Landwirtschaft und Natur

Im Frühling pflanzen und im Herbst freuen Bislang kennt man sie lediglich aus Blumensträußen oder Gestecken

Nerinen und Amarinen gelten als winterharte Gartenschätze

Archivartikel

Wenn überhaupt, dann kennt man die Nerine aus Blumensträußen oder -gestecken. Besonders in Hochzeitsdekorationen wird sie gerne integriert, da ihre eleganten, zierlichen Blüten ideal zu diesem festlichen Anlass passen. Als Gartenpflanze hingegen erfahren die Amaryllisgewächse kaum Beachtung.

Dabei gibt es eine Vielzahl von Sorten, die auch im Beet oder Kübel herrlich blühen. „Die Nerine ist als Gartenpflanze so unbekannt, weil der europäische Markt lange keine winterharten Sorten anbot“, erklärt Blumenzwiebelexperte Carlos van der Veek. „Da die Exotin ursprünglich aus Südafrika kommt, ist sie warme Temperaturen gewöhnt. Dank professioneller Veredelung gibt es mittlerweile aber eine ganze Reihe Nerinen, die mit unseren kalten Wintern gut zurechtkommen.“ Die ersten europäischen Züchtungen mit der Nerine fanden 1630 in Paris statt.

Eine nette Geschichte erzählt, dass 1659 eine große Zahl an Knollen auf ihrem Weg in Richtung Niederlande Schiffbruch erlitt und an die Guernsey-Inseln im Ärmelkanal gespült wurde. Dort herrschten ideale klimatische Bedingungen und die Nerinen begannen zu wachsen und zu blühen. So erhielten sie den Namen Guernsey-Lilie, unter dem sie auch bekannt sind. Ob wahr oder nicht . . .

Fakt ist, dass Nerinen neben weiteren exotischen Blumen seit Jahrhunderten erfolgreich auf den Kanalinseln kultiviert und vermehrt werden. Anfang des 19. Jahrhunderts erlangten die Inseln als Schnittblumenproduzenten für den englischen Markt Bedeutung. Auch die Nerine verschiffte man von dort. Weil die damaligen Guernsey-Lilien allerdings nur sehr unzuverlässig blühten, wurden sie relativ schnell von anderen Blumen verdrängt und gerieten in Vergessenheit.

„Die Nerinen sind neue Züchtungen und haben sich alle hervorragend als Gartenpflanzen bewährt“, betont van der Veek. „Besonders empfehlenswert sind die Amarinen – eine Kreuzung der Nerine bowdenii mit der Amaryllis belladonna. Wirklich robuste Pflanzen, die von Jahr zu Jahr mehr Blüten entwickeln.“

Pflanzzeit für Nerinen ist der Frühling. Ursprünglich wachsen sie auf felsigen Böden, weswegen ihre Knollen nur flach in den Boden kommen – die Nase sollte noch etwa zwei Zentimeter aus der Erde herausragen. „Besonders in den Monaten darauf ist es wichtig, den Boden stets gut zu gießen, damit das Wurzelwachstum angeregt wird“, rät van der Veek. „Sonst bildet die Nerine bereits ihre Blätter, bevor sie ausreichend gewurzelt hat. Passiert das, vertrocknet sie.“

Keine Staunässe

Nerinen und Amarinen mögen es zwar feucht, vertragen aber keine Staunässe. Deshalb ist ein Standort mit durchlässigem Boden ideal. Kübel oder Blumentöpfe sollten Wasserabzugslöcher aufweisen.

Blütezeit ist je nach Sorte im Spätsommer oder Herbst. Zu dieser Zeit verströmen die Blüten einen herrlichen Duft und verzaubern mit einem leichten, silbrigen Schimmer.

„Mein Tipp: Pflanzen Sie die Knollen mit einem Mindestabstand von 25 Zentimetern. Am besten in eine Staudenrabatte oder weit verstreut im Beet. Dann erhält die Nerine genügend Licht und ihr Blütenkranz kommt wunderbar zur Geltung“, so der Niederländer abschließend. flu