Landwirtschaft und Natur

Raps Was ist aus den gelben Feldern geworden?

Menge bereits zum vierten Mal in Folge gesunken

Archivartikel

Raps ist eine vielseitige und im Frühjahr leuchtend gelb blühende Nutzpflanze, die jetzt abgeerntet ist. Rapssamen werden vor allem für die Herstellung von Nahrungsmitteln und Viehfutter verwendet. Nach zweiter Schätzung des Statistischen Bundesamtes bauten Landwirtinnen und Landwirte 2018 auf etwa 1,222 Millionen Hektar Winterraps an. Bei knapp drei Tonnen pro Hektar beläuft sich die Erntemenge auf 3514 Tonnen. Die erzeugte Menge sinkt damit zum vierten Mal in Folge.

Trotz einer erneut niedrigen Ernte 2017 ist der Rapspreis Ende April 2018 mit 334 Euro pro Tonne auf den niedrigsten Wert seit 2014 gefallen. Erst ab Mai zeigte der Preistrend wieder nach oben und lag Ende August 2018 bei 385 Euro pro Tonne; 15 Prozent höher als noch im April 2018. Der Hauptgrund dafür kann in der Dürre und der damit zusammenhängenden gesunkenen Erzeugung gesehen werden, aber auch die eingeschränkte Anbaufläche spielt eine gewisse Rolle.

Jedes Jahr sieht man die im Mai gelb leuchtenden Rapspflanzen auf anderen Feldern. Denn Raps verträgt sich nicht mit sich selbst. Baut man Raps oder auch andere Kreuzblütler nacheinander auf dem gleichen Feld an, ist die Gefahr für das Auftreten von Krankheiten wie Kohlhernie groß. Allerdings gilt er als eine sehr gute Vorfrucht für viele Kulturpflanzen, da er den Boden stark durchwurzelt und beschattet und so einen positiven Einfluss auf das Bodengefüge hat. Außerdem verfügt Raps über ein gutes Stickstoffaufnahmevermögen und hinterlässt große Mengen an leicht zersetzbaren Ernterückständen, von denen die nachfolgenden Ackerfrüchte profitieren.

Neben Pilzkrankheiten wird Raps während der gesamten Vegetationsperiode auch von Schädlingen, wie beispielsweise dem Rapserdfloh, dem Rapsstengelrüssler oder dem Rapsglanzkäfer befallen. Daher sind Landwirte auf Pflanzenschutzmittel angewiesen, was wiederum einen hohen wirtschaftlichen Aufwand für sie bedeutet.

Der in Deutschland bevorzugte Winterraps wird im Spätsommer gesät. Im Herbst haben sich schon kleine Pflanzen entwickelt, die bei zunehmender Kälte ihr Wachstum einstellen. Wenn es im Februar bis März wieder wärmer wird, fangen die Pflanzen an zu wachsen bis sie im Mai ihre gelbe Blütenpracht zeigen. Bis Juli haben sich aus den Blüten Schoten entwickelt, die – abhängig von der Rapssorte – im Laufe des Julis zum jeweils besten Reifezeitpunkt gedroschen werden.

Wertvolles Öl

In den Schoten befinden sich die für den Raps typischen schwarzen Samen, die etwa 40 bis 45 Prozent des wertvollen Öls enthalten. In Ölmühlen werden die Samen gequetscht und gemahlen. Aus den gequetschten Samen entsteht eiweißreiches Tierfutter wie Rapsschrot oder Rapskuchen. Das hochwertige Rapsöl wird gesammelt, gereinigt und schlussendlich verarbeitet – unter anderem zu Speiseöl, Margarine oder Kosmetika. In der menschlichen Ernährung hat vor allem das Rapsöl eine enorme Bedeutung: Es ist das beliebteste Speiseöl in deutschen Haushalten. Und das hat einen guten Grund, denn Rapsöl ist ein wahrer Alleskönner und hat ernährungsphysiologisch Einiges zu bieten: einen niedrigen Anteil an gesättigten Fettsäuren, eine hohe Menge einfach ungesättigter Fettsäuren und viel Vitamin E.

Übrigens sind kaltgepresste Öle nicht „gesünder“ als ein raffiniertes Öl, auch wenn das eine landläufige Meinung ist. Kaltgepresste Öle haben zwar ein besseres Image; Fakt ist aber, dass kaltgepresste und raffinierte Speiseöle aus ernährungswissenschaftlicher Sicht nahezu gleich zu bewerten sind. Trotz unterschiedlicher Herstellungsverfahren weisen beide fast identische Fettsäuremuster auf.

Beim Vitamin E-Gehalt schneiden kaltgepresste Öle besser ab. Dafür sind raffinierte Öle weitgehend frei von unerwünschten Geschmacks- und Schadstoffen und auch länger haltbar. Ob raffiniert oder kaltgepresst: letztendlich entscheidet also der Geschmack.

Rapsöl hat gegenüber anderen Ölen einen klaren Vorteil: Es ist geschmacksneutral und somit vielseitig einsetzbar. Rapsöl ist mit beinahe allem kombinierbar und eignet sich zum Braten von Kartoffeln, Andünsten von Gemüse, für Salatdressings oder auch zum Backen.