Lauda / Königshofen

Leserbrief Zur Erschließung des Südfleisch-Areals

Die Ansichten des anderen sind zu achten und zu respektieren

Irritationen zu größeren Projekten jeglicher Art sind nichts Besonderes und auch völlig normal. Der sachlich-fundierte Diskurs ist ein wichtiger Bestandteil der demokratischen Auseinandersetzung und Willensbildung. Das Grundgesetz sichert uns dies zu. Im Umkehrschluss sind wir aber somit auch in der Pflicht, die Ansichten des anderen zu achten und zu respektieren. Meinungsfreiheit ist keine Einbahnstraße. Zur Meinungsäußerung zählt im Übrigen auch ein einfaches Schweigen. Auch dies ist zu akzeptieren!

Oft führt eine persönliche Betroffenheit zu einer erhöhten, emotionalen Verstrickung in ein Thema. Wo dieses „Involvement“ herrührt, kann mannigfaltige Ursachen haben. Zum Beispiel durch eine ausgeprägte persönliche Antipathie oder Wohlwollen gegenüber Protagonisten; Neid und Missgunst, aber auch Hörigkeit und Lob könnten solche Auslöser sein. Ob Mitarbeiter, Nachbar, vehementer Gegner oder Befürworter, jeder ist auf seine Weise in einen Sachverhalt involviert und darf einen Stein in das Mosaik einfügen.

Dass es bei der Erschließung des Südfleisch-Areals nicht primär um die Offenlegung des „Öwerläuder-Bachs“ geht, dürfte relativ schnell klar sein. Der verdolte Bach nimmt hier in der Kommunikation einiger Disputanten quasi die Stellung eines „Laudaer Juchtenkäfers“ ein. So wie ich die bisherige Berichterstattung sehe, steht das Areal am Ortseingang in einer direkten Beziehung zu der geplanten Erschließung des Bahnareals. Ein Projekt, welches seit geschätzt 15 Jahren seitens der Verantwortlichen in der Verwaltung vorangetrieben wird.

Es wäre ein unsägliches Versäumnis derer „da oben“, sich die Möglichkeit einer geregelten Zufahrt zu diesem neuen Stadtquartier, entgehen zu lassen. Einer Zufahrt, ohne gefühlt endloser Wartezeiten durch rangierende Lkw!

Die Positionen der Beteiligten sind definiert und bekannt, die Planungen der Stadt für dieses Gebiet liegen vor. Die formaljuristische Korrektheit des vorinstanzlichen Urteils wird abermals überprüft werden müssen. Kurz zusammengefasst: Es ist nett und legitim, dass man für einen der Beteiligten, medialen Druck aufbaut, aber die Standpunkte sind klar und bedürfen keiner x-fachen Klärung.

Eine Tendenz ist seit geraumer Zeit festzustellen und manifestiert sich auch hier wieder: Dagegen sein ist en vogue! Bedenkenträger zu sein ist kein Makel mehr, sondern eher eine gute Eigenschaft.

Die eigenen Interessen und Befindlichkeiten werden zunehmend über die des Gemeinwohls gestellt. Die Brandreden gegen „die da oben“ betonen ein „Wir“. Dies kann jedoch ganz einfach durch ein schnödes „Ich“ ausgetauscht werden. Me, Myself and I! Wenn dann noch Schulterklopfer hinzukommen, bekräftigt das die subjektiven Bedenken. Aus einem selektiven, individuellen Irrglaube, wird so ein kollektiviertes Gefühl konstruiert. Für eine vorausschauende (Unternehmens-)Politik, sind dies die falschen Berater.

Eines noch so am Rande: Das Hohe Lied der Freude über die FBL kann ich so nicht mitsingen. In meinen Augen ist es keine positive und lobenswerte Eigenschaft, die Meinung zu Themen so oft zu wechseln, wie die eigene Unterwäsche. Mal braucht man die Bahnunterführung Nord, mal nicht. Wenn es um die Becksteiner Straße geht, dann eventuell doch wieder. Moment, aber nur so lange, bis sich jemand an der Farbe der Pflanzkübel neben der neuen Durchfahrt unter den Schienen, stört. Mit einigen Schulterklopfern tritt er/sie/es einen Shitstorm los und die FBL findet das gut. Mal sind es Ost-, mal sind es West-Königshöfer, mal Bahngelände mit Überplanung Südfleisch, mal Bahnbrache.

Gerade so wie der vermeintliche Volkswille es herausposaunt und man sich in der Stimmung oben wähnt. Ich würde dies kurz als Willfährigkeit im Handeln und somit als unverantwortlich für unsere Stadt bezeichnen. Nur so ganz nebenbei.

Es schickt sich wohl, die eine oder andere Plattitüde aus einem Managerseminar, zu zitieren. Also hier ein treffendes Beispiel: In der (Kommunal-) Politik brauchen wir wieder mehr Unternehmer und weniger Unterlasser!