Landwirtschaft und Natur

Butterpreise auf einem 15-Jahres-Hoch Von dieser Entwicklung sollen zeitnah die Erzeuger profitieren / 40 Cent/kg Milch "dringend nötig"

"Viele Höfe müssen Löcher stopfen"

Es ist noch gar nicht lange her, da kostete das halbe Pfund Butter in den Discountern weniger als einen Euro. Mittlerweile zahlt der Verbraucher 1,99 Euro - so viel wie seit 15 Jahren nicht mehr.

Für Butter hierzulande müssen die Konsumenten tief in die Tasche greifen, seitdem Aldi, Lidl und Co. kürzlich (ein weiteres Mal) an der Preisschraube gedreht haben. Profitieren davon denn auch die Milchbauern?

Milchpreise steigen

"Es ist richtig, dass die Butterpreise ein neues Rekordhoch erreicht haben. Für ein Kilogramm Butter, das die Molkereien verkaufen, bekommen diese derzeit sieben Euro vom Handel bezahlt", bestätigt auf Anfrage der Fränkischen Nachrichten Martin Geißendörfer, Geschäftsführer des Kreisbauernverbandes Main-Tauber. Dies ermögliche steigende Milchpreise für die Milchbauern, "was nach der Durststrecke der Jahre 2015 und 2016 auch bitter notwendig ist".

Milch bestehe bekanntermaßen aus rund vier Prozent Fett, 3,5 Prozent Protein und etwa fünf Prozent Laktose, ein bisschen Calcium und anderen Spurenelementen, der Rest sei Wasser, erklärt Geißendörfer. Während sich die Verwertung des Milchfettes derzeit auf Rekord-Niveau bewege, lägen die Verwertungen für Mager-und Vollmichpulver, also das Eiweiß, weiterhin auf Interventionsniveau, also dem Preisniveau der beiden zurückliegenden Jahre.

"Derzeit liegen EU-weit noch fast 400 000 Tonnen Milchpulver in den Interventionslagern. Diese Mengen sind bis heute nicht absetzbar und belasten den Preis der Eiweißkomponente sehr."

Zweigeteilte Verwertung

Eine solche zweigeteilte Verwertung der beiden Produktlinien habe es in der Vergangenheit noch nie gegeben, führt der Bauernverbands-Geschäftsführer weiter aus. Entweder seien Fett und Protein knapp (Milchpreis hoch) oder es sei von allem zu viel am Markt gewesen (Erzeugerpreis niedrig).

"Wenn alle Verwertungen der verschiedenen Inhaltsstoffe auf dem Butterpreisniveau liegen würden, könnte derzeit ein noch wesentlich höherer Erzeugerpreis ausbezahlt werden", ist Martin Geißendörfer überzeugt. Aufgrund der unterschiedlichen Verwertungschancen ergebe sich derzeit ein möglicher Auszahlungspreis von rund 40 Cent (netto). "Mehrere Molkereien werden diesen Preis in den kommenden Monaten auch ausbezahlen, und dieses Niveau wird auch die Marke sein, an dem sich die Molkereien messen lassen müssen."

Zeitverzögerung

Eine gewisse Zeitverzögerung zwischen den Preiserhöhungen beim Handel und dem Ansteigen der Erzeugerpreise gebe es immer, da der Handel sehr lange Zahlungsziele bei den Molkereien habe. Diese Zeitverzögerungen gebe es jedoch auch, wenn der Milchpreis sinke, denn auch in diesem Fall würden die geringeren Erlöse der Molkereien erst zeitverzögert an die Erzeuger weitergegeben.

Kein Freifahrtschein

"Allerdings soll dies kein Freifahrtschein für die Molkereien sein. Die steigenden Preise müssen zeitnah an die Erzeuger weitergegeben werden. Und ein Niveau von 40 Cent + X pro Kilogramm ist auch dringend notwendig, denn auf vielen Höfen müssen nun die Löcher gestopft werden, die in den vergangenen beiden Jahren entstanden sind", meint Geißendörfer abschließend gegenüber unserer Zeitung. Liquiditätsdarlehen müssten zurückbezahlt, gestundete Rechnungen bezahlt und überzogene Konten ausgeglichen werden.

"In der Krise der vergangenen Jahre haben rund zehn Prozent der Milchviehhalter in der Bundesrepublik Deutschland aufgegeben und keiner dieser Höfe hat wegen Reichtums geschlossen!"