Landwirtschaft und Natur

Englischer Lavendel für den Garten Schon Queen Victoria war von der Pflanze so begeistert, dass sie als Trendsetterin ihrer Zeit einen wahren Boom auslöste

Bunte Vielfalt: Von Pastellviolett über Weiß bis Rosa

Weite lilafarbene Felder, aromatischer Duft, das Summen von Bienen, die von Blütenrispe zu Blütenrispe fliegen – die Provence und Lavendel gehören einfach zusammen. Was die wenigsten jedoch wissen: Tatsächlich handelt es sich bei den großflächig angebauten Halbsträuchern zumeist gar nicht um Echten Lavendel, sondern um Lavandin. Diese Pflanze ist eine natürliche, aber sterile Kreuzung des Lavandula angustifolia, wie der Echte Lavendel botanisch heißt, und dem Lavandula latifolia, also dem Breitblättrigen Lavendel.

Üppige Fülle

Aufgrund der üppigen Fülle an Rispen wird Lavandin großflächig in der Landwirtschaft angebaut, zum Beispiel für die Produktion von Duftstoffen und Öl.

Kauft man sich beispielsweise Duftsäckchen, ließt man auf dem Etikett meist Lavandin. In Waschmitteln, einfachen Seifen oder Schaumbädern ist in der Regel jedoch das Öl des Hybridlavendel enthalten.

Paradoxerweise haben die Blüten und Blätter dieser Pflanze aber ein schwächeres Aroma, das an Kampfer erinnert und weniger fein ist. Das Öl gilt als weniger edel und auch die medizinische Wirkung kommt nicht an die des Echten Lavendels heran.

Da Lavandin jedoch mehr und schnelleren Ertrag bringt, dominiert er mittlerweile über Dreiviertel aller Anbauflächen der Provence.

Zumindest noch, denn die französische Region hat ein enormes Problem: Seit Jahrzehnten befällt eine Zikadenart die Pflanzen, saugt an ihren Blüten und überträgt dabei ein Bakterium, das sowohl den Lavandin, als auch den Echten Lavendel vergilben lässt.

Je heißer und trockener der Sommer, desto mehr Schädlinge fliegen umher und sorgen für enorme Ertragsausfälle. Die einzige Möglichkeit der Sache Herr zu werden: eine möglichst resistente Sorte zu züchten. Beim Echten Lavendel ist das bereits gelungen, beim Lavandin bisher nicht.

Römer, Mönche, Königin

Echter Lavendel entwickelt im Gegensatz zu Lavandin nur eine Blütenrispe pro Stängel und wächst niedriger.

Ursprünglich kommt er aus den felsigen und trockenen Höhenlagen des Mittelmeergebiets. Dort wurde er schon im elften Jahrhundert von Benediktinermönchen entdeckt, nach Nordeuropa gebracht und aufgrund seiner Heilkräfte in die Klostergärten gepflanzt.

So erwähnt bereits die berühmte Nonne Hildegard von Bingen (1098 bis 1179) den Lavendel in ihrer naturkundlichen Schrift „Physica“: „Und wenn ein Mensch, der viele Läuse hat, oft am Lavendel riecht, sterben die Läuse an ihm. Und sein Duft macht die Augen klar, weil er die Kraft sehr starker und auch die Nützlichkeit sehr bitterer Spezereien in sich hat, und daher fesselt er viele üble Dinge.“

Der botanische Name Lavandula angustifolia geht dagegen auf die Römer zurück, die aus den Blüten Badezusätze herstellten – „lavare“ ist Lateinisch und bedeutet „waschen“.

Darüber hinaus wird Echter Lavendel auch Englischer Lavendel genannt.

Zwar ist der Halbstrauch auf der Insel nicht heimisch, doch schon Queen Victoria war von der Pflanze so begeistert, dass sie als Trendsetterin ihrer Zeit einen wahren Lavendelboom auslöste. Tatsächlich stellte sich das milde Inselklima für den Anbau als ideal heraus: Das Öl übertraf sogar die Qualität des französischen und spielte höhere Summen ein.

Heute stammen viele der besten Lavendelsorten aus britischen Züchtereien, eine der renommiertesten ist die Downderry Nursery im südenglischen Kent.

An die 350 Sorten sind dort zu finden und beeindrucken mit ihrer Qualität, ihrem Duft und ihrer intensiven Farbe.

Neben dem typischen Lila gibt es dort Lavendel in Pastellviolett, Rosa, Weiß oder fast Blau. Einige Sorten sind niedrig wachsend, einige erreichen Höhen von bis zu einem Meter, manche wachsen kompakt, manche besonders stark, manche eher langsam.

Auf Winterhärte getestet

In England herrschen andere klimatische Bedingungen als in Deutschland. Nicht alle der von Simon Charlesworth in Kent gezüchteten Lavendel sind auch hierzulande winterhart. Das bedeutet aber nicht, dass Pflanzenliebhaber vom Festland auf die Downderry-Sorten verzichten müssen.

Gepflanzt werden die Lavendel schon jetzt. Der Lavendel, frisch aus der Gärtnerei, hat noch nicht geknospt, übersteht den Transport bestens und wächst im Garten schnell an.

Lavendel mag es gern sonnig und trocken und kommt auch im heißen Sommer ohne große Pflege aus. hel