Landwirtschaft und Natur

Dekorative Fruchtstände Blattlose Bäume, trockene Stauden, braungraue Ziergräser – die kalte Jahreszeit ist alles andere als farbenprächtig

Vom Zauber des Winters im Detail betrachtet

Blattlose Bäume, trockene Stauden, braungraue Ziergräser – der Winter ist wirklich nicht die farbenprächtigste Jahreszeit. Viele Gartenbesitzer sehnen sich daher schon jetzt wieder nach den frischen Trieben und fröhlichen Blüten des Frühlings.

Doch auch in den reduzierten Farben der Pflanzen und skurrilen Formen der Triebe und Äste liegt ein besonderer Reiz – vor allem, wenn die Kälte ihre Eisblumen darauf legt und sich Tau oder gefrorene Regentropfen an die Äste hängen. Dann verwandelt sich der eigene Garten in ein mystisches Winterwunderland, das sich während eines Gartenbesuchs mit dickem Pullover und Kamera in den Händen oder auch bei einem Blick aus dem Fenster genießen lässt.

Winterschöne Gehölze

Die meisten Gehölze verlieren im Herbst als Schutz vor dem wasserarmen und kalten Winter ihre Blätter. Ohne ihr Laub zeigen sich die Baumkronen auf neue Art imposant und beeindruckend. So drehen sich die Zweige der Korkenzieher-Weide (Salix matsudana ‘Tortuosa’) beispielsweise interessant zum Himmel, während der Rote Hartriegel (Cornus sanguinea) im blattlosen Zustand mit seiner leuchtend roten Rinde beeindruckt. An den kahlen Ästen der Eberesche (Sorbus aucuparia) hängen dagegen kugelrunde rote Früchte. Als hierzulande heimisches Gehölz hat Letztere auch einen hohen ökologischen Wert, denn die in Deutschland überwinternden Vögel sind auf solche natürlichen Futterquellen angewiesen.

Landschaftsgärtner empfehlen zum Beispiel auch den Gemeinen Schneeball (Viburnum opulus) oder das Gewöhnliche Pfaffenhütchen (Euonymus europaeus). Beide Sträucher bieten noch im frühen Winter nahrhafte Früchte, sind aber auch während der anderen Jahreszeiten attraktiv – der eine aufgrund seiner Blütenpracht, der andere verfärbt sich im Herbst besonders eindrucksvoll.

Vorweihnachtlich festlich zeigt sich der Ilex: Zwischen glänzenden dunkelgrünen Blättern wachsen leuchtend rote Beeren. Dank dieser typischen Weihnachtsfarben ist er in Skandinavien und Nordamerika schon seit Jahren sehr beliebt. Auch in Deutschland werden einzelne Zweige aus dem Garten ins Haus gebracht und kreativ in Weihnachtskränze oder Tischgestecke integriert. Sie halten sich auch bei Zimmertemperatur leicht einige Wochen.

Stauden stehenlassen

Stauden wie Fetthenne, Duftnessel oder Rispenhortensien hatten im Spätsommer und Herbst ihren großen Auftritt. Jetzt sind sie längst verblüht und zeigen trockene Blüten- und Fruchtstände. Doch greifen viele Gartenbesitzer dann direkt zur Schere. Die Experten für Garten und Landschaft raten aber, sich in Geduld zu üben und die trockenen Samenstände und Blätter erst im Frühjahr zu schneiden. „Stauden speichern ihre Energie zum Ende ihrer Vegetationszeit in Überdauerungsorganen, die sich unter oder knapp über dem Boden befinden“, erklärt Dr. Michael Henze vom Bundesverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau (BGL). „Aus diesen treiben sie im nächsten Frühjahr neu aus – die anderen oberirdischen Pflanzteile werden dagegen nicht mehr benötigt. Daher hat man sie lange Zeit bereits im Herbst entfernt. Aus heutiger, gärtnerischer Sicht ist es jedoch besser, sie bis kurz vor dem Austrieb im nächsten Jahr stehen zu lassen. Denn dann schützen sie die Pflanze vor der winterlichen Kälte und Nässe.“

Die trockenen Samenstände haben zudem einen hohen Zierwert. Besonders, wenn sie am Morgen geheimnisvoll vom Nebel umschmeichelt werden, sich die Wintersonne in ihren vom Frost glitzernden Trieben verfängt oder sie vom Schnee zart eingepudert werden.

Nicht nur die Menschen, auch Insekten freuen sich über die verbliebenen Stauden, denn ihre hohlen Stängel bieten ihnen ein Quartier für den Winter. Das wiederum hilft den „Fleischfressern“ unter den hier überwinternden Vögeln durch die karge Jahreszeit, wenn sie diese Verstecke finden.

Auch die Samen, die sich noch in den Samenständen befinden, werden gerne angeflogen. „Gleiches gilt für sommergrüne Ziergräser, deren nun goldgelben Blätter am besten auch bis in den Frühling stehen bleiben“, betont Henze vom BGL. „Auch sie bieten Schutz sowie Rückzugsorte für wildlebende Tiere und die sich sanft bewegenden Fruchtstände machen im Garten einfach viel her. Bei größeren Gräsern wie zum Beispiel dem mannshohen Pampasgras empfehlen Landschaftsgärtner dagegen, sie als Bündel zusammen zu fassen und so den Winter über zu schützen.“