Külsheim

Tätowieren für den guten Zweck Beim „SoulDogs Day“ im „Electric Hellfire Tattoo“-Studio von Klaus Weber sind alle Einnahmen für den Tierschutz bestimmt

Soziales Engagement geht unter die Haut

Den Beweis für sein soziales Engagement ein Leben lang auf der Haut tragen: Das können alle, die sich am Samstag, 16. Juni, beim „SoulDogs Day“ in Külsheim ein Tattoo stechen lassen.

Külsheim. Tätowieren für einen guten Zweck: So lautet die Devise der „SoulDogs Days“. Der in diesem Jahr bereits sechste Aktionstag dieser Art findet am Samstag, 16. Juni, von 10 bis 18 Uhr im Studio „Electrik Hellfire Tattoo“ des Külsheimers Klaus Weber statt. Bei der von der „SoulDogs Crew“ der „Inksiders Germany“, einem deutschlandweit tätigen Verein von Tätowierern, organisierten Veranstaltung wird für den Tierschutz Geld gesammelt.

„Jeder, der sich tätowieren lassen will, kann einfach reinkommen, ganz ohne Termin“, erklärt Weber im Gespräch mit den FN. Der 36-Jährige wird an dem Tag bei seiner Arbeit von einigen Kollegen untertsützt. Mit dabei ist etwa Ingo Frost vom „Crazy Ink Tattoo“-Studio in Neuwied, der zu den Mitinitiatoren der „SoulDogs Days“ gehört. Auch „Inksiders“-Mitgründer Jacky Reiss hat zur Freude von Weber sein Kommen zugesagt. Ihr gemeinsames Ziel ist es, am 16. Juni in Külsheim möglichst vielen Kunden deren Wunsch-Tattoo stechen zu können. Denn jeder Euro, der beim „SoulDogs Day“ eingenommen wird, zählt.

Auch Zuschauer willkommen

Wie der Studio-Besitzer sagt, kommen nicht nur die Einnahmen der Tätowierer ohne Abzüge dem guten Zweck zugute. Auch alles, was durch den Verkauf von Essen und Getränken in die Kasse kommt, lande dank Sponsorings auf dem Spendenkonto. Weber: „Zuschauer sind gerne willkommen, auch nur zum Essen.“ Die Größe der Tattoos, die während der Aktion gestochen werden und mit 30 bis 90 Euro zu Buche schlagen, ist auf maximal rund neun Quadratzentimeter beschränkt. Großflächigere Tätowierungen benötigen mehr Zeit, weiß der Experte.

Wie er erzählt, hat er schon als Kind gerne gemalt und mit Bleistift gezeichnet. Das wusste auch ein Freund von ihm. Der bat den Külsheimer, seine Tattoos nachzuarbeiten. „Das hatte ich aber noch nie gemacht“, blickt der gelernte Schlosser schmunzelnd zurück. Sein Kumpel besorgte ihm eine professionelle Tätowier-Maschine, und Weber begann mit dem Üben.

Trainiert wurde hauptsächlich an Bananen und Orangen. „Die haben eine schöne Schale, da bekommt man ein Gefühl für die Nadel“. Danach verfeinerte er seine Technik, indem er auf Kunsthaut tätowierte. „Und dann kam mein Kumpel an die Reihe“, blickt Weber lachend zurück. Sein Freund „ist heute noch bei mir Kunde“, ist er stolz.

Offen gibt er zu, dass er das ein oder andere seiner „Erstlingswerke“ später noch einmal überarbeitet hat. Denn: „Man wird mit der Zeit besser, bekommt ein Auge fürs Detail und stellt irgendwann höhere Ansprüche an sich selbst.“ Und: „Man sieht, wenn man Blödsinn gemacht hat.“

Über Routine verfügt der 36-Jährige inzwischen auf jeden Fall. Immerhin ist er seit zwölf Jahren, davon zehn Jahre mit eigenem Studio, als Tätowierer im Geschäft. Seine Entscheidung, seinen Schlosser-Job an den Nagel zu hängen, hat er nach eigenem Bekunden bislang nicht bereut. Denn: „Wenn man tätowieren will, dann hundertprozentig und nicht halbherzig.“

Klaus Weber richtet sich bei den Motiven für die von ihm gestochenen Tattoos natürlich nach den Wünschen seiner Kunden. Doch viele von ihnen verlassen sich auf seine Kreativität. Nicht jeder hat genaue Vorstellungen davon, wie sein künftiger Körperschmuck aussehen soll.

Das macht dem Külsheimer aber nichts aus, zumal er in der Tattoo-Szene für seine Freihand-Arbeiten bekannt ist. Dabei malt er das Motiv ohne Vorlage direkt auf die Haut. „Das finden viele interessant, und es ist individuell“, sagt er. Zu seinen Lieblingsmotiven zählen Schädel und „Horrorgeschichten“ oder Wildtiere. Aber mit der gleichen Liebe zum Detail verewigt er auch die klassische Rose oder Schriftzeichen.

„Eigentlich bekommt man alles bei mir“, denkt Weber laut nach, um seine Feststellung sogleich einzuschränken: „Bei blöden Ideen schreite ich ein.“ Als Beispiel nennt er ein 18-jähriges Mädchen, das sich ein „dickes Tattoo“ auf dem Hals wünscht. So etwas lehne er ab, betont der 36-Jährige. Grundsätzlich gelten in seinem Studio außerdem folgende Regeln: Tattoos gibt es erst ab 18 Jahren und Finger-Tattoos erst für Kunden ab 25 Jahren.

Die Werbung für sein Metier trägt Weber auf seiner eigenen Haut. „Je mehr Tattoos man hat, umso mehr freie Stellen entdeckt man an sich“, weiß er aus eigener Erfahrung. Und egal wie sehr jemand gelitten habe, nach dem Tätowieren denke so mancher schon über sein nächstes Tattoo nach.

Seine bislang längste Sitzung mit einem Kunden habe acht Stunden lang gedauert. Durchschnittlich dauere eine solche etwa vier Stunden. Weber: „Dann haben die meisten die Nase voll. Die Haut ist gereizt und geschwollen.“ Hält jemand nicht so lange durch, werde abgebrochen und das Tätowieren später fortgesetzt.

So unterschiedlich wie die Motive, die Weber in die Haut sticht, sind auch seine Kunden. Junge Erwachsenen oder auch 70-Jährige hat er schon mit seinen Kunstwerken geschmückt.

Bei jungen Leuten seien Drachen oder Schriftzüge beliebt, plaudert er aus dem „Nähkästchen“. Frauen mögen es eher bunt, Männer schwarz-grau. Insgesamt gehe der Trend hin zu großflächigen Tattoos. Was das Durchhaltevermögen betreffe, „sind Frauen härter im Nehmen“.

Doch: „Das Ganze ist gar nicht schlimm, alles ist auszuhalten“, stellt Klaus Weber beim Blick auf seine eigenen Tattoos im nächsten Atemzug beruhigend fest. „Das Schlimmste am ersten Tattoo ist das Geschwätz anderer Leute.“