Lauda / Königshofen

Vortrag Günther E. Ascher stellte in der „Weinlese“ die Ergebnisse seiner Nachforschungen vor

„Die Geschichte des Tauberschwarz muss neu erzählt werden“

Archivartikel

Gerlachsheim.„Tauberschwarz – Ergebnisse einer Nachforschung“ lautete der Titel eines Vortrags von Günther E. Ascher im WeinCafé „Weinlese“ in Gerlachsheim. Einhergehend stellte der Wertheimer sein jüngstes Buch „Tauberschwarz“ vor.

Der Autor, unter anderem Weingästeführer für das „Liebliche Taubertal“, hat sich tief in die Geschichte dieses gebietstypischen Weins eingearbeitet, der als Einziger seine Herkunft im Namen trägt. Dazu hat Ascher viele Gespräche geführt, sich in Archive begeben und Informationen gesammelt. Im Wesentlichen dazu animiert wurde er durch einen „Nachruf“ des Bad Mergentheimer Schriftstellers und Heimatforschers Carlheinz Gräter auf die Rebe in den 1960er Jahren sowie dessen Fund eines Dekrets.

Über das Thema „Tauberschwarz“ sei schon vieles verfasst worden, allerdings hätten seine Recherchen ergeben, dass 90 Prozent von früheren Ursprüngen übernommen worden seien, meinte Ascher. Daher sei er überzeugt, dass die Geschichte dieses einzigartigen Weins neu erzählt werden müsse. „Vieles, was über diesen Wein geschrieben wurde, ist nicht belegbar“, betonte er bei seinem Vortrag in der Gerlachsheimer WeinLese.

Wurde bislang davon ausgegangen, dass das von Graeter entdeckte Dekret aus dem Jahr 1726 die erste und damit älteste belegbare Quelle des Tauberschwarzes sei, habe Ascher bei seinen Nachforschungen weiter zurückliegende Erwähnungen gefunden, die Hinweise auf diese Rebsorte geben könnten wie zum Beispiel die Synonyme „Süßschwarz“, „Großschwarz“ oder „Blauer Hängling“. Eine Verbindung sogar zwischen Tauberschwarz und dem Weikersheimer Grafen Wolfgang oder dem Grafen Carl Ludwig, wie sie von manchen Quellen spekuliert werden, habe er allerdings weder auffinden können noch halte er sie für wahrscheinlich.

Vermutlich habe der Tauberschwarz nicht als edle Rebe gegolten und sei frühzeitig Teil des sogenannten „Huntsch“ gewesen, einem gemischten Satz aus verschiedenen einfachen Reben, um durch die Beschaffenheit der jeweiligen Sorten negative Effekte von Ausfällen zu minimieren oder zu vermeiden. „Es wäre unlogisch, wenn sich die Obrigkeiten für eine Rebe stark gemacht hätten, die dem minderwertigen Huntsch angehörte“, erläuterte Ascher.

Als weitere Einzigartigkeit gebe es Tauberschwarz in den drei Weinanbaugebieten des Taubertals, nämlich Baden, Württemberg und Franken, die nicht nur geologisch und mineralisch, sondern zudem auch weinbaupolitisch verschiedenartig seien. So dürfe der Tauberschwarz bis auf eine Ausnahme nur im tauberfränkischen und fränkischen Bereich in Bocksbeutel abgefüllt werden.

Fast wäre der Tauberschwarz insbesondere durch intensive Flurbereinigungen in den 50er- und 60er-Jahren sowie durch den verstärkten Ausbau besonders ertragreicher Rebsorten ausgestorben, wenn es nicht entscheidende Akteure als deren „Retter“ gegeben hätte wie etwa Werner Vögtlin, einst Verwalter des ehemaligen Rebguts in Lauda. Auslöser für den Beginn einer Renaissance waren heftige Fröste im Winter 1978/79, da Tauberschwarz einer der wenigen Gattungen war, die überlebt hatten, deren Beiaugen sich erholten und die schließlich getragen haben.

Danach habe man angefangen, die Rebe wieder vermehrt zu züchten. Trotz zunehmender Revitalisierung sei die Zulassung durch das Bundessortenamt jedoch erst im Jahr 1994 erfolgt.

Heute kultivieren 16 Winzer im Taubertal die Rebsorte auf insgesamt 14,96 Hektar. Inzwischen wird Tauberschwarz nicht nur wie herkömmlich als leichter, sondern unter anderem auch als kräftiger Rotwein im Barrique-Fass oder als Rosé sowie sogar als Weißwein ausgebaut. „Der Trend scheint jedoch zurückzugehen“, bedauerte Ascher, verbunden mit der Hoffnung, dass dieses einzigartige und ausschließlich regionaltypische Weingenre als Alleinstellungsmerkmal des Taubertals weiterhin angemessen erhalten bleibe. pdw