Külsheim

Recycling Külsheimer Kommune verwendet Abbruchmaterial ehemaliger Kasernengebäude für die Sanierung von Feldwegen / Hohe Qualität

Nachhaltig und kostengünstig für die Stadt

Abbruchmaterial zu entsorgen, kostet viel Geld. Die Stadt Külsheim spart sich diese Ausgaben. Sie lässt Steine und Beton zu Schotter verarbeiten, mit dem sie beispielsweise ihre Feldwege ausbessert.

Külsheim. Drei Unterkunfts- und ein Wirtschaftsgebäude samt jeweiligem Keller wurden auf dem Gelände der ehemaligen Prinz-Eugen-Kaserne abgerissen. Angefallen ist dabei tonnenweise Abbruchmaterial, das den gesetzlichen Bestimmungen entsprechend getrennt nach Glas, Kunststoff, Metallen und Legierungen, Betonteilen, Ziegeln, Fliesen und Keramik entsorgt werden muss.

Günstigere Lösung

Für die Deponierung des gesamten Malerials hätte die Kommune viel Geld bezahlen müssen, blicken Bürgermeister Thomas Schreglmann und Bauamtsleiter Heiko Wolpert im Gespräch mit den FN zurück. Deshalb machte man sich Gedanken über eine günstigere Entsorgungsmöglichkeit. Schreglmann: „Unser Ziel war es, das Material wieder zu verwenden.“ Dies „ist auch Staatsziel“, betont der Rathaus-Chef mit Blick auf das Abfallgesetz des Landes Baden-Württemberg.

Das „Zauberwort“ für die Külsheimer hieß deshalb Recycling. Und schnell war auch klar, wo das „Altmaterial“ verwendet werden kann: für die Reparatur der Feldwege im gesamten Stadtgebiet. „Unsere Liste an Wegen, die Landwirte und Forstwirtschaft saniert haben wollten, war lang“, so Schreglmann. Insgesamt belief sich diese Strecke auf über 30 Kilometer, ergänzt Wolpert.

Für die Sanierung der Wege hätte die Kommune normalerweise den benötigten Schotter einkaufen müssen. Nun aber kam das benötigte Material „aus heimischer Produktion“.

Mitarbeiter der auf Gebäudeabbrüche spezialisierten Firma Indurec (Weinheim) bauten monatelang aus den zum Abriss bestimmten Gebäuden Türen sowie Fenster aus und sortierten aus dem Abbruchmalerial Holz- und Betonteile, Kabel, Rohre, Glaswolle, Bodenbeläge und Fliesen aus.

Die akribische Trennung der verschiedenen Stoffe war nötig, um die Eingruppierung des Recyclingmaterials in die gewünschte höchste Zuordnungsklasse Z 1.1 nach dem Dihlmann-Erlass (Körnung bis 45 Millimeter und frostschutztauglich) zu erreichen. „Das war unsere Vorgabe, damit wir das Material wieder voll umfänglich verwenden und auch veräußern können“, so der Bürgermeister.

Wie der Bürgermeister und Bauamtsleiter hervorheben, wurde das gesamte Projekt mit dem Umweltschutzamt des Landkreises von Beginn an abgesprochen.

Den Abbruch der Gebäude begleitete ein Ingenieurbüro. Dessen Geologe zog beim Schreddern des Materials verschiedene Proben. Diese wurden im Fachlabor auf Inhaltsstoffe wie etwa Blei, Arsen, Zink oder Kohlenwasserstoffe, aber auch auf ihre elektrische Leitfähigkeit untersucht. Schreglmann: „Wir lagen immer unter den Grenzwerten.“ Naturschotter sei bei manchen Werten schlechter als Recyclingmaterial. Und „hier ist alles lückenlos nachvollziehbar“, betont Wolpert. Das recycelte Material sei so unbedenklich, dass es sogar in Wasserschutzgebieten eingebaut werden dürfe.

Tonnenweise Material

Am Ende der Arbeiten hatte die Firma Indurec aus den vier Gebäuden 17 600 Tonnen Recyclingmaterial hauptsächlich der Zuordnungsklasse Z 1.1 und etwa 4800 Tonnen Vorsiebmaterial gewonnen. Hätte die Stadt den ganzen Schutt entsorgen müssen, wären dafür nach Berechnungen Wolperts 305 000 Euro fällig geworden. Eine Tonne neuen Schotters in gleichwertiger Qualität hätte wiederum zwölf Euro gekostet. Hochgerechnet auf die insgesamt 22 400 Tonnen ergibt dies den – eingesparten – Kaufpreis von 268 000 Euro.

Mittlerweile wurden Feldwege auf einer Strecke von insgesamt rund 24 Kilometer saniert. Das haben die Firmen May (Steinfurt) und Goldschmitt (Steinbach) „super gemacht“, sind die Rathaus-Verantwortlichen voll des Lobes. Auf 1,2 Kilometern kam dabei das Wege- und Instandhaltungsgerät des Maschinenrings Süd aus Crailsheim erstmals auf Külsheimer Gemarkung zum Einsatz.

Dieses vermischt das Untergrundmaterial mit dem neu aufgebrachten Schotter und verdichtet das Ganze zu einer Oberfläche. Mit dem Gesamtergebnis sind Schreglmann und Wolpert sehr zufrieden.

Einsparungen

Durch die Wiederverwendung des Recycling-Materials konnte die Kommune die Kosten für die bisherige Wege-Instandsetzung auf zirka 34 000 Euro reduzieren. Bei einer herkömmlichen Sanierung wäre die Summe um rund ein Drittel höher gewesen, ist Wolpert überzeugt. Auch die Entsorgung müsse man nun nicht im Haushalt finanzieren. Das Geld könne man für andere Dinge verwenden, freut er sich.

Angesichts der erfolgreich verlaufenen Aktion steht für den Bürgermeister fest, dass auch in den nächsten Monaten Wege auf diese Art und Weise repariert werden sollen.

Zudem kann das Material bei städtischen Baumaßnahmen wie etwa Straßensanierungen verwendet werden, „damit unsere Kosten geringer ausfallen“. Die Kommune bietet außerdem Bauherren an, das Auffüllmaterial zu verwenden. Auskünfte dazu, so Schreglmann, erteilt das Bauamt.

Dessen Leiter ist überzeugt, dass die Kommune durch die Verwendung der recycelten Stoffe „im Sinne der Nachhaltigkeit handele. Wolpert: „Jeder spricht davon. Wir haben es jetzt auch umgesetzt.“