Landwirtschaft und Natur

Ökologischer Zierpflanzenanbau Der Markt wächst und bietet immer mehr umstellbereiten Betrieben die Möglichkeit, in die Produktion einzusteigen

Weniger Pflanzenschutz, dafür mehr Qualität

Archivartikel

Der Markt für Biozierpflanzen ist eine Nische. Laut Agrarmarkt Informations-GmbH (AMI) werden nur 1,7 Prozent der Zierpflanzen in Deutschland ökologisch erzeugt. Der Markt wächst jedoch und bietet damit immer mehr umstellungsbereiten Betrieben die Möglichkeit, in die Ökoproduktion einzusteigen.

179 Betriebe haben 2016 in Deutschland auf einer Fläche von 124 Hektar Biozierpflanzen angebaut, 14 Hektar davon unter Glas. Hinzu kamen laut Statistischem Bundesamt 72 Betriebe, die Biosaatgut oder Biojungpflanzen produzierten.

Branchenbeteiligte berichten allerdings, dass sich der Biozierpflanzenanbau oftmals in Betrieben findet, die schwerpunktmäßig landwirtschaftliche oder gartenbauliche Produkte erzeugen. Es ist also davon auszugehen, dass die tatsächlichen Produktionsflächen und auch die Betriebszahlen größer sind.

Kritisch diskutiert

Die Problematik der Pflanzenschutzmittelrückstände in Zierpflanzen wird sowohl von Produzenten und Handel, als auch von den Medien und Verbrauchern immer häufiger kritisch diskutiert. In einer von Greenpeace 2014 in Auftrag gegebenen Studie wurden in einem Großteil konventionell erzeugter Zierpflanzen hohe Pflanzenschutzmittelrückstände nachgewiesen.

„Viele Händler haben darauf reagiert, indem sie nur noch geringe Rückstände in Zierpflanzen zulassen“, sagt Britta Tröster von der AMI. „Dadurch sind einige Betriebe gezwungen, nach neuen Strategien in der Produktion zu suchen. Doch das Interesse an nachhaltig und umweltfreundlich produzierten Blumen sei auch ohne diesen äußeren Druck merklich gewachsen“, so die Marktexpertin: „Ökologischer Lebensstil, Urban Gardening und der Trend zu einem gesünderen Leben insgesamt lassen Biozierpflanzen immer interessanter werden“.

Aber auch Kampagnen wie „Bienen füttern“ des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) oder „Deutschland summt“ der Stiftung für Mensch und Umwelt haben die Wahrnehmung der Verbraucher für diese Thematik geschärft.

Lange Zeit wurden Biozierpflanzen in Deutschland vor allem über die produzierenden Gärtnereien direktvermarktet. „In den letzten Jahren hat aber auch der Absatz über den Biogroßhandel stark an Bedeutung gewonnen“, sagt Andrea Frankenberg, Beraterin für Zierpflanzenbau bei Bioland. „Der Biogroßhändler Weiling zum Beispiel bietet ein breites Angebot mit Biozierpflanzen, darunter Schnittblumen, Beet-, Balkon- sowie Zimmerpflanzen, an und stellt den Ladnern ein spezielles Regal für den Verkauf der Pflanzen zur Verfügung.“ Auch Biosupermärkte nähmen immer mehr Biozierpflanzen mit ins Angebot, so Frankenberg.

Öffentliches Umdenken

Aber auch außerhalb des Biohandels sind Biozierpflanzen inzwischen zu finden. „Das öffentliche Umdenken hat hier zu Veränderungen geführt“, sagt Tröster. „Immer mehr branchenfremde Einkaufsstätten möchten sich mit den Vorteilen biologisch erzeugter Zierpflanzen einen Wettbewerbsvorteil verschaffen. Bau- und Gartencenter, Supermärkte und Discounter werden dadurch auch für Biozierpflanzen zu immer wichtigeren Einkaufsstätten.“

„Auch aus Produzentensicht ist ein zunehmendes Interesse an einer Umstellung festzustellen“, sagt Dr. Beatrix Hohengartner, die seit einigen Jahren Zierpflanzenbetriebe bei der Umstellung berät. „Es gibt zahlreiche Betriebe, denen es schon seit Längerem ein Anliegen ist, nachhaltig und ohne schlechtes Gewissen zu produzieren.“

Der Wegfall ungeliebter Arbeiten, wie zum Beispiel der Pflanzenschutz, sei für viele Betriebe zudem ein starkes Argument für eine Umstellung, so die Beraterin. Viele Betriebe sähen in der Umstellung außerdem eine Möglichkeit, das Image und Vertrauen im direkten Kontakt mit der Kundschaft zu verbessern.

Doch trotz der für Biozierpflanzen günstigen Trends und der prognostizierten Nachfrageerwartungen würden viele Betriebe noch vor einer Umstellung zurückschrecken, sagt Hohengartner. So sei die Angst vor dem „Lehrgeld“ sehr groß.

Häufiges Argument

Häufigstes Argument gegen die Umstellung auf Biozierpflanzenbau ist die Befürchtung, dass Krankheiten und Schädlinge überhandnehmen. „Erfahrungen auf ökologisch produzierenden Betrieben zeigen jedoch, dass die ökologische Produktion von Zierpflanzen bei gleichbleibender oder sogar verbesserter Pflanzenqualität möglich ist“, sagt Frankenberg. Die Bioland-Beraterin koordiniert seit über fünf Jahren ein vom Bundesprogramm Ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft (BÖLN) gefördertes Projekt, dessen Ziel es ist, die Erzeugung von Biozierpflanzen zu fördern. „Inzwischen ist in der Produktion von Biozierpflanzen viel Entwicklungsarbeit geleistet worden“, sagt Frankenberg. „Und auch bei den Biobetriebsmitteln und den Kulturverfahren gibt es kontinuierliche Verbesserungen.“

Mit Nützlingen und biologischen Pflanzenschutzmitteln sowie einer angepassten Kulturführung könnten viele Zierpflanzen in einer sehr guten Qualität erzeugt werden. Dabei müssten vorbeugende Maßnahmen konsequent umgesetzt werden, um einen Befall durch Krankheiten und Schädlinge zu vermeiden, so die Expertin.

Dazu gehöre zum Beispiel eine optimal angepasste Düngung, Pflanzenstärkung und Klimaführung, sowie der Nützlingseinsatz und die Früherkennung.

Auf der Website bio-zierpflanzen.de finden Umsteller praktische Informationen zum Anbau von Biozierpflanzen, darunter Merkblätter zur Düngung und zum Pflanzenschutz sowie zahlreiche Kulturdatenblätter zu gängigen Zierpflanzenarten. Das Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) und die Landwirtschaftskammer NRW bieten ein ausführliches Merkblatt zum kostenlosen Download bereit.

Für eine umfassende Beratung können Experten der Anbauverbände oder der Ökoberatungen der Länder kontaktiert werden. Zahlreiche umgestellte Leitbetriebe stellen umstellungsbereiten Betrieben darüber hinaus ihr Know-how zur Verfügung.

Viele Akteure des Bio-Zierpflanzenbaus sind inzwischen über die Kommunikationsplattform Olat vernetzt. Außerdem bietet ein spezielles Forum die Möglichkeit für den fachlichen Austausch untereinander. ble