Landwirtschaft und Natur

Zuwanderung und Arbeitsmarkt Deutsche Vernetzungsstelle Ländliche Räume zeigt erfolgreiche Möglichkeiten auf

Wie das auf dem Land zusammenpasst?

Die hohe Nachfrage nach Arbeitskräften sowie eine relativ entspannte Wohnsituation sind gute Gründe für Zugewanderte, sich auf dem Land nach Arbeit umzusehen. Und die Regionen profitieren davon durch eine bessere Auslastung der Infrastruktur.

Wie beide erfolgreich zusammenfinden können, zeigte die Deutsche Vernetzungsstelle Ländliche Räume (DVS) gemeinsam mit der Landwirtschaftskammer Niedersachsen auf der Tagung „Neues Zuhause auf dem Land – Zuwanderung und Arbeitsmarkt“ in Stapelfeld, Kreis Cloppenburg.

Reza Mohammadi ist Landwirt. Seit 2010 ist er in Deutschland und fand über verschiedene Stationen 2014 den Weg zu Naturland-Bauer Everhard Hüseman in der Grafschaft Bentheim. „Die Entscheidung, Reza Mohammadi im Betrieb zu beschäftigen, fiel gleich bei der ersten Begegnung: als Reza im Melkstand sofort erkannte, dass mit einer Kuh etwas nicht stimmte, obwohl er vorher nie mit Kühen gearbeitet hat.“ Er bot ihm 2015 einen Ausbildungsplatz an. Mutig? Ja! Hat es sich gelohnt? Ja! Heute hat Reza Mohammadi einen unbefristeten Arbeitsvertrag im Betrieb Hüseman.

Die Erfolgsbeispiele für gelungene Integration verlangen allen Beteiligten Einiges ab. „Viel hängt von der Unternehmenskultur ab. Chefs müssen die gesamte Mannschaft mit auf den Weg nehmen“, so Dr. Hanns-Christoph Eiden, Präsident der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung. „Gleichzeitig sind mangelnde Deutschkenntnisse und fehlende Rechtssicherheit bei der Bleibeperspektive ein Hinderungsgrund“, so Eiden.

An zwei Tagen ging es in Stapelfeld darum, wie es gelingen kann, Flüchtlinge in Grüne Berufe einzustellen und sie langfristig in die Region zu integrieren. Da ist beispielsweise Samer Alkhateb aus Syrien. Er ist ausgebildeter Agraringenieur und arbeitet im Futtermittelqualitätsmanagement bei GS Agri in Schneiderkrug. Er beurteilt die eingesetzten Getreidearten und andere pflanzliche Produkte auf ihre Inhaltsstoffe.

Nach einem Praktikum bekam er einen Zweijahres-Arbeitsvertrag. Der Leiter der Futtermittelabteilung, Stefan Büngener-Schröder, freut sich, dass er Samer Alkhateb kennengelernt hat: „Seine Art mit Zahlen umgehen zu können und sein Verständnis für Projektmanagement sind sehr wertvoll für das Unternehmen.“ Samer Alkhateb möchte weiter lernen, Masterstudium und Promotion sind nicht ausgeschlossen.

„Die Landwirtschaftskammer Niedersachsen ist bereit, hier mit ihren Fachabteilungen Bildung und Arbeitnehmerberatung aber auch in der Unternehmensberatung in diesen Netzwerken mitzuarbeiten“, so Vizepräsident Heinrich Grupe. „Regional an verschiedenen Stellen aktiv tätig sind drei vom Bundeswirtschaftsministerium geförderte Willkommenslotsinnen, die Unternehmen unterstützen, geflüchtete Menschen in Ausbildung und Arbeit zu unterstützen.“

„Es zeigt sich, dass die regionalen Akteure und die Kommunalpolitik in Netzwerken kooperieren und an einem Strang ziehen müssen, in denen auch Unternehmen, Kammern, Zivilgesellschaft sowie die Bevölkerung eine Stimme haben“, so BLE-Präsident Eiden. Diese Netzwerkarbeit zu unterstützen, ist Aufgabe der dvs in der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung. Auch in Stapelfeld ging es darum, den Austausch von Beteiligten zu fördern und gute Ideen zu verbreiten. ble