Külsheim

Besondere Einsatzübung Bergwacht-Mitglieder und Helikopter-Besatzungen der Bundeswehr trainieren Rettung von in unwegsamem Gelände verunglückten Personen

Helfer und Piloten leisten Maßarbeit

Ein in 20, 30 Meter Höhe über dem Boden schwebender Hubschrauber. An einem Seil werden zwei Personen nach oben gezogen. Die Übung fordert von allen Beteiligten volle Konzentration.

Von unserem Redaktionsmitglied

Susanne Marinelli

Wolferstetten. Ein Verletzter in einem schwer zugänglichen Gelände braucht dringend Hilfe. Die Retter werden per Hubschrauber punktgenau zum Unglücksort geflogen. Solch eine Meldung hat sicherlich schon jeder einmal gehört.

Beliebt sind solche Szenen auch in Filmen. Darin geht es aber oft theatralisch zu, hektisch wird mit Gerätschaften hantiert. Oder – das ist das andere Extrem – es sieht ganz einfach aus. Mit der Realität hat das „nur wenig zu tun“, sind sich Mitglieder der Bergwacht-Regionen Bayerwald und Rhön/Spessart einig.

Auch Major André Louis nickt. Er ist einer der Piloten der SAR-Einsatzgruppe der siebten Staffel des Transporthubschrauberregiments 30. Der Soldat und einige seiner Kollegen haben mit den ehrenamtlichen Rettern, zu denen auch Helfer der Bergwacht Garmisch-Partenkirchen gehörten, an zwei Tagen auf dem Standortübungsplatz in Wolferstetten mit zwei Hubschraubern trainiert.

Immer einsatzbereit

Die Buchstaben „SAR“ stehen für die englischen Begriffe „Search and Rescue“, auf Deutsch „Suchen und Retten“. Neben ihren militärischen Aufgaben unterstützt die Staffel zivile Rettungsmissionen in Deutschland. „Unser Primärauftrag ist die Suche nach vermissten oder zeitlich überfälligen Luftfahrzeugen, vom A 380 bis zum Gleitschirmflieger“, erklärt Louis im Gespräch mit den FN. Die Staffel sei immer einsatzbereit, jeweils zwei Piloten im Bereitschaftsdienst 24 Stunden vor Ort. Louis: „Die schlafen neben dem Helikopter.“

Wenn keine zivilen Rettungshubschrauber verfügbar seien oder nachts nicht fliegen können, werde man zu Einsätzen außerhalb der Bundeswehr gerufen. Und dabei könne es wiederum „ zu Situationen kommen, in denen wir die Unterstützung der Bergwacht brauchen“, verdeutlicht der Soldat die Verzahnung der Einsatzkräfte.

Für das gemeinsame Training werden die „normalen Übungsflüge“ der SAR-Staffel genutzt. Von der realitätsnahen Weiterbildung profitieren beide Seiten, bestätigen der Pilot und die Bergwacht-Ausbilder. Das „bringt den Piloten mehr“, als den 80 Kilogramm schweren Windenlastensack „hoch und runter zu wuchten“.

Die Bergwacht-Mitglieder wiederum sind vom Terrain begeistert. Auf der großen Fläche mit unterschiedlicher Topographie ist es möglich, verschiedene Einsatzszenarien zu üben. Für die Bergwacht ging es diesmal unter anderem darum, die Kommunikation per Handzeichen zu verfestigen, wie Roland Denk, stellvertretender Koordinator der Region Bayerwald, erklärt. Wenn nämlich ein Hubschrauber direkt über einem fliegt, ist eine sprachliche Verständigung kaum möglich. Ebenfalls im Fokus stand der Einsatz der Winde. Mit der wurden am Seil ein Helfer samt Luftrettungsbergesack oder zwei Personen gleichzeitig nach oben in den Hubschrauber gezogen beziehungsweise aus diesem abgeseilt. Christian Eiglmeier von der Regionalgeschäftsstelle Bayerwald sieht die Übung auch als gute Möglichkeit, Bergwacht-Anfänger, „die noch nie in einem Helikopter gesessen sind“, an das reale Einsatzgeschehen heranzubringen. Schließlich sei das Gefühl im „Heli“ doch anders als im Simulator, meinte er angesichts der Vibrationen und des Lärms bei laufendem Rotor. Beeindruckend ist auch der Druck, mit dem die Rotoren die Luft auf den Boden drücken.

„Das alles macht Spaß“, bekennt Bergwacht-Mitglied Robert Heinrich und betont: „Man hat auch was zu schaffen.“ An dem Training teilnehmen zu dürfen, sieht er als eine Art Belohnung für den ehrenamtlichen Einsatz. Entsprechend gehen er und seine Kameradinnen und Kameraden motiviert zur Sache.

Das gilt genauso für die Hubschrauber-Besatzungen. Imposant sieht es aus, wenn sie ihre Maschinen in luftiger Höhe oder nur wenige Meter über dem Boden auf einer Stelle halten. „Das ist Schwerstarbeit“, betont Major Louis. Denn auf freier Fläche fehlten den Piloten Bäume oder Gebäude als Höhenreferenz. Einkalkulieren müssen sie zudem Gewichtsverlagerungen beim Hochziehen oder Hinablassen der Rettungskräfte oder wenn diese in den Helikopter einsteigen.

Viel Handarbeit

Von den beiden SAR-Piloten ist dabei noch viel Handarbeit gefordert. Denn ihre Helikopter des Typs Bell UH1D sind teilweise schon 50 Jahre alt und verfügen noch nicht über einen Autopiloten. Eine wichtige Aufgabe an Bord erfüllt der Luftrettungsmeister, ein Notfallsanitäter mit der Zusatzqualifikation für den Einsatz im Hubschrauber. Denn, so Louis: „Wenn ich fliege, sitzt der Heckrotor 16 Meter hinter mir.“ Mangels Rückspiegel öffnet der per Gurt gesicherte Luftrettungsmeister die Tür des Helikopters, behält den Heckmotor genau im Auge und informiert den Piloten über Abstände zu Bäumen oder Felsen. Und dann muss noch die Winde bedient werden, damit die Bergwacht-Retter mit und ohne Patienten am Seil sicher nach oben oder unten schweben können.

Dafür gibt es viel Lob von Heinrich, der damit sicher auch für seine Kollegen spricht: „Die Besatzungen halten die Hubschrauber ganz ruhig und bedienen die Winde gut.“