Lauda / Königshofen

Bildung Kooperationsprojekt des Martin-Schleyer-Gymnasiums mit der Nabu-Gruppe Lauda

Blumenwiese für Bienen und Hummeln

Archivartikel

Lauda-Königshofen.Zu den wichtigsten Aspekten des inzwischen auch medial ständig präsenten Insektensterbens gehört die Rolle von Insekten als Bestäuber. Weit mehr als die Hälfte aller Tierarten sind Insekten und sie spielen eine unersetzliche Rolle für die Aufrechterhaltung ökologischer Zusammenhänge und das menschliche Wohlergehen. Doch seit Jahrzehnten gehen Insektenarten und ihre Bestände drastisch zurück.

Insekten wie Wild- und Honigbienen, aber auch Schmetterlinge, Fliegen, Wespen oder Käfer suchen Blütenpflanzen vor allem deshalb auf, um deren Nektar und Pollen zu sammeln. Durch ihre Berührungen bestäuben sie das weibliche Blütenorgan mit den gesammelten Pollen. Durch diesen scheinbar kleinen und einfachen Vorgang wird die sexuelle Vermehrung von weltweit etwa 88 Prozent aller Pflanzen sichergestellt.

Durch die fleißigen Insekten und ihre Bestäuberleistung wird nicht nur gewährleistet, dass die Pflanzenwelt fortbesteht und ihre Vielfalt erhalten bleibt, sie ermöglichen zudem, dass zahlreiche Tiere, die auf Wiesen, Hecken oder Bäume angewiesen sind, Lebensräume zur Deckung, Fortpflanzung und Nahrungsgrundlage haben. So ist zum Beispiel ein beträchtlicher Anteil heimischer Singvogelarten von Sämereien, Nüssen oder Obst abhängig – Produkte, die ihre Entstehung meistens der Bestäubung durch Insekten zu verdanken haben.

Aber auch der Mensch ist auf bestäubende Insekten angewiesen. Von den 107 weltweit am häufigsten angebauten Kulturpflanzen werden 91 in unterschiedlichem Ausmaß bestäubt. Erdbeeren und Kirschen, Raps, Kaffee oder Wassermelonen bringen besonders reiche Erträge, wenn sie von Wildbienen oder anderen Insekten bestäubt werden. Schätzungen zufolge würde ein Totalverlust an Bestäubern dazu führen, dass Ernteeinbrüche um bis zu 90 Prozent zu befürchten wären. Ohne Insekten als Bestäuber müsste der Mensch auf viele Obst- und Gemüsesorten verzichten.

Selbstverständlich dienen in der Ökologie nicht nur wildlebende Insektenarten, sondern auch die Honigbiene der Bestäubung. Die Effektivität der Honigbienen in der Bestäubung kommt dabei vor allem durch die Überwinterung. Erst die Überwinterung der Honigbiene ermöglicht es, zur ersten großen Blüte im Frühjahr genügend Insekten zur Bestäubung zu haben, da viele andere Bienenarten sich zu diesem Zeitpunkt noch im Aufbau ihrer Population befinden.

Rund 80 Prozent der Nutz- und Wildpflanzen, von der Karotte über den Kürbis bis hin zum Klee, werden von der Honigbiene bestäubt. Nicht umsonst bewertet das Umweltbundesamt sie als drittwichtigstes Nutztier nach Rind und Schwein, ganz abgesehen davon, dass sie ja auch noch leckeren Honig produziert. Von daher war es für die Imker-AG des Martin-Schleyer-Gymnasiums Lauda gar keine Frage, dass man das etwas öde Einheitsgrün, welches das Gymnasium umgibt, am liebsten in eine blühende Bienenweise verwandeln würde. Denn diese AG, die von Studiendirektor Andreas Roser vor einem Jahr gegründet wurde, unterhält auf dem Dach der Schule mehrere Bienenvölker und erntete im vergangenen Jahr bereits eine kleine Menge Honig.

So holte man sich ideelle und praktische Unterstützung von Seiten der Stadtverwaltung und der Nabu Gruppe Lauda, um die Idee von einer Bienenweide auf dem Schulgelände zu verwirklichen. Vor kurzem wurde ein Teil des „Rasens“ hinter dem Schulgebäude vom städtischen Bauhof umgebrochen und die so vorbereitete Fläche mit einer speziellen, für Bienen und Hummeln attraktiven Blumenmischung eingesät. Die örtliche Nabu Gruppe stellte die Saatmischung und die notwendigen Gerätschaften, so dass die 13 Schüler der Imker-AG den ersten Schritt hin zur Verwirklichung der Bienenweide tätigten.

Alle Beteiligten hoffen nun, dass sich die Insektenwiese in den nächsten Wochen prächtig entwickelt und zu einem Anziehungspunkt für die schulischen Bienen, aber natürlich auch anderen Insekten wird. misa