Landwirtschaft und Natur

Tagung in Würzburg Der Anbau der Pflanze hat besonders viel Potenzial

Bedeutung der Sojabohne wird weiter zunehmen

Der Anbau der Sojabohne in Deutschland hat viel Potenzial und wird weiter zunehmen.

Dafür sorgen unter anderem eine stetig wachsende Nachfrage, ein verbessertes Anbau-Know-how und neue Sorten durch verstärkte Züchtungsanstrengungen.

Das war das Fazit der beteiligten Experten auf der Sojatagung 2018, zu der die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) und die Landesvereinigung für den ökologischen Landbau in Bayern (LVÖ) Ende Oktober nach Würzburg gerufen hatten. Mit 160 Teilnehmerinnen und Teilnehmern war die Veranstaltung komplett ausgebucht.

Im Mittelpunkt stand das Soja-Netzwerk, das vor fünf Jahren startete und im Rahmen der sogenannten Eiweißpflanzenstrategie des Bundeslandwirtschaftsministeriums finanziert wird. Ziel der Strategie ist es, den Anbau der Sojabohne durch praxisnahe Forschung, Beratung und ein bundesweites Netz aus Demonstrationsbetrieben zu unterstützen. Koordiniert wird das Soja-Netzwerk von der LfL und weiteren Verbundpartnern.

Dr. Jürgen Recknagel, Geschäftsführer des Sojaförderring, verwies auf den starken, flächenmäßigen Zuwachs im deutschen Sojaanbau. So wurde 2018 auf knapp 24 000 Hektar Soja angebaut, ein Zuwachs von knapp 25 Prozent gegenüber 2017.

Neben guten Erträgen in den Vorjahren und einer stetig wachsenden Nachfrage nach regionaler Soja, besonders nach Bioware, führte Recknagel den Aufschwung auch auf die Eiweißinitiativen einzelner Bundesländer und des Bundes zurück. Auch das zunehmende Anbau-Know-how durch die Aktivitäten des Soja-Netzwerks und die verbesserte Infrastruktur für die Aufbereitung und Verarbeitung haben laut Recknagel maßgeblich zur Ausweitung des Anbaus beigetragen.

Einen wichtigen Beitrag leistet die Eiweißpflanzenstrategie des Bundes nach Einschätzung von Dr. Christine Riedel von der LfL auch durch die finanzielle Unterstützung von Züchtungsprojekten. Denn neue Sorten mit hohen Erträgen und Proteingehalten bei früher Abreife seien besonders wichtig, um den heimischen Anbau weiter voranzubringen.

Zudem stellte sie ein aktuelles Forschungsprojekt der LfL vor. Dabei wurden seit 2015 mehrere vielversprechende Zuchtstämme mit den erwünschten Eigenschaften selektiert. Die Stämme seien bereits beim Bundessortenamt angemeldet, sodass sie bei erfolgreicher Prüfung in zwei bis drei Jahren als neue Sorten verfügbar sein könnten.

Lukas Wolf von der LfL stellte in seinem Vortrag Zahlen zur Rentabilität des Sojaanbaus vor. Basis waren die Daten von 115 ökologischen und konventionellen Betrieben aus dem Soja-Netzwerk.

Wolf betonte, dass die mittleren Erträge im Erhebungszeitraum von 2014 bis 2017 in beiden Bewirtschaftungsformen gestiegen seien und führte dies auf das wachsende Anbau-Know-how der Betriebsleiter zurück. Mit Deckungsbeiträgen von bis zu 1400 Euro/Hektar rechne sich Soja vor allem für Biobetriebe. Damit sei die Sojabohne fast allen anderen Ökokulturen wie Winterweizen oder Ackerbohne überlegen. Im konventionellen Bereich ist die Konkurrenzfähigkeit dagegen weniger eindeutig.

Die Deckungsbeiträge von maximal 800 Euro/Hektar lägen hier unter denen von Raps und bei schwachen Erträgen auch niedriger als bei Winterweizen. Das Potenzial für einen wirtschaftlichen Sojaanbau ist aus seiner Sicht dennoch in beiden Produktionsformen gegeben.

In der abschließenden Podiumsdiskussion waren sich die beteiligten Fachleute einig, dass der heimische Sojaanbau bereits ein gutes Stück voran gebracht worden ist, der Forschungs- und Informationsbedarf aber auch in Zukunft weiterhin hoch sein wird. Für das Ziel, Soja in Deutschland weiter zu etablieren, sei aber bei allen Beteiligten eine echte Aufbruchsstimmung spürbar und eine große Bereitschaft zur Fortsetzung der engen Zusammenarbeit. ble