Landwirtschaft und Natur

DLG-Unternehmertage 2017 Betriebsleiter zeigen anhand eigener Konzepte Wege auf, Ackerbau und Tierhaltung unter den sich ändernden Vorzeichen weiterzuentwickeln

Rechtzeitig agieren, um nicht verspätet reagieren zu müssen

Zunehmende Resistenzen im Ackerbau gegenüber Krankheiten und Schädlingen, die Umsetzung der Düngeverordnung, die Weiterentwicklung von Haltungssystemen und Zuchtprogrammen für mehr Tierwohl - die Herausforderungen für Landwirte sind umfangreich, betriebliche Weichenstellungen notwendig.

Im Ackerbau stellt sich zunehmend die Frage, wie Landwirte die Anbausysteme neu austarieren können. Mögliche Ansatzpunkte sind dabei die Erweiterung der Fruchtfolge, das Überdenken der Saattermine ebenso wie die Anpassung von Strategien im Pflanzenschutz und der Bodenbearbeitung.

Dazu gehört auch, die Abläufe im Betrieb neu zu organisieren, die Vermarktung zu überdenken und die Wirtschaftlichkeit der weiterentwickelten Anbauprogramme zu überprüfen.

In der Milchvieh- und Schweinehaltung steht mehr Tierwohl auf der Agenda. Zugleich gilt es, Konflikte mit dem Ziel, Emissionen aus der Tierhaltung zu senken, zu lösen. Eine betriebliche Analyse des Status quo bildet dabei die Basis, um Ansatzpunkte zur Weiterentwicklung der Haltungssysteme zu finden, ohne die Wirtschaftlichkeit aus den Augen zu verlieren.

Und schließlich stellt sich für Tierhalter und Marktfruchterzeuger gleichermaßen die Frage, wie sich die neue Düngeverordnung auf das Nährstoffmanagement im Betrieb auswirkt und wie die Vorgaben betrieblich umgesetzt werden können.

Bei den DLG-Unternehmertagen in Würzburg mit 550 Teilnehmern zeigten Betriebsleiter anhand eigener Konzepte Wege auf, Ackerbau und Tierhaltung unter den sich ändernden Vorzeichen weiterzuentwickeln. Berater und Experten brachten ihre Erfahrungen in die Gespräche über die betrieblichen Weichenstellungen ein. So waren die DLG-Unternehmertage 2017 das Forum für Unternehmer, um Ideen für die Betriebsentwicklung zu sammeln.

Was sind nun konkrete Vorschläge? Hans Hogreve, landwirtschaftlicher Unternehmensberater, empfahl, die Fruchtfolgen zu erweitern, denn dies bringe arbeitswirtschaftlich deutliche Entzerrung und eine höhere Auslastung bestehender Maschinen und der Festarbeitskräfte. Knallhart stellte er fest: "Die zunehmenden Resistenzprobleme der Ackergräser und Ackerunkräuter sind ohne Fruchtfolgeumstellung nicht mehr beherrschbar. Die Deckungsbeitragdifferenzen zwischen den Fruchtfolgen sind nur gering."

Je stärker die Probleme mit Ackerfuchsschwanz und Problemunkräutern seien, desto größer werde der Vorteil erweiterter Fruchtfolgen mit Sommerungen. Zudem erfahren erweiterte Fruchtfolgen unter Beachtung von Sanktionsmaßnahmen der Düngeverordnung schnell zusätzliche Vorteile. "Agieren Sie frühzeitig, um nicht verspätet reagieren zu müssen", gab er den vielen Betriebsleitern mit auf den Weg.

Was Tierhalter und Marktfruchterzeuger im Hinblick auf die Düngeverordnung jetzt tun können, zeigte Dr. Frank Lorenz von der Lufa Nord-West auf. Wichtig sei es, weniger Nährstoffe zu produzieren und zu applizieren. Mineraldünger solle durch organische Produkte ersetzt werden. Die Nährstoffeffizienz in der Düngung und Fütterung müsse optimiert werden. In Überschussgebieten müssten verstärkt definierte Endprodukte aufbereitet werden, damit weniger Wasser, sondern mehr Nährstoffe transportiert würden. Unbedingt seien verstärkt Beratung und Dienstleistungen in Anspruch zu nehmen.

Anhand umfangreicher Praxisversuche schilderte Marin Schäffler vom Institut für Tierernährung und Futterwirtschaft in Grub, wie der Getreidebau auf Futterwert und Umweltwirkung im Veredlungsbetrieb mit Schweinehaltung ausgerichtet werden sollte. Das Getreidemonitoring zeige, dass der Aminosäuregehalt von Getreide zwar bei höheren Rohproteingehalten steige, aber gleichzeitig die Konzentration der Aminosäuren (vor allem Lysin) im Rohprotein abfalle.

Weil höhere Aminosäurenkonzentrationen im Getreide den Futterwert des Proteins verbessere, sei die Stickstoffdüngung mit dem Ziel zehn Prozent Rohprotein darauf auszurichten. Denn hohe Rohproteingehalte im Getreide führten zu höheren Nährstoffausscheidungen und höherem Flächenbedarf.

Um hohe Rohproteingehalte im Getreide zu erzeugen, seien hohe Stickstoffdüngergaben notwendig. Der Stickstoffimport in den Betrieb steige dadurch und belastet die Stoffstrombilanz. Die Anforderungen an mehr Tierwohl in der Milchviehhaltung steigen, Zuchtschwerpunkte und Haltungsbedingungen stehen auf dem Prüfstand. Eine betriebliche Analyse des Ist-Betriebs sei der Ausgangspunkt, um Ansatzpunkte zur Weiterentwicklung der Haltungssysteme zu finden. Aus Sicht von Dr. Stefan Rensing gibt es keine negativen Beziehungen zwischen der Nutzungsdauer und der Milchleistung. "Die Turbo-Kuh ist ein Phantom", so Rensing.

Tierwohl in Form von funktionalen, respektive Gesundheits-Merkmalen werde ökonomisch begründet bereits gleichwichtig im Zuchtziel berücksichtigt. So flössen 45 Prozent Milchleistungsmerkmale, 15 Prozent funktionales Exterieur und 40 Prozent Gesundheitsmerkmale in die Zuchtwertschätzung ein. Die Milchrinderzucht arbeite gerade mit Hochdruck an weiteren Zuchtwerten für direkte Gesundheitsmerkmale wie Mastitis, Stoffwechselstörungen und die wichtigsten Klauenkrankheiten. Sobald diese vorlägen, würden sie entsprechend ihrer ökonomischen Bedeutung im Zuchtziel berücksichtigt.

Hingegen sei die Aufnahme direkter Tierwohl-Merkmale im Zuchtziel aktuell kaum machbar, da die Definition erblicher Merkmale nicht möglich sei.

Daraus folge, dass mehr Tierwohl in der Milchviehhaltung in erster Linie eine Frage der Haltungsbedingungen und des Herdenmanagements sei.