Landwirtschaft und Natur

Der Vorgarten verändert sich Die vier Jahreszeiten vor dem Haus / Natur ist aus ihrem Winterschlaf erwacht

Schotter, Kies, Pflastersteine sind fehl am Platz

Archivartikel

Es ist endlich Frühling – und das nicht nur auf dem Kalender. Nach einer gefühlten Ewigkeit und wechselhaftem Wetter ist die Natur aus ihrem Winterschlaf erwacht und gibt jetzt alles.

Tulpen recken ihre eleganten Köpfe in die Luft, die Bäume treiben aus, einige blühen schon prächtig. Sträucher bringen mit ihren zarten Blättern die Farbe Grün zurück in den Garten, während sich die ersten, fleißigen Bestäuber auf die Suche nach Nektar begeben.

Der Frühling ist aber natürlich nur eine der vier Jahreszeiten, die das Jahr spannend machen. Auch Sommer, Herbst und Winter haben einiges zu bieten. Der Blick in den Garten ist umso schöner, je abwechslungsreicher sich die Beete und Pflanzen präsentieren.

Blick ins Grüne

Glücklich, wer hinter dem Haus einen vielfältig bepflanzten Garten hat. Noch glücklicher, wer auch vor dem Haus die vier Jahreszeiten in ihrer Verschiedenheit erlebt.

Oft wird der Vorgarten aber etwas stiefmütterlich behandelt. Vermutlich liegt es daran, dass man sich dort nur selten aufhält und daher auch nur so wenig Zeit wie möglich in diese Fläche investiert.

Denkt man jedoch einmal genauer darüber nach, durchquert man den Vorgarten jeden Tag mindestens zweimal. Morgens, wenn man das Haus verlässt, und abends, wenn man wieder nach Hause kommt. Zudem bereichert der Vorgarten die Architektur des Hauses und ist der erste Willkommensgruß für Besucher. Er gibt Spaziergängern einen Eindruck davon, wer man ist und ruft zu Gesprächen mit den Nachbarn auf.

Außerdem prägt er das Straßenbild und sorgt nicht zuletzt dafür, dass die Städte und Gemeinden grüner werden – natürlich nur, wenn er bepflanzt ist.

„Leider sieht man immer häufiger, dass Vorgärten mit Schotter, Kies oder Pflastersteinen versiegelt werden“, erklärt Achim Kluge, Vizepräsident im Bundesverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau (BGL). „In diesen Gärten passiert während des ganzen Jahres nichts, außer dass sich mit der Zeit Moose und Unkräuter ansetzen. In abwechslungsreich bepflanzten Vorgärten hingegen können wir an 365 Tagen im Jahr immer wieder etwas Neues, immer wieder Blühendes, Grünes und Lebendiges entdecken. Daran erfreuen übrigens nicht nur wir uns, sondern auch zahlreiche Tiere und Insekten, die dort wichtige Nahrung, Rückzugsorte und Lebensraum finden. Darüber hinaus bietet ein grüner Vorgarten wichtige Versickerungsfläche bei Regen und er verhindert, dass sich die Luft während des Sommers zu sehr aufheizt.“

Lebendiges Grün wirkt

Bepflanzte Vorgärten sind immer noch beliebt und gefallen den meisten Menschen – auch der Großteil der Besitzer von Schottergärten finden grüne Vorgärten schön. Das geht aus einer repräsentativen Marktforschung der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) hervor, die der BGL 2017 im Rahmen seiner Initiative „Rettet den Vorgarten“ in Auftrag gegeben hatte.

„Dass sich trotzdem immer noch Eigenheimbesitzer für versiegelte Flächen entscheiden, liegt daran, dass sie einen bepflanzten Vorgarten mit viel Arbeit gleichsetzen“, erläutert Kluge. „Das ist aber eine falsche Annahme, denn eine gut durchdachte und standortgerechte Bepflanzung ist mit wenig Aufwand immer in Ordnung.“

Hier empfiehlt sich das Gespräch mit einem Landschaftsgärtner. Der Profi kann im Hinblick auf die Standortbedingungen hinsichtlich Bodengüte sowie Licht- und Schattenexposition Pflanzen auswählen, die vor dem Haus gut wachsen – auch auf der Nordseite – und zugleich verhindern, dass sich Unkräuter entwickeln. Bodendecker bilden beispielsweise schnell eine dichte Decke und bieten unerwünschtem Grün keinen Platz zum Wachsen.

Mit einer geschickten Kombination von unterschiedlichen Blütezeiten können die Profis zudem einen Vorgarten gestalten, der durch das Jahr immer wieder neu ansprechend aussieht und sowohl von der Straße aus, als auch beim Blick aus dem Fenster mit seiner Vielfalt beeindruckt.

Angefangen bei den Zwiebelblumen im Frühling über frühe Sommerblüher wie den Rhododendron bis hin zu Stauden wie Sonnenhut oder Echinacea – mit hochwachsenden Gräsern können Höhenunterschiede geschaffen werden, die zum Beispiel einen Fahrradständer oder die Mülltonnen mühelos verstecken. Auch Efeu oder Wilder Wein können hierzu genutzt werden.

Kleinkronige Bäume spenden im Sommer Schatten. Im Herbst sorgen Herbstanemonen oder Astern für Blütenfülle und im Winter bereitet zum Beispiel der Duft-Schneeball oder Winter-Jasmin einen herrlich duftenden Empfang zu Hause. bgl