Landwirtschaft und Natur

Kombination aus Stall- und Weidehaltung Bei Hochleistungsmilchkühen in der warmen Jahreszeit durchaus sinnvoll

Im Sommer ökonomisch konkurrenzfähig

Obwohl vor allem bei hochleistenden Milchkühen der Trend zur ganzjährigen Stallhaltung geht, kann eine Kombination aus Stall- und Weidehaltung in den Sommermonaten sinnvoll und auch ökonomisch konkurrenzfähig sein.

Zu diesem Schluss kommt ein Wissenschaftsteam der Universität Berlin, das in einer 3,5-jährigen Pilotstudie verschiedene Parameter wie Milchleistung, Tiergesundheit und Arbeitsaufwand auf acht norddeutschen Praxisbetrieben mit Weidehaltung und einer Durchschnittsleistung von mehr als 8000 Kilogramm pro Kuh und Jahr untersuchten. Finanziert wurde das Projekt vom Bundesprogramm Ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft (BÖLN). In der Pilotstudie zeigte sich, dass mit kombinierter Stall- und Weidehaltung ähnlich hohe Milchleistungen erzielt werden können wie bei reiner Stallhaltung. Als großen Vorteil der Weidehaltung sieht das Forscherteam eine deutlich höhere Aktivität der Kühe, die sich grundsätzlich positiv auf die Tiergesundheit und den Bewegungsapparat der Tiere auswirkt.

Besonders Lahmheiten und Integumentschäden wie geschwollene Gelenke und haarlose Stellen traten bei den untersuchten Herden mit Weidegang deutlich seltener auf. Allerdings neutralisierten sich diese Regenerationseffekte durch die anschließende reine Stallhaltung im Winter.

Bezüglich des Arbeitsaufwandes stellten die Fachleute auf den Betrieben keinen signifikanten Unterschied zwischen Weide- und Stallperiode fest. Sie erklären diesen Effekt damit, dass der Mehraufwand für die Weidehaltung durch Einsparungen bei den Stallarbeiten (Reinigung, Futtervorlage) ausgeglichen wird. Den größten Einfluss auf eine arbeitseffiziente Weidewirtschaft hatten im Projekt vor allem die Wasserversorgung und das Treiben der Tiere. Als vorteilhaft erwiesen sich feste Tränken und kurze Treibwege.

Entgegen der allgemeinen Einschätzung zeigten sich in der Studie nicht nur Betriebe mit Vollweide arbeitswirtschaftlich konkurrenzfähig, sondern auch Teilweidebetriebe, die über günstige Voraussetzungen wie arrondierte Grünlandflächen verfügen.

Dabei war der tatsächliche Arbeitsaufwand eng verknüpft mit der Art der Weidehaltung und sank von der Portionsweide über die Umtriebsweide bis zum arbeitseffizientesten Weidetyp, der Standweide.

Auch für sehr große Herden ist Weidegang nach den Ergebnissen der Studie praktikabel, wie ein teilnehmender ostdeutscher Betrieb mit 700 Tieren zeigte. Dabei erwies es sich als optimal, die Kühe in Gruppen bis zu 100 Tieren aufzuteilen und eine Stundenweide anzubieten. Grundsätzlich sei aber bei Weidehaltung zu berücksichtigen, dass die Anforderungen an das Fütterungsmanagement steigen, besonders bei Hochleistungstieren mit hohem Energie- und Proteinbedarf.

Insgesamt lautet das Fazit des Forscherteams, dass Weidehaltung und Hochleistungskühe grundsätzlich keinen Widerspruch darstellen und eine Weide je nach betrieblichen Voraussetzungen und Management auch betriebswirtschaftliche Vorteile bieten kann. böln