu in Wolferstetten 56 Seelen“. Es war dort auch zu lesen, der Rechner könne die „Stellung der Rechnung“ nicht leisten, sei er doch bereits „seit November 1915 zu Heeresdiensten einberufen“. Der Vortrag führte chronologisch und mit vielen Bildern ab dem Mobilmachungsbefehl im Jahr 1914 zur Situation 1918, die der Heimatforscher in vielen Bereichen als regionsübergreifend ähnlich bezeichnete.

Dokumente zur Versteigerung des Schafspferchs, zur Einzugsliste der Holzmacherlöhne oder der Forderungszettel für den Leichenschauer wiesen aus, dass in Külsheim anno 1918 vieles wie in „normalen“ Jahren abgelaufen sei, natürlich unter den besonderen Rahmenbedingungen eines Krieges.

Die Schulgeld-Einzugsliste nannte 299 in Külsheim schulpflichtige Kinder zwischen sechs und 14 Jahren – über 18 Prozent der gesamten Bevölkerung. Auch hier hielt der Referent speziell Ausschau nach Verwandten wie nach seinem eigenen Großvater mütterlicherseits und vermittelte, dass solche Archivalien Fundgruben für Familienforscher sein können.

Schulgeld und Rechnungen

Man erfuhr, dass die Familie von Karl Josef Adelmann für das älteste Kind Thekla 3,20 Mark Schulgeld zahlte und bei einer Sammlung zwei Pfund Fett im Gegenwert von zusammen 4,80 Mark ablieferte, so wie dies über 150 andere Külsheimer Haushalte nachweislich auch taten.

Mehrere Rechnungen beschäftigten sich mit einem Farren, den die Gemeinde hatte notschlachten müssen. Dieser habe „abzüglich fünf Prozent“ 1729 Pfund gewogen und die Gemeinde habe die 77 Pfund schwere Haut in Heidelberg für 154 Mark gerben lassen, um den Holzmachern Sohlen zur Verfügung zu stellen.

Die Abfälle aus der Farrenhaut wurden unter den örtlichen Schuhmachern verlost. Der Bürgermeister und ein Gemeinderat waren extra nach Mosbach gegangen, um einen „aus der Schweiz eingeführten Farren“ abzuholen. Solche anekdotisch anmutenden Informationen blieben in der Minderheit.

Unterstützung für Familien

Spannend war die umfangreiche Listung bezüglich der „Unterstützungen für Familien in den Dienst eingetretener Mannschaften“. Anno 1918 gab es in Külsheim insgesamt 213 Empfangsberechtigte wie Ehefrau, Eltern, Vater und Mutter. Also waren zu der Zeit 213 Külsheimer Männer im ersten Weltkrieg. Auch Wagners Großvater befand sich darunter, seiner Zeit 39 Jahre alt. Ein Aktenvermerk kurz vor Ende des ersten Weltkrieges lautete so: „Der Gemeinderat hat beschlossen, für die achte Kriegsanleihe 15 000 Mark zu zeichnen. Das Geld hierfür soll auf der hiesigen Vorschusskasse geliehen werden.“

Eine andere Notiz beleuchtet eine Ehrung der zurück gekehrten „Krieger“ sieben Tage nach dem Waffenstillstand. Sie bekamen bei einem Empfang von der Stadt Bier, Zigarren und Zigaretten.

Eine allgemein schlechte Zeit

Weitere Zeitungsausschnitte aus den Monaten nach Kriegsende machten bewusst, dass an allem Mangel herrschte. Parallel dazu hatte sich in Külsheim und der Region politisches Leben neu entwickelt. Wagner bilanzierte das Thema „Külsheim vor 100 Jahren“ mit „75 Gefallene und Vermisste“ und „eine insgesamt schlechte Zeit, egal ob im oder nach dem Krieg“.

Der Vortrag wurde mit Beifall bedacht. Bauch regte an, der Heimatforscher möge seine Erkenntnisse der Allgemeinheit in gedruckter Form zur Verfügung stellen. hpw