Lauda / Königshofen

Training Gemeinsam mit der Polizei Heilbronn und der Westfrankenbahn führte die Josef-Schmitt-Realschule einen Projekttag durch

„Couragiert Bahnfahren“ will gelernt sein

Archivartikel

Das richtige Verhalten im öffentlichen Verkehrsraum war Hauptthema des Projekttags „ Zug um Zug zur Schule – couragiert Bahnfahren“ an der Realschule Lauda-Königshofen.

Lauda-Königshofen. An insgesamt 195 Tagen müssen die Schüler in Baden Württemberg im Jahr 2018/19 die Schulbank drücken. Ebenso oft müssen sie folgerichtig den Weg in die Unterrichtsräume zurück legen. Mit der Zeit wird das für die Jugendlichen alles zur Routine – möchte man meinen. Besonders im öffentlichen Verkehrsraum kann es aber immer wieder zu unvorsehbaren Vorkommnissen kommen, auf die man entsprechend reagieren muss.

Zwei Projektteile

Um Schülern dieses Verhalten näher zu bringen und sie für ein couragiertes Handeln im Bahnverkehr zu sensibilisieren, führte die Josef-Schmitt-Realschule Lauda-Königshofen am Mittwoch gemeinsam mit dem Polizeipräsidium Heilbronn, Referat Prävention, Außenstelle Tauberbischofsheim und der Westfrankenbahn den Projekttag „Tag der Schülersicherheit, Zug um Zug zur Schule – couragiert Bahn fahren“ durch.

Teilnehmer waren die Schüler der achten Klasse der Realschule, die aufgeteilt in zwei Gruppen über den ganzen Vormittag zwei Projektteile absolvierten. Eine Hälfte der Achtklässler fuhr mit Organisator Polizeihauptkommissar Erwin Weiß mit dem Zug vom Bahnhof Lauda nach Bad Mergentheim. Die restlichen Schüler hörten einem Vortrag von Polizeihauptmeisterin Sabine Hönninger, vom Referat Prävention des Polizeipräsidiums Heilbronn.

Verhalten am Bahnhof

Schon vor der Ankunft am Bahnhof erklärt Erwin Weiß der Gruppe, wie man sich als Fußgänger im Verkehr beim Überqueren der Straße korrekt verhält. Er informierte die Schulklassen auch, dass besonders in der dunklen Jahreszeit eine entsprechende Kleidung wichtig sei. „Dass man sieht und gesehen wird, ist das A und O“,betonte Weiß.

Angekommen am Bahnhof Lauda erläutert dann Hans Otto Lausberger von der Westfrankenbahn an einer Schautafel den Aufbau und die Besonderheiten am Bahnhof. Er wies die Jugendlichen darauf hin, dass ein Bahnhof gefährlich sein könne.Es sei daher besonders wichtig, immer aufzupassen. „Leichtsinnige Handlungen ohne böse Absicht und Übermut können schlimme Folgen haben“, meinte Lausberger.

Ein Zug werde schnell mal überhört, dabei habe er einen vergleichsweise besonders langen Bremsweg. Weiter führt er aus, dass Graffitis auf Zügen und dem Bahnsteig kein Kavaliersdelikt seien, weil durch die Besprühungen oft wichtige Markierungen für Rettungskräfte verdeckt würden.

Direkt am Bahnsteig erklärt Lausberger verschiedene Merkmale zum Beispiel, anhand welcher Markierungspunkte sich Blinde orientieren und welche Funktion technische Einrichtungen wie Gleismagneten haben.

Auf der Zugfahrt ging es dann neben der Ausstattung des Zuges auch um das konkrete Verhalten während der Fahrt im Notfall. Lausberger erklärt den Schülern, dass es wichtig sei, das Gepäck richtig zu verstauen und erläutert die Frage eines Schülers, unter welchen Umständen es erlaubt sei, die Notbremse zu betätigen. Erwin Weiß ermutigt die Schüler, ein couragiertes Verhalten an den Tag zu legen. „Nicht weggucken und Vorfälle melden“, gab Erwin Weiss den Schülern mit.

Diese bewerteten den Projekttag positiv. Andreas Ihl aus der Klasse 8a war besonders wichtig, dass ihm und seiner Klasse die Sicherheitsvorkehrungen gezeigt wurden „Dass man am Bahnsteig keinen Quatsch macht und niemanden schubst“, habe er besonders verinnerlicht, sagt Lukas Weis aus der 8a. Auch der Klassenlehrer der teilnehmenden Klasse 8b, Michael Weniger, fand den Projekttag „sehr sinnvoll“. Es sei wichtig, bei den Schülern ein Bewusstsein für ein richtiges Verhalten zu entwickeln. „Besonders in Gruppen achten die Schüler nicht immer so genau auf den Verkehr,“ so der Lehrer.

Unterschiedliche Bewertungen

Im zweiten Teil des Projekttages referierte Sabine Hönninger zum Thema „Gewalt im öffentlichen Verkehrsraum“. Dabei bezog sie die Schulklassen durch interaktive Elemente mit ein. Anhand eines „Gewaltbarometers“ stuften die Schüler verschiedenen Fälle wie eine verbale Beleidigung auf einer Zugfahrt oder die Beschädigung eines Sitzes auf einer Skala ein. Dabei kam es zu recht unterschiedlichen Ergebnissen.

„Jeder sieht Gewalt ein bisschen anders“, erkläre Hönninger den Schülern daraufhin. Es sei wichtig, sich in andere hineinzuversetzen. „Was Gewalt ist, bestimmt in erster Linie das Opfer und nicht der Täter“, führte sie weiter aus. Sie klärte die Schüler auch darüber auf, dass man gesetzlich dazu verpflichtet sei, anderen Hilfe zu leisten.

Diskussion über Videofall

Um dies weiter zu verdeutlichen, wurde den Schülern ein Beispielvideo gezeigt, in dem sich eine Schülerin durch vorbildliches Verhalten auszeichnete. Anschließend diskutierten die Schüler rege über den Fall und äußerten, wie sie im gezeigten Fall gehandelt hätten. „Wenn wir alle wegschauen und nichts unternehmen, geht die Gewalt immer weiter. Irgendwann ist man vielleicht selbst Opfer“ sensibilisierte Sabine Hönninger die Schüler.

Der Präventionsbeauftragte und Mitorganisator des Projekttages freute sich über einen reibunslosen Ablauf des Projekttages. „Heute ging es in erster Linie um die vorbeugende Maßnahmen. Wir werden in Kürze ein Feedback der Schüler einholen.“ so der Lehrer.

Auch Hans Otto Lausberger von der Westfrankenbahn zeigte sich zufrieden mit dem Verlauf des Tages. „Ich bin froh, dass die Schule mitgemacht hat.“ Möglicherweise kann der Projekttag auch im nächsten Jahr angeboten werden. „Wir arbeiten daran“, sagte Organisator Erwin Weiß.