Lauda / Königshofen

Kultur Sommerliches Konzert mit Christina Lösch und dem Ensemble „Cantabossa“

Eine Brise brasilianisches Flair und Lebensgefühl versprüht

Archivartikel

Lauda.. Eine wunderbare Brise brasilianischen Flairs und Lebensgefühls „Saudade“ war in der katholischen Pfarrscheune beim Konzert von Christina Lösch und dem Ensemble „Cantabossa“ zu verspüren.

„Cantabossa“ mit „Bossa Nova, Samba und Música Popular Brasileira“ ist ein Projekt der aus Lauda stammenden sowie heute in Köln lebenden Christina Lösch, das sie seit 2010 in unterschiedlichen Ensemblebesetzungen auf die Bühne bringt. Ihren ersten Unterricht erhielt die Sängerin und Musikerin an der Schule für Musik und Tanz im mittleren Taubertal. Nach dem Abitur studierte sie in Würzburg Englisch und Deutsch. Vor langer Zeit wechselte sie von der klassischen Gitarre zum Gesang und sang unter anderem in diversen Jazz-Formationen und in einer Bigband. Seither zählt Christina Lösch zu den besonderen Jazzstimmen in Deutschland.

Schallplatte gefunden

Begonnen habe ihre Liebe zur Schönheit der brasilianischen Sprache und Musik vor fast 30 Jahren, als sie unter dem Sofa eine Schallplatte von dem brasilianischen Sänger, Pianisten, Gitarristen und Komponisten Carlos Antonio „Tom“ Jobim gefunden habe, erzählte Christina Lösch unter anderem in ihren moderierenden Geschichten zwischen den Titeln. Bald seien weitere Komponisten wie Astrid Gilberto und João Gilberto hinzugekommen. Diese Liebe habe sie nie mehr losgelassen. Daher habe sie begonnen, sich als Sprachwissenschaftlerin mit der brasilianischen Sprache und als Sängerin mit der brasilianischen Musik zu beschäftigen. Seitdem singt Lösch nicht nur weiterhin Chansons bis hin zum Jazz, sondern besonders auch Bossa Nova, Samba und Artverwandtes – nämlich „Música Popular Brasileira“. Herausgekommen ist dabei „Cantabossa“.

In dessen aktueller Formation mit dem Bassisten und Gitarristen Daniel Rodeck sowie dem Pianisten und Keyboarder Karsten Winhart präsentierte Lösch beim Konzert in Lauda, in Kooperation mit dem Katholischen Kirchenchor und dessen Leiter Christian Abelein stattfand, ihr derzeitiges südamerikanisches Programm, das zugleich auch unter dem Motto „50 Jahre Bossa Nova – é más que nada!“ stand. Der Ursprung des Bossa Novas liege 1959, als Tom Jobim ihn hinter einem Polsterkissen eines Sofas gefunden habe, berichtete Lösch.

Daraus hätten er und weitere Komponisten einen Musikstil entwickelt, der Cool-Jazz besonders mit Samba und Blues vereine. Zwar sei die absolute Hochblütezeit des Bossa Novas bereits nach etwa zehn Jahren wieder vorbei gewesen, jedoch sind zahlreiche Titel bis heute weltweite Evergreens geblieben. Die Geschichte des Bossa Nova kann man in dem Buch „Bossa Nova – The Sound of Ipanema“ von Ruy Castro umfangreich nachlesen.

Ein echter Klassiker

„Wave“, so der Auftakttitel des „Cantabossa“-Konzertabends in Lauda, zählt zu den Klassikern Tom Jobims. Ebenfalls eine ganz spezielle Hommage an den Bossa Nova war „Antonio’s Song“ des US-amerikanischen Jazz-Sängers und Songwriters Michael Franks, gefolgt von der gefühlvollen Ballade „Folhas secas“ („Trockene Blätter“). Von einer Ente, die sich mit einer Gans zusammentut, handelte das heitere Lied O Pato („Die Ente“) von Astrid und João Gilberto. „Samba de uma nota só“, „Insensatez“, „Influência do Jazz“, „Ladeira da preguiça“, „É Luxo só“ und „Manha de Carnaval“ sowie als mit stehenden Ovationen stürmisch geforderte Zugabe „Garota de Ipanema“ unter anderem als weitere Titeln an diesem Abend zu hören.

Die brasilianische Musik wird stark durch spezifische Rhythmen geprägt und da für Christina Lösch der Rhythmus etwas ist, wo sie mitmuss, unterstrich sie diesen auch bei den meisten Liedern immer wieder mit verschiedenen Perkussionsinstrumenten.

Um die eigentliche Entstehungsgeschichte des Bossa Novas würden sich viele Mythen und Theorien, erzählte die Sängerin und Entertainerin.

Unter anderem die, dass er aus so genannten Limericks entsprungen sei, also einer meist scherzhaften Gedichtsform unter anderem mit einem rhythmischen Reimschema. Diese Theorie leite sich daher ab, dass 1958 in Rio ein internationaler Limerick-Kongress stattgefunden habe, bei dem Tom Jobim mit einem Musikauftritt Gast gewesen sei. Dementsprechend

„Saudade fez um samba“ („Saudade macht einen Samba“) heißt es in Brasilien. „Saudade“ ist ein Lebensgefühl, das die brasilianische Musik wie etwa auch den Bossa nova prägt.

Echtes Lebensgefühl

Ein echtes Lebensgefühl von einerseits Wehmut, Sehnsucht, Heimweh und sanfter Melancholie, andererseits auch wieder gepaart mit geradezu überschäumender Lebensfreude.

„Saudade“ sei in einer Liste der zehn am schwersten zu übersetzenden sowie in einer anderen Liste der schönsten Worte der Welt aufgeführt worden.

Beim Konzert in Lauda wurde von Christina Lösch und ihrer hervorragenden Gesangsstimme sowie von ihren beiden „Cantabossa“-Duo-Partnern Rodeck und Winhart „Saudade“ sowohl in musikalischer und gesanglicher als auch in sprachlicher Art und Weise wie etwa bei mal nachdenklichen, mal heiteren Zwischentexten über das Leben sowie Liebe, Trauer, Schmerz, Wehmut als auch Freude mit mitreißend großer Eleganz, Tiefe und Lebendigkeit sowie voller Lebensgefühle und Lebensfreude zelebriert, präsentiert und vermittelt. pdw