Landwirtschaft und Natur

Auch im Sommer Artgerechtes Fettfutter für Wildvögel

Treibstoff für emsiges Treiben

Da Wildvögel in der hiesigen aufgeräumten Kulturlandschaft zunehmend weniger natürliche Nahrungsquellen finden, bieten ihnen immer mehr Tierliebhaber das ganze Jahr über Futter auf dem Balkon oder im Garten an. In den Sommermonaten wird zumeist mit Körnermischfutter, Sonnenblumenkernen oder Erdnüssen gefüttert. Fettummantelte Haferflocken oder Gourmet-Knödel, die neben den Körnern auch Rindertalg enthalten, kommen eher in der kalten Jahreszeit zum Einsatz. Aber ist diese Unterscheidung zwischen Sommer und Winter beim Vogelfutter tatsächlich sinnvoll?

"Viele Menschen meinen, dass Fettfutter nur etwas für die Winterversorgung der gefiederten Freunde sei. Sie setzen Fettverbrennung automatisch mit Wärme gleich. Diese Verknüpfung erscheint auf den ersten Blick auch schlüssig - aber Vögel ticken da ganz anders", sagt Christine Welzhofer aus dem bayrischen Gessertshausen, Fachfrau für die Ernährung von Wildvögeln. "Der Stoffwechsel der Vögel ist in besonderem Maße auf die schnelle Fettverdauung ausgerichtet. Je mehr sie sich bewegen und Energie verbrennen, um so fettreicher sollte ihre Nahrung sein."

Zeit ohne Bewegung

Betrachtet man das Vogeljahr einmal genau, stellt man fest, dass die Tiere an den kurzen, dunklen Wintertagen viel Zeit ohne Bewegung verbringen. Sie plustern sich an geschützter Stelle auf und trotzen so dem Wetter. Natürlich benötigen sie auch dann energiereiches Futter - aber weniger, als im Sommerhalbjahr.

In der hellen Jahreszeit sind sie von früh morgens bis zur Abenddämmerung aktiv, um Nahrung für sich selbst und ihre Brut herbei zu schaffen. "Und nicht nur Kohlenhydrate und Eiweiße sind dann für die Energieversorgung entscheidend, sondern auch die Fette", erläutert Welzhofer. "Fett ist sozusagen der wesentliche Treibstoff für ihr munteres Treiben."

Natürlich enthalten auch Sonnenblumenkerne oder Erdnüsse einen hohen Fettanteil, deshalb werden sie von den Vögeln auch so gern gefressen.

Als Quelle für tierische Fette stehen Wildvögeln in erster Linie Insekten zur Verfügung. Sie liefern viele ungesättigte Fettsäuren, wie sie beispielsweise auch in natürlichem Rinderfett enthalten sind. Aus diesem Grund lässt sich damit auch hochwertiges und artgerechtes Fettfutter für Vögel herstellen, welches ein hervorragender Energiespender ist.

"Aber aufgepasst: Fett ist nicht gleich Fett", warnt die Fachfrau. "In Billigfuttermischungen ist oft Speiseöl verarbeitet, so genanntes raffiniertes Fett. Dieses besteht aus gesättigten Fettsäuren, mit denen der Vogelstoffwechsel nichts oder nur wenig anfangen kann. Naturbelassenes Rinderfett schmeckt den Tieren nicht nur viel besser, es ist auch wesentlich gesünder."

Praktischer Nutzen

Das richtige Fett in der Vogelfutterrezeptur hat darüber hinaus noch einen ganz praktischen Nutzen: Bei strengem Frost im Winter bleibt ungehärtetes Fett länger geschmeidig und kann auch dann noch von den Vögeln leicht bepickt und gefressen werden.

Enthalten Meisenknödel und Co. hingegen das Billigfett, können sie bei Minustemperaturen schon einmal so steinhart werden, dass es für die Vögel schwer wird, an ihr Futter zu kommen. pm