Lauda / Königshofen

Leserbrief Zu „Klage, um meine Familie zu schützen“ (FN, 26. Mai)

Das Gemeinwohl sollte über dem Wohl eines Einzelnen stehen

Auch wir – ein enger Freundeskreis aus Lauda – würden gerne Stellung zur aktuellen Lage des Weinfestes in unserer geliebten Heimatstadt nehmen.

Wie kann es ein Einzelner nur so weit bringen? Wie kann ein Einzelner nur 40 Jahre Tradition verspotten?

Und am wichtigsten – wie konnte man es nur so weit kommen lassen?

Jedem Verein und jeder Person, die im Herzen mit dem Weinfest verbunden ist, zu schaden!

Nicht nur Tradition geht verloren, auch eine wichtige Einnahmequelle und ein Stück Zusammenhalt der Vereine bricht dadurch weg. Was hier ganz beiläufig unter den Tisch fällt, ist, dass die Vereine, die den Einwohnern Laudas einen Ausgleich zum Alltag bieten, durch die gekürzten Öffnungszeiten einen enormen Geldverlust und damit verbundene Umstrukturierungen in Kauf nehmen müssen. Diesen Verlust durch andere Veranstaltungen auszugleichen, ist kaum möglich. So müssen sich Freiwillige und Engagierte zurücknehmen, um Rücksicht auf einen Einzelnen und dessen „Komfort“ zu nehmen.

Wollen wir hoffen, dass die Rentabilität für die Vereine weiterhin gegeben ist und der Zeit- und Kraftaufwand der Helferinnen und Helfer sich auch in den kommenden Jahren lohnt. Für den Fortbestand von Vereinen, dem Weinfest und einer Tradition.

Aber nicht nur der finanzielle, sondern auch der soziale Aspekt geht durch diese Veränderung verloren. Es mag zwar „nur“ ein paar Stunden früher Schluss sein, jedoch haben wir nicht ohne weiteres die Möglichkeit – im Vergleich zu Würzburg und Heilbronn – den angebrochenen Abend nach Festende um 23 Uhr fortzusetzen.

Für die verschiedensten Generationen, die an diesen zwei (!) Nächten aus nah und fern anreisen, um das einzige Fest in Lauda zu genießen, bietet eine Kleinstadt im Vergleich zu den genannten Großstädten keine Option für ein akzeptables Ende, wie es dieses Fest verdient hätte.

Zumal mit der Strumpfkapp bereits eine tragende Stütze des Weinfestes und der Altstadt zum Wohle der nebenan eingezogenen Familie schließen musste. Von dem Vorschlag, das Weinfest durch Shuttlebusse im Anschluss in die Stadthalle zu verlagern, halten wir persönlich auch nichts.

Zum einen ist eine geschlossene Halle für ein Fest sommerlichen Charakters wohl kaum der richtige Ort, zum anderen gibt es dort das Jahr über genügend andere Veranstaltungen, denen die Anwohner ausgesetzt sind – auch ohne sich zu beschweren.

Die Absicht und der Gedanke, seine Familie schützen zu wollen, ist vollkommen verständlich, welchen die Stadt Lauda auch durch eine kostenfreie Unterbringung in einem Hotel unterstützen wollte. Warum man jedoch dieses durchaus großzügige Angebot ohne eine Stellungnahme dazu abzugeben ablehnt, ist für uns in jeder Hinsicht unverständlich. Trotz alldem freuen wir uns auch dieses Jahr auf das Weinfest im Herzen von Lauda und auf all die Köstlichkeiten der Vereine und möchten Sie, liebe Leserinnen und Leser, dazu aufrufen, das Weinfest auch in diesem Jahr zu besuchen.

Denn in unseren Augen sollte das Gemeinwohl immer über das Wohl eines Einzelnen gestellt werden. Schließlich möchte niemand, dass ein Verein oder das Weinfest vor die Hunde geht – außer vielleicht einer.

Auf dass das Weinfest in Lauda noch viele weitere Jahre bestehen bleibt!