Lauda / Königshofen

Diplomatie Fehlanzeige

Wie sich ein kleines Lagerfeuer innerhalb von gut drei Jahren zum Flächenbrand entfacht, zeigt sich in Gerlachsheim. Und wenn sich der Bürgermeister bezüglich der zwischenzeitlich auf das Dreifache angewachsenen Anliefermenge von Bauaushub zu der Aussage hinreißen lässt, da sei der Stadtverwaltung wohl „etwas durchgerutscht“, wird unnötig zusätzliches Öl in die Flammen gegossen, was ein Eindämmen des Feuers kaum mehr möglich macht.

Die Firma Konrad Bau will ihre Geschäftsfelder mit der Umsetzung einer Bodenverbesserungsanlage erweitern – solche Pläne sind für ein Unternehmen, das wirtschaftlich denkt, grundsätzlich legitim. Speziell in diesem Fall ist aber einiges aus dem Ruder gelaufen.

Rathauschef Thomas Maertens muss sich den Vorwurf gefallen lassen, zu wenig Fingerspitzengefühl, Diplomatie und Sensibilität im Umgang mit den Gerlachsheimer Einwohnern an den Tag gelegt zu haben. Es hat hier den Anschein, als werde wirtschaftliches Denken über das Bürgerinteresse gestellt. Und das darf nicht sein!

Es ist sehr erstaunlich, dass die Anliefermenge von ursprünglich 50 000 Tonnen im Jahr, bei der Genehmigung hatten bereits viele Gemeinderäte Bauchweh, um das Dreifache erhöht wurde. Wen wundert’s da, dass die Bürger auf die Barrikaden gehen? Die sollen zudem noch eine deutliche Steigerung des Schwerlastverkehrs hinnehmen, der sich durch die mit zwei Engstellen versehene Ortsdurchfahrt zwängt. Da kann einem schon mal der Kragen platzen – auch vor dem Hintergrund, dass zahlreiche Kommunen durch den Bau von Umgehungsstraßen bestrebt sind, Lastkraftwagen komplett aus dem Ortsbild zu verbannen.

Warum die Wahl auf diesen Standort gefallen ist, bleibt ohnehin das Geheimnis der Verantwortlichen. Die argumentieren zwar unter anderem damit, dass die Vorgaben, was zum Beispiel Lärm oder Luftverschmutzung angeht, deutlich unter den Grenzwerten lägen und das Projekt rechtlich und gesetzlich auf einem sicheren Fundament stehe. Doch wäre es auch mal angebracht gewesen, über den Tellerrand zu blicken. Denn dazu gibt es genug Anlass.

Wer denkt zum Beispiel an die Sicherheit jener Kinder, die in den örtlichen Kindergarten und die Grundschule gehen? Beide Einrichtungen liegen in unmittelbarer Nähe jener Strecke, auf welcher künftig der Schwerlastverkehr durch den Ort rollen soll, um das Material anzukarren. Und wer hat das Wohl jener Senioren im Fokus, die zum Teil mit Rollatoren unterwegs sind und die Pfarrkirche auf der anderen Straßenseite besuchen wollen? Insgesamt befürchten die Bürger, gerade jene, die in der Würzburger Straße ihr Eigenheim haben, zudem einen Verlust an Lebensqualität. Ganz zu schweigen, dass der Krach durchfahrender Lkw nicht gerade förderlich ist für das gesundheitliche Wohl der Anwohner.

Noch ist Zeit zu reagieren. Vielleicht gehen die Verantwortlichen nochmals in sich und denken über einen Alternativstandort für das umstrittene Projekt nach. Dem kommunalen Frieden würd’s sicher guttun!